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[star]  Titel: Das Problem mit Jesu Stammbaum

[folder]  Kategorie: Geschichte & Mythologie

[time]  Letzte Änderung: 26.11.2015 um 21:11 Uhr

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Das Problem mit Jesu Stammbaum

Wer in der Bibel nach Widersprüchen sucht, wird schnell fündig. Scheinbar jedenfalls. In Bezug auf das Geschlechtsregister von Jesus Christus musste ich feststellen, dass es in kaum einem anderen Kapitel so viele Unklarheiten auf einem Fleck gibt.

Das Geschlechtsregister von Jesus Christus wurde sowohl im Matthäus-Evangelium als auch im Lukas-Evangelium überliefert. Die beiden Versionen unterscheiden sich gravierend voneinander, was viele Leute zum Anlass nehmen, die Autorität der gesamten Bibel in Frage zu stellen. Dabei ist das Problem sehr leicht zu lösen: Der eine Stammbaum führt wahrscheinlich über Jesu Mutter Mirjam, der andere über seinen Stiefvater Joseph. Im Artikel "Prophezeiungen über Jesus Christus" habe ich das mal schön bildlich dargestellt. Soweit so gut, doch es gibt noch ein viel schwierigeres Problem. Schauen wir uns mal den Bericht von Matthäus an:

"Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Abraham zeugte den Isaak; Isaak zeugte den Jakob; Jakob zeugte den Juda und seine Brüder; Juda zeugte den Perez und den Serach mit der Tamar; Perez zeugte den Hezron; Hezron zeugte den Aram; Aram zeugte den Amminadab; Amminadab zeugte den Nachschon; Nachschon zeugte den Salmon; Salmon zeugte den Boas mit der Rahab; Boas zeugte den Obed mit der Ruth; Obed zeugte den Isai; Isai zeugte den König David.

Der König David zeugte den Salomo mit der Frau des Uria; Salomo zeugte den Rehabeam; Rehabeam zeugte den Abija; Abija zeugte den Asa; Asa zeugte den Josaphat; Josaphat zeugte den Joram; Joram zeugte den Usija; Usija zeugte den Jotam; Jotam zeugte den Ahas; Ahas zeugte den Hiskia; Hiskia zeugte den Manasse; Manasse zeugte den Amon; Amon zeugte den Josia; Josia zeugte den Jechonja und dessen Brüder zur Zeit der Wegführung nach Babylon.

Nach der Wegführung nach Babylon zeugte Jechonja den Schealtiel; Schealtiel zeugte den Serubbabel; Serubbabel zeugte den Abihud; Abihud zeugte den Eljakim; Eljakim zeugte den Asor; Asor zeugte den Zadok; Zadok zeugte den Achim; Achim zeugte den Eliud; Eliud zeugte den Eleasar; Eleasar zeugte den Mattan; Mattan zeugte den Jakob; Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren ist, der Christus genannt wird.

So sind es nun von Abraham bis zu David insgesamt vierzehn Generationen und von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Generationen und von der Wegführung nach Babylon bis zu Christus vierzehn Generationen."

– Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1,1-17

Jesus Christus ist sowohl über Mirjam als auch über Joseph ein Nachkomme König Davids.
Jesus Christus ist sowohl über Mirjam als auch über Joseph ein Nachkomme König Davids.
Der Autor trennt das Geschlechtsregister in drei 14er-Blöcke. Sein Interesse an dieser Zahl ist schleierhaft, vielleicht sollte es als Merkhilfe dienen, oder er wollte die besondere Bedeutung der Abstammung von König David hervorheben, denn der Zahlenwert des Namens "David" beträgt vierzehn. Auf jeden Fall musste Matthäus ganz schön murksen, um den Stammbaum in drei 14er-Blöcke zu quetschen. Ein Vergleich mit 1. Chronik 3,10-12 zeigt, dass er vier Generationen übersprungen hat, um das Register abzukürzen. Das wäre nicht weiter tragisch, denn im Sprachgebrauch der Bibel kann auch ein Enkel als "Sohn" seines Großvaters bezeichnet werden. Jesus wurde auch "Sohn Davids" genannt, obwohl mindestens 30 Generationen dazwischen liegen. Das Problem ist viel mehr, dass in der Namensliste von Matthäus trotz Auslassungen ein Name zu viel steht! Von David bis zur Wegführung nach Babylon sollten 14 Generationen stehen. Doch wer genau nachzählt, wird feststellen, dass Matthäus 15 Namen nennt.

