König Salomo in Jerusalem. (Künstler unbekannt)

Die Könige von Israel

Die meisten Berichte in der Bibel haben den Anspruch, nachvollziehbare Geschichte zu sein. Das fällt nicht immer leicht zu glauben, da häufig wundersame Elemente enthalten sind, die unserer Alltagserfahrung widersprechen.

Vielleicht wurde es aus diesem Grund ein Trend des 19. Jahrhunderts, immer größere Teile der Bibel zum Mythos zu erklären. Man begann, Jesu Wundertaten und sein ganzes Leben als nachträgliche Übertreibung zu erklären, zweifelte an der Schöpfung, der Sintflut, dann auch an den Geschichten über Abraham und wie Mose das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft herausgeführt hat. Letztlich wurde sogar in Frage gestellt, dass die Könige David und Salomo jemals ein vereinigtes Großreich in Israel regierten.[1]

Fakt ist jedoch, dass alle mir bekannten archäologischen Funde, die zweifelsfrei datiert werden können, die biblischen Berichte bestätigen. Umgekehrt weiß ich von keinem einzigen Fund, der der heiligen Schrift signifikant widerspricht! In der Archäologie gilt ein wichtiger Grundsatz: Das Nicht-Vorhandensein eines Artefakts aus einer bestimmten Epoche ist kein Beweis dafür, dass diese Epoche nicht stattgefunden hat. Denn nur ein Bruchteil der Hinterlassenschaften einer Kultur bleibt erhalten, und nur einen Bruchteil dessen, was erhalten ist, finden wir bei Ausgrabungen.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts und besonders seit Israel im Jahr 1948 ein unabhängiger Staat wurde, werden im Land der Bibel kontinuierlich neue Siegel, Inschriften, Ruinen und andere Überbleibsel der Vergangenheit entdeckt. Immer mehr Begebenheiten aus der Bibel, die vor noch nicht allzu langer Zeit als Märchen galten, werden durch den archäologischen Befund bestätigt und als historische Tatsache anerkannt. Besonders die Zeit der Könige Israels wird durch zahlreiche Funde bemerkenswert lebendig.

Die Dynastie des König David

Der Bibel zufolge regierten die ersten Könige über Israel jeweils 40 Jahre, nämlich Saul (ca. 1096-1056 v. Chr.), David (ca. 1056-1016 v.Chr.) und Salomo (ca. 1016-976 v. Chr.). Nach ihnen wurde das Land gespalten in ein Nordreich Israel mit Samaria als Hauptstadt und ein Südreich Juda mit Jerusalem als Hauptstadt. Samaria im Norden wurde 722 v. Chr. vom aufstrebenden Großreich Assyrien unter König Salmanassar (Salmānu-ašarēd V.) erobert und die Bevölkerung in die Gefangenschaft geführt.[2] Die umliegenden Stadtstaaten sowie das südliche Königreich Juda wurden zu tributpflichtigen Vasallen der Assyrer. Zu dieser Zeit regierte in Jerusalem ein Nachkomme Davids, der König Hiskia:

"Im dritten Jahr [...] wurde Hiskia König, der Sohn des Ahas, des Königs von Juda."
– Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 18,1

Der Abdruck des königlichen Siegels von König Hiskia wurde 2015 entziffert und veröffentlicht. (c) Courtesy of Dr. Eilat Mazar; Foto von Ouria Tadmor
Der Abdruck des königlichen Siegels von König Hiskia wurde 2015 entziffert und veröffentlicht. (c) Courtesy of Dr. Eilat Mazar; Foto von Ouria Tadmor
Dass sich die Dinge tatsächlich genau so zugetragen haben, wird durch archäologische Ausgrabungen bestätigt. Im Jahr 2009 entdeckte die Archäologin Eilat Mazar in Jerusalem südlich unterhalb des Tempelberges (am so genannten Ophel) eine massive Steinmauer mit Torhaus und Türmen, die ins 10. Jahrhundert v. Chr. datiert wird.[3] Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um den Palast von König David und seiner Thronfolger, der aufgrund der biblischen Beschreibung genau an diesem Ort vermutet wurde! Weiterhin wurde dort erstmals im Rahmen einer staatlich überwachten Ausgrabung der Abdruck eines königlichen Siegels gefunden,[4] der folgende Inschrift trägt:

לחזקיהו [בן] אחז מלך יהדה
"Gehört dem Hiskia, [Sohn des] Ahas, König von Juda."

