Jesus ist zurück von den Toten (c) The Bible Miniseries, Mark Burnett & Roma Downey

Ist Jesus wirklich auferstanden?

Die gesamte Behauptung des Christentums hängt an einer einzigen Frage. Die gesamte Bibel zielt darauf ab. Und die Uneinigkeit der drei großen Religionen resultiert fast vollständig daraus: Ist die Auferstehung des Jesus Christus von den Toten ein historisches Ereignis?

Der wichtigste Tag der Welt

Um das Jahr 30 n. Chr., in der Regierungszeit des römischen Kaisers Tiberius, wurde ein jüdischer Zimmermann und Wanderprediger mit Namen Jeshua Ben Josef von Nazareth in der Provinz Judäa der Gotteslästerung bezichtigt, verurteilt und gekreuzigt, weil er behauptet hatte, Gottes Sohn zu sein. An diesem Tag begann sich seine Geschichte bis in die entlegensten Winkel der Welt zu verbreiten. Bis heute löst sein Name Begeisterung und Bestürzung aus, Krieg und Frieden, Hoffnung, Liebe, Spott und Hass. Ein Name, der übersetzt etwa gesalbter Retter bedeutet: Jesus Christus.

Als Jeshua starb, verfinsterte sich die Sonne für drei Stunden, die Erde bebte, und der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel der Juden riss entzwei.[1] Nach seinem Tod wurde Jeshua in der Grabhöhle eines angesehenen jüdischen Ratsherrn mit Namen Joseph von Arimathia bestattet.[2] Als der Sabbat nach der Kreuzigung vorüber war, wollten einige Frauen, die Jeshua nachgefolgt waren, seinen Leichnam einbalsamieren. Sie machten sich sehr früh Morgens auf den Weg, doch als sie beim Grab ankamen, war es bereits offen und der Leichnam verschwunden. Stattdessen erschienen zwei Engel, und einer davon versicherte den Frauen, dass Jeshua vom Tod auferstanden und am Leben war.[3] Sofort verließen sie die Grabstätte, um den anderen Jüngern Jeshuas davon zu berichten. Noch auf dem Weg erschien ihnen ihr Meister persönlich. Aber nicht nur das, er zeigte sich über 500 weiteren Personen, um zu bestätigen, dass er wirklich von den Toten auferstanden war.

Das erste Glaubensbekenntnis

Die ersten Christen bezeugten von Anfang an geschlossen in ihren Glaubensbekenntnissen, dass sich alles genau so zugetragen hatte. Das älteste uns überlieferte Glaubensbekenntnis stammt vom Apostel Paulus und lässt sich auf ca. 55-57 n. Chr. datieren. Es ist aufgrund der Verwendung bestimmter, rabbinischer Fachausdrücke und aramäischer sowie hebräischer Stilmittel wahrscheinlich sogar um einiges älter. Womöglich wurde es nur zwei bis acht Jahre nach der Auferstehung verfasst.[4] Paulus schrieb:

"… Ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: Dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; und dass er Kephas [d.h. Petrus] erschienen ist, dann den Zwölfen. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übrig geblieben, einige aber auch entschlafen sind. Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir."
– 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 15,3-8

Mit diesen Worten setzte Paulus seine gesamte Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Was er da schrieb, war geradezu eine Einladung an alle Skeptiker, die Wahrheit seiner Aussage zu überprüfen, denn die Mehrheit der 500 Augenzeugen lebte noch und konnte befragt werden. In der antiken Welt dürfte es nicht allzu schwer gewesen sein, wenigstens ein paar von ihnen aufzuspüren.[5] Wäre die Auferstehungsgeschichte nicht wahr, hätte das dramatische Folgen, die Paulus auch gleich auf den Punkt bringt:

"… Ist Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube nichtig, [...] dann sind auch die in Christus entschlafenen verloren. Wenn wir nur in diesem Leben auf Christus hoffen, so sind wir die elendesten unter allen Menschen!"
– 1. Brief des Paulus Korinther 15, 17-19

Die Frage nach der Auferstehung des Jesus Christus gehört somit zu den wesentlichsten Fragen überhaupt.

Ein Narr oder Schlimmeres?