Ein Erklärungsversuch besagt, dass David hier nicht mitgezählt werden darf, da er bereits im ersten 14er-Block genannt wurde. Aber dann dürfte streng genommen auch Jechonja im dritten Block nicht mitgezählt werden, womit dort nur noch 13 Namen stünden. Im Kommentar der John McArthur-Studienbibel wird vorgeschlagen, dass Jechonja sowohl im zweiten als auch im dritten Block stehen muss, weil er sowohl die letzte Generation vor dem babylonischen Exil repräsentiert als auch die erste Generation nach dem Exil. Das scheint mir dann aber doch zu sehr konstruiert. Außerdem sagt Matthäus ausdrücklich, dass es von *David* bis zur Wegführung 14 Generationen sind, nicht von Salomo bis zur Wegführung.

So weit, so schlecht, also hab ich Google gefragt und bin dadurch auf die Website prueft-alles.com gestoßen, deren Autor Maurits im übrigen ein sehr nobles Motto verfolgt. Er hat auch sogleich eine klare und einfache Lösung des Namen-Problems gefunden. Hätte ich mal den Bibeltext genauer gelesen, hätte ich auch selbst drauf kommen können: Matthäus nennt zwar im zweiten Block 15 Namen, aber der letzte Name, Jechonja, sollte nicht mitgezählt werden. Warum? Ganz einfach. Es heißt ja nicht, dass es von David bis zu Jechonja 14 Namen sind, sondern von David bis zur Wegführung. Matthäus nimmt hier keine Person als Fixpunkt, sondern ein Ereignis. Und der Bibeltext verrät uns, dass Jechonja "zur Zeit" der Wegführung geboren wurde. Genau genommen war er gerade mal 18 Jahre alt und erst seit 3 Monaten König, als Nebukadnezar vor den Toren Jerusalems stand (2. Könige 24,8-12). Aber Jechonjas Generation war faktisch die erste nach der Wegführung. Er selbst zeugte auch erst nach dem Exil Söhne. Und genau darum geht es Matthäus. So kämen wir auf folgende Dreiteilung:

1. Abraham – 2. Isaak – 3. Jakob – 4. Juda – 5. Perez – 6. Hezron – 7. Aram – 8. Amminadab – 9. Nachschon – 10. Salmon – 11. Boas – 12. Obed – 13. Isai – 14. David

1. David – 2. Salomo – 3. Rehabeam – 4. Abija – 5. Asa – 6. Josaphat – 7. Joram – 8. Usija – 9. Jotam – 10. Ahas – 11. Hiskia – 12. Manasse – 13. Amon – 14. Josia

1. Jechonja – 2. Schealtiel – 3. Serubbabel – 4. Abihud – 5. Eljakim – 6. Asor – 7. Zadok – 8. Achim – 9. Elihud – 10. Eleasar – 11. Mattan – 12. Jakob – 13. Joseph – 14. Jesus

Das klingt doch einigermaßen logisch, wie ich finde, auch wenn es unserem westlichen Sinn nach Ordnung und Gleichheit etwas widerstreben mag. Die Hebräer sind da eben ein ganz eigenes Völkchen. Und wer sich nach all den Namen und Zahlen immer noch am Kopf kratzt und skeptisch drein guckt, dem kann ich beruhigt sagen:

"Die törichten Streitfragen aber und Geschlechtsregister, sowie Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen über das Gesetz meide; denn sie sind unnütz und nichtig."
– Brief an Titus, Kapitel 3,9

Shalom :-)

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Kommentare

Andreas
Ich wüsste nichts von den "törichten Streitfragen", hätte ich nicht diesen Vortrag mal gehört: https://www.youtube.com/watch?v=lK-drfyuTes , ab 1.27 geht es um den Stammbaum, der über Maria geht.
Michael Rood ist natürlich auch umstritten, aber vieles wurde mir durch ihn klarer, ähnlich bei Ron Wyatt und seinen Forschungen. Alles umstritten:
http://www.seekgod.ca/roodteachings.htm
Geschrieben am 10. Mai 2014 um 12:45 Uhr