Die Bedeutung dieses winzigen Stückchens Ton kann gar nicht genug betont werden. Die Königsnamen stimmen genau mit der Bibel überein, und darüber hinaus wird sogar der Gottesname bezeugt, denn "Hiskia" (hebr. Hizki-yahu) bedeutet "Meine Stärke ist Jahwe". Zeigt das nicht, dass der biblische Bericht über die Königsdynastie Davids einigermaßen zuverlässig ist?

Sanheribs Feldzug gegen König Hiskia

Abguss eines Felsreliefs von Sanherib am Fuße des Cudi Dağı in der Nähe von Cizre. (c) Timo Roller
Abguss eines Felsreliefs von Sanherib am Fuße des Cudi Dağı in der Nähe von Cizre. (c) Timo Roller
Der Plan dieses Königs Hiskia war es nun, ein Bündnis mit Ägypten einzugehen, um die assyrische Oberherrschaft abzuschütteln. (Das hatte zuvor Hosea, der König des Nordreiches, ebenfalls erfolglos versucht.)[5] In Assyrien war zwischenzeitlich ein neuer König an die Macht gelangt: Der für seinen Hochmut bekannte Sanherib (Sîn-aḫḫe-eriba). Der war freilich nicht begeistert von Hiskias Rebellion und führte kurzerhand sein Heer gegen Juda und die umliegenden Stadtstaaten.

Als Hiskia vom Aufmarsch des assyrischen Heeres hörte, befestigte er die Mauern Jerusalems und ließ alle Quellen in der Nähe verstopfen, damit die Belagerer kein Trinkwasser finden würden. Außerdem ließ der König einen gewaltigen, unterirdischen Tunnel bauen, der das Wasser der Gihon-Quelle in einen Teich innerhalb der Stadtmauer umleitete:

"Er, Hiskia, war es auch, der den oberen Ausfluß des Gihonbaches verstopfte und ihn westlich abwärts, zur Stadt Davids leitete."
– Die Bibel, 2. Buch der Chronik, Kapitel 32,30

Dieser Tunnel existiert noch heute exakt wie in der biblischen Beschreibung und kann in besichtigt werden. Darin befindet sich sogar eine Inschrift der Bauleute:

"Und so verhielt es sich mit dem Durchbruch: Als noch [die Steinhauer schwangen] die Beilhacken jeder in Richtung auf seinen Genossen zu, und als noch drei Ellen zu durchschlagen [waren, wurde gehö]rt die Stimme eines jeden, der seinen Genossen rief, denn es war ein Spalt im Felsen von rechts nach [link]s. Und am Tag des Durchbruchs schlugen die Steinhauer – jeder auf seinen Genossen zu –, Beilhacke gegen Beilhacke. Da floss das Wasser vom Ausgangsort zum Teich über eine Entfernung von 1200 Ellen; und einhundert Ellen betrug die Höhe des Felsens über den Köpfen der Steinhauer."[6][7]

Alabaster-Relief der Belagerung von Lachisch, aus dem Südwestpalast in Ninive. Es befindet sich derzeit im British Museum.
Alabaster-Relief der Belagerung von Lachisch, aus dem Südwestpalast in Ninive. Es befindet sich derzeit im British Museum.
Trotz dieser Maßnahmen fiel in Juda eine befestigte Stadt nach der anderen. Sanherib hatte gerade Lachisch erobert, eine 44 Kilometer südwestlich von Jerusalem gelegene Festungsstadt, da muss Hiskia erkannt haben, dass er auf verlorenem Posten stand, und suchte Frieden mit dem Assyrer. Der biblische Bericht dazu lautet folgendermaßen:

"Aber im vierzehnten Jahr des Königs Hiskia zog Sanherib, der König von Assyrien, gegen alle festen Städte Judas herauf und nahm sie ein. Da sandte Hiskia, der König von Juda, [Boten] zum König von Assyrien nach Lachisch und ließ ihm sagen: Ich habe mich versündigt! Ziehe ab von mir; was du mir auferlegst, das will ich tragen! Da legte der König von Assyrien Hiskia, dem König von Juda, 300 Talente Silber und 30 Talente Gold auf. Und Hiskia gab ihm alles Silber, das sich im Haus des Herrn und in den Schätzen des königlichen Hauses vorfand."
– Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 18,13+14