Erinnern wir uns, was Jesus von sich selbst behauptet hat. Er sagte, er käme aus dem Himmel[6] und habe schon von Anbeginn der Welt existiert.[7] Er behauptete, Sünden vergeben zu können, womit er gleichzeitig Gottes Vollmacht für sich beanspruchte.[8] Und das in einer Zeit, in der auf Gotteslästerung die Todesstrafe stand.[9] Er forderte uns auf, unsere Feinde zu lieben und ging darin mit radikalem Beispiel voran.[10] Er behauptete, er sei der einzige Weg, durch den Menschen zu Gott kommen könnten.[11] Niemand konnte ihm auch nur ein einziges Verbrechen nachweisen.[12] Zuletzt hat er sogar seinen eigenen Tod vorausgesagt, ja geradezu geplant.[13] Wer solche Dinge behauptet, der ist entweder nicht ganz bei Sinnen, ein notorischer Betrüger – oder derjenige, der er zu sein behauptet. Doch sind Jesu Aussagen nicht von einer Weisheit gekennzeichnet, die man bei einem Verrückten nie finden würde? Und zeigt ein Betrüger so konsequent seine Menschenliebe und geht für diese Ideale in den Tod?

Noch heute steht jeder Mensch vor der einen, folgenschweren Frage, wer Jesus ist. Der gefährliche Jesus, der dich zu einer Entscheidung zwingt. In Bezug auf ihn gibt es nur Schwarz oder Weiß. Man kann seine wundersamen Taten und Worte nicht wirklich als nette Lebensweisheiten der Vergangenheit abtun. Entweder er hatte gewaltig Recht oder er war ein gewaltiger Scharlatan. Um es mit den Worten des berühmten Autors C.S. Lewis zu sagen:

"Ich möchte jedermann vor dem wirklich dummen Einwand bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, nicht aber seinen Anspruch, Gott zu sein. Denn gerade das können wir nicht sagen. Ein bloßer Mensch, der solche Dinge sagen würde, wie Jesus sie gesagt hat, wäre kein großer Morallehrer. Entweder war – und ist – dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Wir können ihn als Geisteskranken einsperren, wir können ihn verachten oder als Dämon töten. Oder wir können ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber wir können ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offen gelassen."
– C.S. Lewis, "Pardon, ich bin Christ", Brunnen Verlag, 2006, S. 56

Leider gibt es immer wieder Skeptiker, die genau das tun und somit der Entscheidung zu entfliehen versuchen. Dann werden die abstraktesten Theorien darüber aufgestellt, was mit dem Leichnam Jesus noch alles passiert sein könnte – Hauptsache, er ist nicht auferstanden. Ich möchte in den folgenden Abschnitten zeigen, dass die Auferstehung zwar gewiss kein gewöhnliches Ereignis ist, dass es aber trotzdem weder unbegründet noch naiv ist, von einer historischen Begebenheit auszugehen.

Historisch oder mythologisch?

Viel zu einfach machen es sich Kritiker, die Jesu historische Existenz komplett leugnen. Denn abgesehen von den vier Evangelien berichten auch die 13 Briefe des Paulus von Jesus und seiner Auferstehung; dazu die Schriften von Jesu engsten Vertrauten Petrus und Johannes sowie die Briefe seiner leiblichen Brüder Jakobus und Judas. Diese Zeugnisse wurden zwischen 20 und 95 Jahre nach seinem Tod verfasst. Man kann davon ausgehen, dass viele Augenzeugen der Auferstehung in dieser Zeit noch lebten und falschen Informationen mit Sicherheit widersprochen hätten. Petrus schrieb bekräftigend:

"Wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen."
– 2. Brief des Petrus, Kapitel 1,16

Die Christen des ersten und zweiten Jahrhunderts, teilweise Schüler der Apostel, waren ebenfalls felsenfest davon überzeugt, dass die Auferstehung eine Tatsache war, keine Legende. Beispielsweise bestätigt Ignatius von Antiochien (ca. 35-115 n. Chr.) in einem Brief:

"Er wurde wahrhaftig geboren, und aß und trank, wurde tatsächlich unter Pontius Pilatus verhört, wurde tatsächlich gekreuzigt, und starb, sichtbar für alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde. Er wurde auch tatsächlich von den Toten auferweckt. Sein Vater gab ihm neues Leben, genau so wie er uns alle auferwecken wird, die wir an ihn glauben – durch Jesus Christus, ohne den wir kein wahres Leben haben."
– Ignatius von Antiochien, Brief an die Traller, Kapitel 9, 1-2 (Übersetzung von mir)

