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[star]  Titel: Der Tag des Zorns

[folder]  Kategorie: Theologie & Glaube

[time]  Letzte Änderung: 8.3.2014 um 17:56 Uhr

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Der Tag des Herrn steht bevor?

Der Tag des Zorns

Ein paar Gedanken von mir zum 2. Petrusbrief, Kapitel 3, und über die Frage, warum sich Jesu Wiederkunft noch immer herauszögert.

Für jeden Juden war und ist der Tag des Herrn, (auch: Tag Gottes, Tag des Zorns, Tag des Gerichts, usw) ein stehender Begriff für den Tag, an dem der lang erwartete Erlöser Israels, der Gesalbte Gottes, sein ewiges Friedensreich aufrichten wird. Da ich glaube, dass Jesus von Nazareth dieser Gesalbte ist, entspricht der "Tag des Herrn" für mich der Wiederkunft Jesu und dem Ende der Welt, an dem Jesus alle Menschen richten wird.

In seinem ersten Brief schrieb Petrus, dass der Tag des Herrn nahe herbei gekommen sei und dass wir Grund zur Freude hätten, da Jesus bald wiederkommen würde. Seinen zweiten Brief verfasste er als alter Mann in einer römischen Todeszelle, während er dem Ende seines Lebens entgegensah. Schon damals begannen einige daran zu zweifeln, dass Jesus überhaupt wiederkommen würde und verbreiteten diese Meinung in der Gemeinde. Es musste also erklärt werden, warum Jesus immer noch auf sich warten ließ. In den ersten beiden Kapiteln seines zweiten Briefes ruft Petrus der jungen Christengemeinde zunächst die wahre Lehre in Erinnerung und nennt Beispiele für das unmoralische Verhalten der Irrlehrer. Im dritten Kapitel hingegen greift er die konkrete Irrlehre auf:

"Geliebte, dies ist nun schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, um durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufzuwecken, damit ihr an die Worte gedenkt, die von den heiligen Propheten vorausgesagt worden sind, und dessen, was euch der Herr und Retter durch uns, die Apostel, aufgetragen hat. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass am Ende der Tage Spötter kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so, wie es von Anfang der Schöpfung an gewesen ist!"
– Vers 1-4

Das ist die Irrlehre, um die es geht, und sie ist bis heute Realität für uns. Die meisten Menschen rechnen nicht mehr mit Jesu Wiederkunft, geschweige denn, dass er die Welt richten wird. Deshalb stellt Petrus anhand von drei Punkten klar, warum Jesus immer noch auf sich warten lässt:

1. – Die Geschichte wiederholt sich


"Dabei übersehen sie aber absichtlich, dass es schon vorzeiten Himmel gab und eine Erde aus dem Wasser heraus [entstanden ist] und inmitten der Wasser bestanden hat durch das Wort Gottes; und dass durch diese [Wasser] die damalige Erde infolge einer Wasserflut zugrundeging. Die jetzigen Himmel aber und die Erde werden durch dasselbe Wort aufgespart und für das Feuer bewahrt bis zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen."
– Vers 5-7

Die Herauszögerung vom Ende der Welt ist eigentlich nichts Neues. Unsere Welt ist schon mal untergegangen: In den Tagen Noahs, als die Sintflut hereinbrach. Von der Schöpfung bis zur Sintflut vergingen ungefähr 1650 Jahre, und man geht davon aus, dass Noah ungefähr 120 Jahre an der Arche baute. Während dieser langen Zeit spotteten die Leute über ihn und gingen genau wie heute davon aus, dass alles so bleiben wird, wie es schon immer war. Doch Jesus selbst warnte vor diesem Irrtum: "Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um." (Lukas 17,27) Mit anderen Worten: Sie lebten ganz normal tagein tagaus, ohne sich auf das Ende vorzubereiten. Jesus Christus und das Ende der Welt werden überraschend kommen, wenn niemand mehr damit rechnet.