Der König von Juda unterwarf sich also erneut der assyrischen Tributforderung, deren Menge genau angegeben wird: 300 Talente Silber und 30 Talente Gold. Bemerkenswert ist, dass von Hiskia gesagt wird, er habe seinem Feind alles Silber gegeben, das er im Tempel und im Palast finden konnte. Das bedeutet, entweder hatte Hiskia nicht genug Silber (was unwahrscheinlich ist), oder er gab Sanherib aus unbekannten Gründen mehr als er gefordert hatte. Glücklicherweise kennen wir auch Sanheribs Sichtweise des Feldzuges, sodass die Schilderungen der beiden Kriegsgegner verglichen werden können! Auf dem sogenannten Taylor-Prisma (ca. 690 v. Chr.) aus der assyrischen Hauptstadt Niniveh prahlt der König von seinen Eroberungen:

Das Taylor-Prisma berichtet von Sanheribs drittem Feldzug inklusive der Belagerung Jerusalems. Es befindet sich derzeit im British Museum. (c) David Castor
Das Taylor-Prisma berichtet von Sanheribs drittem Feldzug inklusive der Belagerung Jerusalems. Es befindet sich derzeit im British Museum. (c) David Castor
"Und Hiskia vom Lande Juda, der sich meinem Joch nicht gebeugt hatte: 46 seiner festen Städte, mit Mauern versehene, und die kleinen Städte in ihrer Umgebung, ohne Zahl, [...] belagerte und eroberte ich. [...] Ihn selbst, wie einen Käfigvogel, schloss ich inmitten der Stadt Jerusalem ein, der Stadt seines Königtums. Befestigungen warf ich gegen ihn auf, und den aus dem Tore seiner Stadt Herauskommenden vergalt ich ihre Übertretung. Ihn, den Hiskia, überwältigte die Furcht vor dem Glanz meiner Herrschaft. Die Araber und seine Elitetruppen, die er zur Verstärkung der Stadt Jerusalem, der Stadt seines Königtums, hatte hereinkommen lassen, verließen ihn. Außer 30 Talenten Gold, 800 Talenten Silber, Edelsteinen, Schminke, Daggassu-Steinen, großen Lapislazuli-Steinen, Betten aus Elfenbein, [...] allerlei wertvollen Schätzen, ließ er auch seine Töchter und Palastfrauen, Sänger und Sängerinnen nach Ninive, der Stadt meiner Herrschaft, mir nachbringen, und zur Abgabe des Tributs und zur Erklärung der Knechtschaft schickte er seinen Gesandten."[8]

Hier finden wir Hiskias Königtum erneut mehrfach außerbiblisch bestätigt. Sanherib listet offensichtlich den Tribut auf, der tatsächlich von Hiskia geleistet wurde: Genau wie im hebräischen Bericht 30 Talente Gold (!), aber nicht 300 Talente Silber, sondern 800! Das passt schön zusammen, denn auch der Bibeltext impliziert, dass Hiskia mehr Silber bezahlt hat, als ursprünglich gefordert war. Darüber hinaus nennt Sanherib noch allerlei Tribut-"Zubehör", das der jüdische Geschichtsschreiber wohl aus Platzgründen nicht erwähnte.

Tragischerweise beauftragte Sanherib trotz des Tributs seine drei ranghöchsten Feldherren und Minister (den Tartan, den Rabsaris und den Rabschake) mit der Belagerung Jerusalems. Hiskia war sich im Klaren darüber, dass er militärisch unterlegen war, und so wandte er sich an den Propheten Jesaja, um Gottes Hilfe zu erbeten. Der Allmächtige gab durch Jesaja eine heftige Antwort:

"So spricht Jahwe über den König von Assyrien: Er soll nicht in diese Stadt hineinkommen und keinen Pfeil hineinschießen und mit keinem Schild gegen sie anrücken und keinen Wall gegen sie aufwerfen. Auf dem Weg, auf dem er gekommen ist, soll er wieder zurückkehren, aber in diese Stadt soll er nicht eindringen; Jahwe sagt es! Denn ich will diese Stadt beschirmen, um sie zu erretten um meinetwillen und um meines Knechtes David willen! Und es geschah in derselben Nacht, da ging der Engel Jahwes aus und erschlug im Lager der Assyrer 185.000 Mann. Und als man am Morgen früh aufstand, siehe, da waren diese alle tot, lauter Leichen. Da brach Sanherib, der König von Assyrien, auf und zog fort, und er kehrte heim und blieb in Ninive. Und es geschah, als er im Haus seines Gottes Nisroch anbetete, da erschlugen ihn [seine Söhne] Adrammalech und Sarezer mit dem Schwert, und sie entkamen in das Land Ararat."
– Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 19,32-37