Die Kreuzigung und Auferstehung wurde selbst vor der höchsten politischen Instanz verteidigt. Justin der Märtyrer (ca. 100-165 n. Chr) sandte eine Verteidigungsschrift des Christentums an Kaiser Antonius Pius und verwies ihn – nach Schilderung der Kreuzigung Jesu – an den Bericht des Pilatus, der in den kaiserlichen Archiven aufbewahrt wurde:

"Nun, da gibt es ein Dorf im Lande der Juden, 35 Stadien entfernt von Jerusalem, in welchem Jesus Christus geboren wurde, dessen du dich auch vergewissern kannst aus den Aufzeichnungen der Volkszählung, durchgeführt unter Cyrenius, deines ersten Prokurators in Judäa […] Nachdem er [Jesus] gekreuzigt war, haben ihn sogar alle seine Anhänger verlassen und ihn verleugnet. Und danach, als er von der Toten auferstanden und ihnen erschienen war, [...] und nachdem sie ihn auffahren sahen in den Himmel, und geglaubt hatten, [...] und sie zu jeder Rasse der Menschheit gingen, haben sie diese Dinge gelehrt und wurden Apostel genannt. […] Dass das so geschehen ist, könnt ihr aus den Akten des Pontius Pilatus ersehen."
– Justin der Märtyrer, "Apologie I", 34+35 (Übersetzung von mir)

Justin hätte es wohl kaum gewagt, diesen Brief an Kaiser Antonius zu schreiben, wenn die Akten des Pilatus dem Kaiser nicht zugänglich gewesen wären. Heute sind diese Akten bedauerlicherweise verloren, aber offensichtlich existierten sie noch um das Jahr 150 n. Chr., als Justin seinen Brief verschickte.

Zeugnis der römischen Historiker

Dass Jesus für die Römer eine historische Person war, zeigt auch der Bericht des Senators Cornelius Tacitus (ca. 55-120 n. Chr.), der über den berüchtigten Kaiser Nero schreibt:

"… Also schob Nero, um diesem Gerede ein Ende zu machen, die Schuld auf andere und bestrafte sie mit den ausgesuchtesten Martern. Es waren jene Leute, die das Volk wegen ihrer (angeblichen) Schandtaten hasste und mit dem Namen 'Christen' belegte. Dieser Name stammt von Christus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Dieser verderbliche Aberglaube war für den Augenblick unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo er aufge­kommen war, sondern auch in Rom, wo alle Gräuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und geübt werden …"
– Cornelius Tacitus, "Annalen", Kapitel 15,44

Der Jesus-Jünger Lukas erwähnt in seiner Apostelgeschichte ganz nebenbei, dass Kaiser Claudius die Christen aus Rom vertrieb.[14] Genau das dokumentierte auch der römische Historiker und kaiserliche Annalist Gaius Tranquillus Suetonius (ca. 69-122 n. Chr.). Ein weiteres Indiz dafür, dass die biblischen Autoren über Tatsachen schrieben:

"Da die Juden unter ihrem Anführer Chrestos beständig Unruhe anstifteten, vertrieb er [Claudius] sie aus Rom …"
– Gaius Suetonius Tranquillus, "Leben der Caesaren", Abschnitt "Claudius", Kapitel 25

Leider blieb es nicht nur bei der Vertreibung der Christen. Der römische Anwalt und Konsul Plinius der Jüngere (61-113 n. Chr.) schrieb um 112 n. Chr. einen Brief an Kaiser Trajan und bat ihn um Rat, wie er die Christen behandeln solle. Er erläuterte, dass er Männer wie Frauen, Jungen wie Mädchen hatte töten lassen. Es wurden so viele getötet, dass er sich fragte, ob er weiterhin jeden töten sollte, der als Christ entdeckt wurde:

Einstweilen bin ich mit denen, die bei mir als Christen angezeigt wurden, folgendermaßen verfahren: ich habe sie gefragt, ob sie Christen seien. Die Geständigen habe ich unter Androhung der Todesstrafe ein zweites und drittes Mal gefragt. Die dabei blieben, ließ ich abführen. Denn ich war der Überzeugung, was auch immer es sei, was sie damit eingestanden, dass auf alle Fälle ihr Eigensinn und ihre unbeugsame Halsstarrigkeit bestraft werden müsse. […] Diejenigen, die bestritten, Christen zu sein oder gewesen zu sein, glaubte ich freilassen zu müssen, da sie mit einer von mir vorgesprochenen Formel die Götter anriefen und vor Deinem Bild, das ich zu diesem Zwecke zusammen mit den Bildern der Götter herbeibringen ließ, mit Weihrauch und Wein opferten und außerdem Christus schmähten, Dinge, zu denen wirkliche Christen, wie man sagt, nicht gezwungen werden können."
– Gajus Plinius Caecilius Secundus, "Briefe", Buch 10, Kapitel 96,2-5

Zuletzt sei auf die beiden Historiker Thallus und Phlegon verwiesen. Thallus schrieb vermutlich um 52 n. Chr. seine "Geschichte des östlichen Mittelmeers". Damit handelt es sich um ein sehr frühes Dokument, vielleicht sogar früher als die Abfassung der Evangelien. Phlegon von Tralleis war Hofbeamter des römischen Kaisers Hadrian und schrieb um ca. 140 n. Chr. seine "Olympiades". Leider sind die Werke beider Männer verloren, doch sie werden von anderen Gelehrten zitiert, z.B. von Julius Africanus um 221 n. Chr. Eine interessante Passage seiner Chronologie betrifft die Sonnenfinsternis, die nach dem Tod Jesu eintrat und von einem Erdbeben begleitet wurde. Er schreibt in Übereinstimmung mit den Berichten aus dem Neuen Testament:

"Über die ganze Welt ergoss sich eine beängstigende Dunkelheit; und die Steine wurden von einem Erdbeben gespalten, und viele Orte in Judäa und andere Landstriche wurden verwüstet. Diese Dunkelheit, wie Thallus sie in seinem Buch "Geschichte" nennt und die er als Sonnenfinsternis bezeichnet, erscheint mir unerklärlich […] Und was die Sonnenfinsternis in der Zeit Tiberius Cäsar betrifft, in dessen Regierungszeit offenbar Jesus gekreuzigt wurde, sowie die großen Erdbeben, die damals stattfanden, so hat, wie ich glaube, auch Phlegon im dreizehnten oder vierzehnten Buch seiner Chroniken darüber geschrieben."
– Martin Wallraff, "Iulius Africanus Chronographiae, The Extant Fragments", Berlin 2007 (Übersetzung von mir)

Dass Africanus die Dunkelheit als "unerklärlich" bezeichnet, liegt daran, dass Jesus zur Zeit des Passah-Vollmondes starb. Während eines Vollmondes steht der Mond genau gegenüber der Sonne, und somit kann es zu keiner Sonnenfinsternis kommen. Außerdem habe die Finsternis nach dem biblischen Bericht drei Stunden gedauert,[15] also deutlich länger als eine gewöhnliche Sonnenfinsternis. Vermutlich hatte Thallus damals versucht, dieses Wunder Gottes, zu dessen Zeit er wahrscheinlich schon gelebt hat, auf ein physikalisch erklärbares Naturereignis zurückzuführen. Das Wichtigste ist jedoch, dass die römischen Historiker von Jesus und den außergewöhnliche Umständen seines Todes wussten. Wie wir oben gesehen haben, war sein Name sogar in den kaiserlichen Archiven zu finden.

Zeugnis von Griechen und Heiden

Man sollte erwarten, dass auch Jesu ideologische Gegner die Lehre der Auferstehung kommentierten. Wenn sogar sie Jesu Wirken bestätigen, dann nur deshalb, weil es ganz einfach wahr ist. Der syrische Stoiker Mara Bar Serapion schrieb zwischen 70 und 135 n. Chr. aus dem Gefängnis folgenden Brief an seinen Sohn:[16]