Zwar zeigte Gott dem Noah einen Regenbogen als Zeichen dafür, dass er die Welt nie wieder im Wasser untergehen lassen würde, aber das bedeutet nicht, dass die Welt gar nicht mehr untergehen wird. Das nächste Mal wird eben kein Wasser kommen, sondern Feuer. Ich gehe davon aus, dass die Sintflutgeschichte auch deshalb gern ins Reich der Märchen verbannt wird: Sie ist ein warnendes Zeugnis dafür, dass das Ende der Welt ganz real kommen wird. Ein Zeugnis, das die Gottlosen laut Petrus absichtlich übersehen. Die Frage ist: Sind wir darauf vorbereitet?

2. – Göttliche Dimensionen


"Dieses eine aber sollt ihr nicht übersehen, Geliebte, dass ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag!"
– Vers 8

Diese Gegenüberstellung von göttlichem und menschlichem Zeitempfinden ist gewiss nicht wörtlich zu verstehen. Wahrscheinlich steht die Zahl 1000 hier symbolisch für eine sehr große Zeitspanne. Petrus will also nicht sagen, dass für Gott seit Jesu Auferstehung erst 2 Tage vergangen sind, sondern dass Gott generell in völlig anderen Dimensionen denkt als wir. Ich stelle es mir gerne so vor, dass Gott außerhalb unserers Raum-Zeit-Kontinuums existiert und von dort die gesamte Weltgeschichte auf einmal im Blick hat; für ihn verschwimmt die Zeit gewissermaßen auf einen Punkt. Eilig hat er es jedenfalls nicht. Wir sollten nicht denken, Gott hätte uns vergessen, nur weil Jesus nach unserem Empfinden lange auf sich warten lässt!

3. – Zeit ist Gnade!


"Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe."
– Vers 9

Dieser letzte, wichtige Punkt wird gern übersehen. Könnte es sein, dass Jesus um Unseretwillen auf sich warten lässt? Käme er morgen wieder, wie viele Leute hätten dann keine Gelegenheit mehr, Vergebung für ihre Sünden zu finden? Und wäre er bereits vor 500 Jahren gekommen, hätten wir nie existiert! Wäre doch schade. Stattdessen schenkt er uns Zeit. Viel Zeit, Buße zu tun und Gott zu suchen. Das war übrigens auch schon bei Adam und Eva so. "Wenn ihr vom Baum der Erkenntnis esst, müsst ihr sterben", war das einzige, klipp und klare Gesetz im Garten von Eden. Die Menschen aßen vom verbotenen Baum – starben aber erst nach über 900 Jahren. Wenn Gott uns Zeit schenkt, ist das Gnade. Die sollten wir nicht verschwenden.

Schluss


Den Briefschluss nutzt Petrus, um den Tag des Herrn bildgewaltig zu illustrieren.

"Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen. Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor ihm erfunden werdet in Frieden!"
– Vers 10-14

Petrus will der Gemeinde hier gewiss keine Angst einjagen. Ich glaube, es geht ihm eher darum, dass wir das richtige Ziel nicht aus den Augen verlieren. Unsere diesseitige Welt ist nun mal nicht so, wie Gott sie sich vorgestellt hat. Deshalb dürfen wir dem Tag entgegeneilen, an dem Gott Himmel und Erde erneuert. Die Zerstörung geht Hand in Hand mit der Erneuerung. Diese Aussicht sollte uns laut Petrus motiveren, auch im Diesseits schon nach Gottes Grundsätzen zu leben. Die Irrlehrer, die Jesu Wiederkunft leugnen, können auch keine Hoffnung auf eine neue Welt haben, in der Gerechtigkeit herrscht. Aber genau das ist Thema der ganzen Bibel.

Der Rest des Briefes spricht eigentlich für sich:

"Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben. Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im voraus wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch die Verführung der Frevler mit fortgerissen werdet und euren eigenen festen Stand verliert! Wachst dagegen in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus! Ihm sei die Ehre, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit! Amen."
– Vers 15-18

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Julia
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Geschrieben am 2. April 2014 um 14:28 Uhr