Diese vernichtende Niederlage wird auf Sanheribs Inschrift über den Feldzug natürlich nicht erwähnt. Etwas fällt aber auf: Der Assyrer rühmt sich damit, dass er Jerusalem eingeschlossen hat, aber er schreibt nichts davon, dass er es erobert hat. Warum wohl? Weil der Gott Israels dafür gesorgt hat, dass nicht einmal ein Pfeil auf die Stadt abgeschossen werden konnte. Die plötzliche Vernichtung des assyrischen Heeres wird auch von anderen Historikern bestätigt. Beispielsweise erklärt Josephus Flavius:

"Als nun Senacherib von dem Zuge gegen Ägypten nach Jerusalem zurückkehrte, fand er, dass die unter Rapsakes zurückgelassenen Truppen schwer an der Pest litten. In der ersten Nacht, da er gemeinsam mit diesen Truppen die Belagerung weiterführte, tötete die Seuche in seinem Heere hundertfünfundachtzigtausend Mann samt ihren Führern und Hauptleuten."[9]

Der Grieche Herodot nennt seinerseits eine "Mäuseplage" als Ursache für die Tötung der Soldaten.[10] Mäuse übertragen tödliche Krankheiten wie die Pest. Es ist kein Widerspruch, wenn in der Bibel vom Engel Gottes die Rede ist, denn an einigen anderen Stellen wird gezeigt, dass dieser Todesengel sein Werk unter anderem durch die Pest vollbringt.[11] Ist es nicht verblüffend, wie präzise der biblische Text von den archäologischen Funden und der außerbiblischen Geschichtsschreibung bestätigt und veranschaulicht wird?

Rebellion des Moabiterkönigs Mescha

Etwa 150 Jahre bevor Hiskia im Südreich regierte, war im Nordreich Israel ein ehemaliger Heerführer namens Omri an die Macht gekommen (ca. (885 – 874 v. Chr.). Er hatte die Stadt Samaria erbaut und zu seiner Residenz gemacht. Zu seiner Zeit wurde das Land Moab östlich des Toten Meeres schwer von Israel unterdrückt und zu Tributzahlungen verpflichtet.[12] Von Omri heißt es, er "tat, was böse war in den Augen Jahwes und war schlimmer als alle, die vor ihm gewesen waren". Als er schließlich starb, folgte ihm sein Sohn Ahab auf den Thron. Der übertraf seinen Vater sogar noch, indem er Isebel, die Tochter eines Baalspriesters, heiratete. Unter ihrem Einfluss errichtete er in Samaria dem Götzen Baal einen Tempel,[13] ermordete die Propheten Jahwes und tyrannisierte das Volk, indem er sich nahm, was immer er wollte.[14]

Als nun Ahab seinerseits starb, wurde dessen Sohn Joram neuer König. Die Bibel berichtet, dass der Moabiterkönig Mescha diesen Wechsel zum Anlass nahm, die israelitische Oberherrschaft abzuschütteln. Er eroberte mehrere Städte Israels und richtete ein Massaker an der Bevölkerung an. Als Erinnerung daran ließ Mescha einen Gedenkstein errichten, der im Jahr 1868 n. Chr. in der Stadt Dhiban im heutigen Jordanien intakt gefunden wurde! Auf diesem so genannten "Moabiterstein", der in das Jahr 840 v. Chr. datiert wird, steht in moabitischer Sprache:

Auf der Mesa-Stele (ca. 840 v. Chr.) nennt der moabitische König die Namen Omri, Israel und Jahwe. Der Stein befindet sich derzeit im Louvre.
Auf der Mesa-Stele (ca. 840 v. Chr.) nennt der moabitische König die Namen Omri, Israel und Jahwe. Der Stein befindet sich derzeit im Louvre.
"Ich bin Mescha, Sohn des Kemosch […], König von Moab, der Dibonite. [...] Omri war König über Israel und bedrängte Moab viele Tage, denn Kemosch zürnte seinem Land. Und es folgte ihm sein Sohn. Und auch er sprach: 'Ich will Moab bedrängen.' In meinen Tagen sprach er (so). Aber ich triumphierte über ihn und über sein Haus. Und Israel ist sicher für immer zu Grunde gegangen. Und Omri hatte sich des ganzen Landes von Medeba bemächtigt. [...] Und Kemosch sprach zu mir: Geh, nimm Nebo (im Kampf) gegen Israel. Und ich zog bei Nacht los und kämpfte gegen es vom Anbruch der Morgenröte bis Mittag. Und ich nahm es ein und tötete alle: siebentausend Männer und Sklaven und Frauen und Sklavinnen und Dirnen, denn ich hatte es dem Kemosch geweiht. Und ich nahm von dort die (Kult-)Geräte Jahwes und schleppte sie vor Kemosch. [...]"[15]