"Welchen Vorteil hatten die Athener davon, dass sie Sokrates zum Tode verurteilten? Hunger und Seuchen kamen über sie als Strafe für ihr Verbrechen. Welchen Vorteil hatten die Männer von Samos davon, dass sie Pythagoras verbrannten? In einem Augenblick wurde ihr Land von Sand zugedeckt. Was hatten die Juden davon, dass sie ihren weisen König umbrachten? Ganz kurze Zeit darauf wurde ihr Königtum abgeschafft. Gott rächte diese drei Weisen: die Athener starben Hungers; die Bewohner von Samos wurden vom Meer überwältigt und die Juden aus ihrem Land vertrieben, nachdem es zerstört worden war. Danach lebten sie in vollständiger Zerstreuung. Doch Sokrates starb nicht umsonst. Er lebt fort in den Lehren des Plato; auch Pythagoras starb nicht umsonst, er lebt fort in der Statue der Hera. Und auch der weise König der Juden starb nicht umsonst; er lebt weiter in der Lehre, die er verkündet hat."
– Manuskript des Brieftextes im Britischen Museum

Genau diese Art wohlwollender Rationalisierung ist bis heute von Ungläubigen zu erwarten, die mit der Auferstehung konfrontiert werden. Jesu leibliche Auferstehung wird einfach als Metapher verstanden, die man nicht wörtlich nehmen dürfe. Dabei wird ungewollt bezeugt: Jesus hat tatsächlich gelebt, seine Lehren waren außergewöhnlich, und in irgendeiner Weise hat es mit dem ewigen Leben zu tun. Gleichermaßen bei dem griechischen Satiriker Lukian von Samosata, der um das Jahr 170 n. Chr. schrieb:

"Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte […] Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und in alle Ewigkeit leben würden: Daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu leben."
– Lukian von Samosata, "De morte Peregrini", 11

Das Testimonium Flavianum

Eines der wichtigsten nichtchristlichen Zeugnisse für das Wirken Jesu stammt von dem jüdischen Militärkommandeur Joseph ben Mathitjahu (ca. 38-100 n. Chr). Während des römischen Krieges um 70 n. Chr. wurde er vom römischen Heerführer und späteren Kaiser Titus gefangen genommen, wechselte die Seiten und wurde unter dem Namen Titus Flavius Josephus römischer Staatsbürger. In seinem bekannten Werk, den Jüdischen Altertümern, erwähnt er Jesus Christus zwei Mal.[17] Die erste Stelle ist als Testimonium Flavianum bekannt:

"In dieser Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen kann. Denn er vollbrachte ganz unglaubliche Dinge. […] Er war der Christus. Und als ihn Pilatus, auf Vorschlag unserer führenden Männer, zum [Tod am] Kreuz verurteilt hatte, verließen ihn diejenigen, die ihn von Anfang an geliebt hatten, nicht; denn er erschien ihnen lebend am dritten Tag, so wie die Propheten Gottes dies und Zehntausende andere wunderbare Dinge von ihm vorausgesagt hatten."
– Flavius Josephus, "Jüdische Altertümer" (Übersetzung von mir)

Es muss angemerkt werden, dass es sich hierbei womöglich um eine "christliche Interpolation" handelt, d.h. dass der Text im Nachhinein von christlichen Autoren "verbessert" (d.h. verfälscht) worden ist. Andernfalls wäre zu erklären, wieso ein orthodox-jüdisch-römischer Historiker Jesus "den Christus" nennt. Mit diesem Titel hätte er Jesus als den verheißenen Erlöser anerkannt und wäre gleichsam zum Christentum konvertiert, wofür es aber sonst keinerlei Anzeichen gibt. Andererseits gibt es auch keinen einzigen Beweis für eine spätere Text-Korrektur; im Gegenteil: Das Testimonium Flavianum findet sich in jeder noch existierenden Kopie der Jüdischen Altertümer und könnte somit auch authentisch sein. Interessant ist diesbezüglich auch ein arabisches Manuskript des christlichen Gelehrten Agapios von Hierapolis aus dem Jahre 942 n. Chr., welches Josephus' Aussage über Jesus beinhaltet.[18] Es weicht in einigen Punkten von der obigen Version ab, macht aber im Kern die gleiche Aussage:

"Zu dieser Zeit gab es einen weisen Menschen namens Jesus. Und sein Wandel war gut und [er] war als tugendhaft bekannt. Und viele Leute aus den Juden und den anderen Völkern wurden seine Jünger. Pilatus verurteilte ihn zur Kreuzigung und zum Tode. Und alle, die seine Jünger geworden waren, blieben in seiner Jüngerschaft. Sie berichteten, dass er ihnen drei Tage nach der Kreuzigung erschienen sei und dass er lebendig sei; demnach war er vielleicht der Messias, über den die Propheten Wunder erzählt haben."
– Agapios von Hierapolis, "Kitab al-'Unwan" (Buch der Geschichte), Übersetzung von Sholomo Pines