Auf dieser Stele wird einerseits Omri als König über Israel bezeugt und andererseits haben wir hier die früheste bekannte Nennung des Gottesnamens JHWH (Jahwe)! Wieder einmal wird deutlich, dass die Bibel über Personen und Ereignisse schreibt, die tatsächlich genau so gelebt und stattgefunden haben.

Im biblischen Bericht erfährt man weiter, wie Israels König Joram mit dem König des Südreichs Juda und dem König von Edom eine Allianz einging und zum Vergeltungsschlag ausholte. Sie marschierten durch die Wüste Edoms in Richtung Moab, doch tragischerweise wurde unterwegs das Wasser knapp. Nur durch die Hilfe des Propheten Elisa, der durch die Kraft Jahwes ein Wunder bewirkte, konnte das Heer vor dem Verdursten bewahrt werden. Anschließend rissen die drei Könige alle Städte Moabs nieder. Erst vor den Toren der moabitischen Hauptstadt Kir-Hareset konnte Mescha den Angriff zurückschlagen, nachdem er aus lauter Verzweiflung seinen erstgeborenen Sohn dem Götzen Kemosch geopfert hatte.[16]

Massaker an der Dynastie Omri

Es begab sich einige Zeit danach, dass König Joram mit seinem Neffen Ahasjahu, dem neuen König von Juda, in Richtung Norden zog, um gegen Hasael, den König der Aramäer, zu kämpfen. In dieser Schlacht (ca. 886 v. Chr.) wurde Joram so schwer verwundet, dass er sich in die Stadt Jesreel zurückziehen musste, um sich heilen zu lassen. Nach der Niederlage zog auch Ahasjahu dorthin, um seinen Onkel zu besuchen.[17]

In der Zwischenzeit hatte Elisa, der Prophet Gottes, einen seiner Schüler gesandt, um Jehu, den Heerobersten in Jorams Armee, im Namen Jahwes zum neuen König über Israel zu proklamieren. Der ließ sich das nicht zweimal sagen und begann, in einer groß angelegten Verschwörung nicht nur König Joram, sondern auch dessen ganze Verwandschaft und alle Nachkommen Omris zu ermorden. Als Jehu in Jesreel ankam, schoss er Joram einen Pfeil durch die Brust, ließ die Baalspriesterin Isebel aus dem Fenster stürzen und erschlug sogar Ahasjahu, den König von Juda, der eigentlich nur zu Besuch dort war. Danach sandte Jehu Boten in die israelitische Hauptstadt Samaria, denn dort lebten noch 70 Söhne des Königs Ahab, also Brüder Jorams. Auf Jehus Befehl hin wurden alle diese Männer enthauptet, sodass nicht einer entkam.[18] Damit war die Dynastie Omris ausgelöscht und Jehu wurde zum neuen König. Soweit die Angaben der Bibel.

Was sagt die Archäologie zu diesen Ereignissen? In Tel Dan im Norden Israels, dem Grenzgebiet zu Aram, wurden im Jahr 1994 Fragemente einer schwarzen Basalt-Stele gefunden, die in althebräischer Schrift an den Sieg über zwei Könige von Israel und Juda beschreibt. Aufgrund der Grabungsschicht, in der die Steinbrocken gefunden wurden, muss die Stele zwischen 870 und 750 v. Chr. errichtet worden sein. Darauf schreibt ein nicht genannter König der Aramäer, vermutlich Hasael, folgendes:

"[...] Und mein Vater legte sich nieder [und] ging zu seinen Vätern. Da drang der König von Israel in Qedem (d.h. ins Ostland) ein, das im Lande meines Vaters liegt. [Aber] Hadad machte [mich] zum König, ja mich. [...] Ich tötete [sieb]zig Kö[nige und] führte 2[000 Streitwa]gen und 2000 Pferde fort [dann tötete ich Jo]ram, den Sohn [Ahabs], den König von Israel. Und ich töte[te Ahas]-jahu, den Sohn [Jorams, den Kön]ig vom Haus Davids [...]"[19]

Die eingefügten Worte in Klammern sind auf der Inschrift leider nicht erhalten oder unlesbar, jedoch lässt sich einiges rekonstruieren: Der König von Israel hat Aram angegriffen, aber daraufhin tötete der aramäische König sowohl Joram, den König von Israel, als auch Ahasjahu, den König von Juda. (Der Vater und der Onkel von Ahasjahu hießen beide Joram.) Der Name des Königs von Israel muss auf "-ram" enden und der Name des Königs von Juda (dem "Haus Davids") muss mit dem theophoren Element "-jahu" enden. Das passt im gegebenen Zeitrahmen nur auf Joram und Ahasjahu! Besonders interessant ist auch, dass Hasael von sich behauptet, die beiden Könige ermordet zu haben, obwohl das im biblischen Bericht Jehu getan hat. Da Joram aber eine Verschwörung gemacht hat, ist es sogar wahrscheinlich, dass er sich mit Hasael abgesprochen und womöglich die Morde in dessen Auftrag durchgeführt hat! Noch etwas ist bemerkenswert: Hasael berichtet von der Ermordung von "siebzig Königen". Wenn die rekonstruierte Zahl korrekt ist, könnten damit die siebzig Königssöhne Ahabs in Samaria gemeint sein, die im biblischen Bericht auf Jehus Befehl hin getötet werden.

Die Tel-Dan-Stele ist auch deshalb relevant, weil sie die älteste bekannte Erwähnung des "Hauses David" enthält. Sie ist ein weiteres Indiz dafür, dass damals wirklich ein vereinigtes Reich unter der Dynastie von König David existiert hat!

Der Schwarze Obelisk

Der "Schwarze Obelisk" zeigt König Jehu oder einen seiner Abgesandten, der Tribut an Salmanassar III. entrichtet. Er befindet sich derzeit im British Museum. (c) Steven G. Johnson
Der "Schwarze Obelisk" zeigt König Jehu oder einen seiner Abgesandten, der Tribut an Salmanassar III. entrichtet. Er befindet sich derzeit im British Museum. (c) Steven G. Johnson
Ein weiteres Detail über die Dynastie Omris verrät der so genannte Schwarze Obelisk, ein Kalkstein-Relief aus der Regierungszeit des assyrischen Königs Salmanassar III. (ca. 858-824 v. Chr.). Er enthält die älteste bekannte Darstellung eines Israeliten: Vermutlich Jehu oder einen seiner Gesandten, der sich vor Salmanassar niederwirft. Darüber steht in Keilschrift:

"Tribut von Jehu, Sohn des Omri: Ich erhielt von ihm Silber, Gold, eine goldene Schale, eine goldene Vase mit bemaltem Boden, goldene Becher, goldene Gefäße, Zinn, ein Zepter für die Hand des Königs und Speere."[20]

Der aufmerksame Leser wird sicher bemerkt haben, dass Jehu im biblischen Bericht kein Sohn des Omri ist. Dafür gibt es zwei gute Erklärungsmöglichkeiten: Entweder haben sich die Assyrer schlicht und ergreifend geirrt und hielten den israelitischen Thronfolger Jehu für den Sohn des alten Königs, obwohl er eigentlich dessen ehemaliger Heerführer war. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass gar nicht Jehu gemeint ist, sondern Joram, der tatsächlich der (Enkel-)Sohn des Omri war. Einige Forscher haben bereits bemerkt, dass die Keilschrift-Zeichen "ia-u-a" nicht zwingend "Jehu" bedeuten müssen, sondern auch als "Joram" gelesen werden könnten. In jedem Fall aber bezeugt der Schwarze Obelisk die Namen, die auch die Bibel in genau der selben Epoche nennt!