Diese Formulierung stammt schon eher aus der Feder eines Juden. Vielleicht handelt es sich hierbei um den Original-Bericht von Josephus, der sicher kein Freund der Christen war. Selbst wenn man von christlichen Interpolationen ausgeht, sind sich doch die meisten modernen Historiker darin einig, dass die grundlegende Information (dass Jesus ein "weiser Mann" war, der von Pilatus gekreuzigt wurde) direkt von Josephus stammt.

Verschwörungstheorie

Was aber, wenn sich Jesu Jünger die gesamte Auferstehungsgeschichte nur ausgedacht haben – aus welchen Gründen auch immer? Sie hätten die römischen Herrscher, die jüdischen Gelehrten und das gesamte Volk in die Irre führen müssen. Doch dabei hätte man sie ständig widerlegen können, indem man einfach den Leichnam Jesu öffentlich zur Schau stellte. Der Theologe Paul Althaus schrieb dazu, dass sich die Lehre von der Auferstehung keinen Tag, ja nicht mal eine Stunde in Jerusalem hätte halten können, wenn das Leersein des Grabes nicht als Tatsache für alle Beteiligten festgestanden hätte.[19]

"Siehe, ich komme bald!" (c) The Bible Miniseries, Mark Burnett & Roma Downey
"Siehe, ich komme bald!" (c) The Bible Miniseries, Mark Burnett & Roma Downey
Gegen eine erfundene Geschichte spricht außerdem, dass sich der auferstandene Jesus als Erstes einer Gruppe Frauen zeigte. (Darin sind sich alle vier Evangelisten einig.) Die Aussage einer Frau war in der Beweisführung des Altertums aber gar nicht rechtsgültig.[20] Nicht zuletzt deshalb wurden Maria Magdalena und ihre Begleiterinnen anfänglich für Märchenerzähler gehalten.[21] Sie hatten schlichtweg keine Autorität. Für die Jünger war es wahrscheinlich auch ein Ärgernis, dass Jesus nicht zuerst ihnen erschienen war. Hätten sie die ganze Geschichte erfunden, hätten sie niemals Frauen auf diese Art und Weise mit einbezogen – schon gar nicht als erste Zeuginnen.

Besonders bemerkenswert ist die sprichwörtliche Leidenschaft, mit der die Jünger ihre Geschichte verbreiteten. Sie erzählten überall von der Auferstehung und waren nicht bereit, den Namen Jesus zu verleugnen. In den Augen der Juden und Römer war die Auferstehung entweder die Wahrheit – oder Gotteslästerung höchsten Grades. Deshalb sind fast alle Apostel und sehr viele andere Jünger vor allem unter der Herrschaft der Kaiser Nero, Domitian und Trajan verfolgt und hingerichtet worden.[22] Leider machte die frühe Kirche aus den Märtyrern regelrechte Kultfiguren, was die zahlreichen Legenden erklärt, die um die Leiden der Apostel ranken. Gleichwohl ist die Tatsache bemerkenswert, dass sie für ihre Überzeugung allesamt grausame Folter und meistens auch den Tod in Kauf nahmen:

Andreas: Gekreuzigt[23]
Bartholomäus (Nathanael): Gehäutet[24]
– Jakobus der Ältere, Sohn des Zebedäus: Enthauptet oder erstochen[25]
Jakobus der Gerechte, Bruder Jesu: Vom Tempeldach gestoßen bzw. gesteinigt[26][27]
Jakobus der Jüngere, Sohn des Alphäus: Gekreuzigt[28]
Johannes: In hohem Alter gestorben[29]
Judas Thaddäus: Erstochen, enthauptet oder erschlagen[30]
– Matthias: Gesteinigt und enthauptet[31]
– Paulus von Tarsus: Enthauptet[32]
Petrus: Kopfüber gekreuzigt[33][34]
– Philippus: Gekreuzigt[35]
– Simon der Zelot: Gekreuzigt oder zersägt[36]
– Stephanus: Gesteinigt[37]
Thomas der Zwilling: Von Speeren durchstoßen[38]

Kein Betrüger würde für seine Behauptungen derartige Qualen erdulden und sterben. Doch die Jünger begrüßten den Tod geradezu; in der Gewissheit, nach dem Tod ein besseres Leben zu erhalten. Daran wird deutlich, dass sie wirklich geglaubt haben und keiner Lüge folgten. Lügner sind schlechte Märtyrer.