Weitere biblische Könige und Würdenträger

Es gibt noch zahlreiche weitere bemerkenswerte Tontafeln, die die Namen der Könige Israels und Judas bezeugen, genau so wie es in der Bibel überliefert ist. Eine Stele aus Tell al-Rimah, die etwa ins Jahr 797 v. Chr. datiert wird, nennt "König Joasch den Samaritaner",[21] und im biblischen Buch der Könige erfahren wir, dass der wirklich ab etwa 808 v. Chr. zu Samaria regierte.[22] Die so genannte Iran-Stele bestätigt einen Tribut, den der israelitische König Menahem[23] an den assyrischen Regenten Tiglat-Pileser III. leisten musste.[24] Eine weitere Inschrift von Tiglat-Pileser[25] nennt die beiden letzten israelitischen Könige Pekach und Hoschea.[26]

Aus dem archäologischen Befund kennen wir sogar einen nicht-israelitischen Beamten, der im biblischen Buch des Propheten Jeremia erwähnt wird[27] und Nebo-Sarsekim hieß. Die nach ihm benannte Tontafel befindet sich zur Zeit im British Museum.[28] Er war der Oberkämmerer des babylonischen Königs Nebukadnezar, der im Jahr 586 v. Chr. Jerusalem erobert hat.

Baruch, Schreiber des Propheten Jeremia

Der Prophet Jeremia predigte zu Zeiten der israelitischen Könige Josia, Jojakim und Zedekia (ca. 627-586 v. Chr.), als das Heer der Babylonier bereits eine schwere Bedrohung war und im Begriff stand, in Israel einzumarschieren. Jeremia hatte die Israeliten im Namen Gottes immer wieder davor gewarnt, sich Nebukadnezar militärisch entgegenzustellen, da sie sonst eine bittere Niederlage erleiden und ganz Jerusalem zerstört würde. Wer sich allerdings dem Feind ergeben würde, der würde mit dem Leben davonkommen und in Babylon friedlich weiter leben können. Israels König Zedekia hörte jedoch nicht auf Gottes Ratschluss und zog in den Krieg, der 586 v. Chr. mit der Einnahme Jerusalems endete. Die Königssöhne, zahlreiche Würdenträger und Priester wurden vor den Augen Zedekias niedergemetzelt, dann wurde er geblendet und in Ketten nach Babylon geführt, wo er schließlich starb.[29] Der biblische Bericht liefert wertvolle Informationen darüber, wie die Worte Jeremias für die Nachwelt erhalten wurden:

"Und es geschah im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, da erging dieses Wort von Jahwe an Jeremia: Nimm dir eine Buchrolle und schreibe alle Worte darauf, die ich zu dir geredet habe über Israel und über Juda und über alle Völker, von dem Tag an, da ich zu dir geredet habe, von den Tagen Josias an bis zu diesem Tag! Vielleicht werden die vom Haus Juda auf all das Unheil hören, das ich ihnen anzutun gedenke, und umkehren, jeder von seinem bösen Weg, sodass ich ihnen ihre Missetaten und ihre Sünden vergeben kann! Da rief Jeremia den Baruch, den Sohn Nerijas, und Baruch schrieb, wie Jeremia es ihm vorsagte, alle Worte Jahwes, die er zu ihm geredet hatte, auf eine Buchrolle."
– Prophet Jeremia, Kapitel 36,1-4

Haben wir es hier mit einem Tatsachenbericht zu tun? Es scheint so! Denn im Jahr 1975 wurden bei einem Antiquitätenhändler in Ost-Jerusalem zahlreiche Siegelabdrücke aus Ton (Bullen) gefunden, die unter anderem in die Zeit Jeremias datiert werden. Einer davon trägt folgende Inschrift:

"(Eigentum) von Berechjahu, Sohn von Nerijahu, dem Schreiber"[30]

Siegel-Abdrücke von Baruch, Sohn des Nerija, dem Schreiber.
Siegel-Abdrücke von Baruch, Sohn des Nerija, dem Schreiber.
Die Endungen "-jahu" in den Namen sind, wie bereits erwähnt, Ergänzungen des Gottesnamens. Die Kurzform der Namen wäre "Baruch, Sohn des Neri, der Schreiber" – ein Volltreffer. Als ob das noch nicht Sensation genug wäre, wurde 1996 eine weitere Bulla mit der selben Inschrift entdeckt, doch diese enthält oben links bei genauerer Betrachtung einen Fingerabdruck! Wenn das Siegel von Baruch an einer Schriftrolle angebracht wurde, dann war er wohl der letzte, der es berührte – daher vermutet man, dass dieser Fingerabdruck von Baruch stammt. Welch wichtiges Dokument hat der Schreiber hier wohl verschlossen? War es womöglich die Niederschrift des ganzen Buches Jeremia, die Baruch aus dem Munde des Propheten aufschreiben sollte? Oder war es der mysteriöse Kaufvertrag, den Baruch auf den ausdrücklichen Befehl Gottes hin versiegeln und in einem Tonkrug für die Nachwelt aufbewahren sollte?[31] Jedenfalls haben wir damit einen weiteren, klaren Hinweis darauf, dass der biblische Bericht authentisch ist.

Die Bulle ohne Fingerabdruck kann zur Zeit im Israel Museum besichtigt werden, die andere mit dem Fingerabdruck befindet sich in der Privatsammlung von Shlomo Moussaieff in London.

Schlussfolgerung

Als Jesus Christus kurz vor seinem Tod nach Jerusalem einzog, stand die Volksmenge am Wegesrand und begrüßte ihn, den Nachkommen und rechtmäßigen Thronfolger von König David, unter Jubel als Herr und König. Doch einige der besonders strengen religiösen Führer ermahnten Jesus, er solle die Leute doch zum Schweigen bringen. Darauf antwortete der Sohn Gottes:

"Ich sage euch: Wenn diese schweigen sollten, dann würden die Steine schreien!"
– Evangelium nach Lukas, Kapitel 19,40

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befinden wir uns in einer wirklich bemerkenswerten Situation. Heute steht keine Volksmenge mehr auf der Straße und bezeugt Jesus Christus als König und einzigen Weg zu Gott. Man spricht in der Öffentlichkeit nicht mehr über Glaubensdinge. Dafür haben wir eine vergleichsweise junge Wissenschaft, die Archäologie, als stummen Zeugen der biblischen Überlieferung und der darin liegenden göttlichen Offenbarung. Durch die Bibel kann jeder Mensch seinen Schöpfer kennen lernen und erfahren, woher er kommt und wohin er geht. Dass man sich tatsächlich auf diese Bibel verlassen kann, wird durch die Ausgrabungen der Vergangenheit mehr als deutlich. Die Steine schreien.


Verwendete Literatur

[1] So z.B. der Archäologe Israel Finkelstein in seinen Büchern "Keine Posaunen vor Jericho" und "Das vergessene Königreich"
[2] Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 18,9
[3] "The Ophel Excavations to the South of the Temple Mount 2009-2013, Final Reports Volume I", Eilat Mazar
[4] The Hebrew University of Jerusalem, "Impression of King Hezekiah’s Royal Seal Discovered in Ophel Excavations South of Temple Mount in Jerusalem"
[5] Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 17,4
[6] William Wolfgang Hallo, "The Context of Scripture", Volume II, Leiden, New York, Köln, 2000, S. 145
[7] Kurt Galling, "Textbuch zur Geschichte Israels", Tübingen 1979, S. 66
[8] Otto Kaiser u.a., "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Band I, Gütersloh 1982, S. 389+402
[9] "Jüdische Altertümer", übersetzt von H. Clementz, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 5, S. 602
[10] Herodot, "Historien", Buch II, Kapitel 141
[11] Vgl. 1. Chronik 21,12 und Offenbarung 6,8
[12] Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 3,4
[13] Die Bibel, 1. Buch der Könige, Kapitel 16,30-33
[14] Die Bibel, 1. Buch der Könige, Kapitel 21,1-16
[15] Hans-Peter Müller, "Die Inschrift des Königs Mesa von Moab." In: "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Band 1, Gütersloh 1985, S. 646–650
[16] Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 3,6-27
[17] Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 8,25-29
[18] Die Bibel, 2. Buch der Könige, Kapitel 9,1 - 10,11
[19] "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Ergänzungsband, 2001, S. 176
[20] Otto Kaiser u.a., "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Band I, Gütersloh 1985, S. 363
[21] Otto Kaiser u.a., "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Band I, Gütersloh, 1985, S. 368
[22] 2. Buch der Könige, Kapitel 13,10
[23] 2. Buch der Könige, Kapitel 15,17
[24] Otto Kaiser u.a., "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Band I, Gütersloh, 1985, S. 378
[25] Otto Kaiser u.a., "Texte aus der Umwelt des Alten Testaments" (TUAT), Band I, Gütersloh, 1985, S. 374
[26] 2. Buch der Könige, Kapitel 15,29+30
[27] Prophet Jeremia, Kapitel 39,3
[28] Sammlung des British Museum, Tontafel #114789
[29] Die Bibel, Jeremia Kapitel 39,1-10
[30] Hershel Shanks, "Fingerprint of Jeremiah's Scribe", in Biblical Archeology Review, Volume 22:2, März / April 1996
[31] Die Bibel, Jeremia Kapitel 32,14

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