Ehemalige Skeptiker und Feinde

Ein zusätzliches Rätsel stellen frühere Gegner Jesu dar, deren Leben nach der Auferstehung eine 180-Grad-Wendung gemacht hat. Einem der leiblichen Brüder Jesu, Jakobus, war das Auftreten und der Selbstanspruch Jesu zunächst überaus peinlich.[39] Doch nicht lange nach Jesu Tod war er bereits ein führendes Mitglied der Christengemeinde in Jerusalem[40] und verfasste sogar einen Brief, in dem er sich selbst als Knecht des Herrn Jesus Christus bezeichnet.[41]

Weitaus extremer verhielt es sich mit dem Pharisäer Saulus von Tarsus. Im Namen des Judentums verfolgte er die Anhänger Jesu hoch motiviert und unerbittlich.[42] Nachdem ihm der auferstandene Jesus höchstpersönlich erschienen war, wurde er unter dem Namen Paulus zum radikalsten und eifrigsten Missionar des Christentums bis heute. Der deutsche Historiker und Papyrologe Carsten Peter Thiede schrieb darüber:

"Wer gibt schon eine lukrative Karriere im Dienst der Sanhedrin auf, um sich plötzlich den Todfeinden anzuschließen, nur weil man auf einer staubigen Straße von der Sonne geblendet wird und Stimmen hört? Das kann es wohl nicht gewesen sein. Um Paulus kommen wir nicht herum. Dieser hochintelligente, in der Universitätsstadt Tarsus und von dem international geachteten Rabbiner Gamaliel in Jerusalem ausgebildete Mann gehörte keiner esoterischen Sekte an, die sich auf Visionen spezialisiert hätte. Er war auch keine verunsicherte, von Selbstzweifeln geplagte Randexistenz."
– Carsten Peter Thiede, "Die Auferstehung Jesu – Fiktion oder Wirklichkeit", 2001, S. 12+13

Als sie ihrem auferstandenen Herrn begegneten, wurden auch alle anderen Jünger Jesu von einem Augenblick auf den Anderen von verängstigten Feiglingen zu eifrigen Verkündigern der Wahrheit, die weder Tod noch Folter fürchteten. Ohne eine leibliche Auferstehung passt dieser Wandel gewiss in kein psychologisches Schema.

Wurde Jesu Leichnam gestohlen?

Fakt ist, dass weder Juden noch Römer noch sonst irgendwer das Leersein des Grabes anzweifelte.[43] Die umstrittene Frage war und ist bis heute: Wie wurde es leer? Sollten Jesu Nachfolger womöglich Leichenraub begangen haben? Diese Anschuldigung kam jedenfalls direkt nach Bekanntwerden des leeren Grabes auf. Doch der nüchterne Bericht der Augenzeugen widerspricht dem vorweg:

"Am anderen Tag nun, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die obersten Priester und die Pharisäer bei Pilatus und sprachen: Herr, wir erinnern uns, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferstehen. So befiehl nun, dass das Grab sicher bewacht wird bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger in der Nacht kommen, ihn stehlen und zum Volk sagen: 'Er ist aus den Toten auferstanden!' und der letzte Betrug schlimmer wird als der erste. Pilatus aber sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben! Geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt! Da gingen sie hin, versiegelten den Stein und bewachten das Grab mit der Wache. […]

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat herzu, wälzte den Stein von dem Eingang hinweg und setzte sich darauf. [...] Vor seinem furchtbaren Anblick aber erbebten die Wächter und wurden wie tot. […] Da kamen etliche von der Wache in die Stadt und verkündeten den obersten Priestern alles, was geschehen war. Diese versammelten sich samt den Ältesten, und nachdem sie Rat gehalten hatten, gaben sie den Kriegsknechten Geld genug und sprachen: Sagt, seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Und wenn dies vor den Statthalter [Pilatus] kommt, so wollen wir ihn besänftigen und machen, dass ihr ohne Sorge sein könnt. Sie aber nahmen das Geld und machten es so, wie sie belehrt worden waren. Und so wurde dieses Wort unter den Juden verbreitet bis zum heutigen Tag."

– Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,62 bis 28,14

Ein nachgebautes Gartengrab in Nazareth (c) Lightwish.de
Ein nachgebautes Gartengrab in Nazareth (c) Lightwish.de
Dass Pilatus das Grab von Soldaten bewachen ließ, schien für alle Beteiligten außer Frage zu stehen; auch der Schriftsteller Tertullian (150-220 n. Chr.) berichtet davon.[44] Die Jünger hätten den Leichnam also nicht stehlen können, ohne die Legionäre zu überwältigen. Denn geschlafen haben die ganz sicher nicht: Erstens hätten sie dann nicht wissen können, was tatsächlich geschehen war und zweitens hätten sie für eine derartige Nachlässigkeit die Todesstrafe fürchten müssen. Ihre Geschichte war also nicht sehr glaubwürdig. Außerdem waren Jesu Jünger zu diesem Zeitpunkt die größten Feiglinge, die ganz sicher nicht den Mut besaßen, in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Grabwache zu umgehen, in aller Stille den extrem schweren Stein vor der Höhle wegzurollen, das Grab zu plündern und dann wieder heimlich zu verschwinden. Petrus hatte drei Tage zuvor sogar gegenüber einem jungen Dienstmädchen abgestritten, Jesus auch nur zu kennen.[45] Der Bericht endet mit den Worten:

"Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich anbetend vor ihm nieder; etliche aber zweifelten."
– Evangelium nach Matthäus, Kapitel 28,16+17

In einer erfundenen Geschichte hätte Matthäus wohl kaum geschrieben, dass beim Anblick des Auferstandenen "etliche zweifelten". Das hätte überhaupt nicht zur Erhabenheit dieses Augenblicks gepasst. Es gibt viele solcher beiläufiger Details, die nicht zu einer erfundenen Geschichte passen. Die Jünger fanden beispielsweise in der leeren Grabhöhle die Leinentücher und das zusammengefaltete Schweißtuch von Jesus.[46] Man wickelt einen Leichnam, den man rauben will, aber nicht vorher aus.

Kollektive Halluzinationen?

Bekanntermaßen ist das menschliche Gehirn in außergewöhnlichen Situationen in der Lage, täuschend echte Bilder, Stimmen oder Gedanken zu produzieren. Was also, wenn der auferstandene Jesus nur eine Halluzination seiner Jünger war? Schließlich waren sie geplagt von Schuldgefühlen. Nur darum – so die Theorie – konnten ihre gequälten Seelen diese Bilder produzieren.

Halluzinationen sind aber nicht ansteckend, sondern etwas Internes. Sie sind sozusagen immer das Produkt einer individuellen menschlichen Psyche, und darum von Person zu Person grundverschieden. Es gibt keine geteilten Halluzinationen, wie es auch keine Gemeinschafts-Träume gibt.[47] Der Inhalt einer Halluzination besteht aus den Erwartungen und Wünschen des Halluzinierenden, während er versucht, seine Ängste in den Griff zu bekommen.[48] Die Jünger haben aber ganz und gar nicht damit gerechnet, dass Jesus auferstehen würde. Als er ihnen erschien, glaubten sie sogar, einen Geist vor sich zu haben. Selbst als sie ihn angefasst hatten, trauten sie ihren Sinnen nicht; Jesus musste sich schließlich etwas zu Essen geben lassen und es vor ihren Augen verspeisen, bis sie an seine körperliche Anwesenheit glaubten.[49] Die Jünger hatten also weder Halluzinationen, noch waren sie leichtgläubig oder naiv.[50]

War Jesus gar nicht tot?

Skuril, aber ernst gemeint: Jesus sei bei seiner Hinrichtung nicht gestorben, sondern nur ohnmächtig geworden. Die Römer hätten ihn dann für tot erklärt – und im Grab sei er wieder zu sich gekommen, worauf er noch viele Jahre gelebt habe. Besonders der Koran vertritt diese mutige Aussage.[51] Andere Quellen behaupten auch, Jesus sei noch bis Indien gekommen. Leider wird dabei übersehen, dass die römischen Henker wahre Meister der Hinrichtung wahren. Sie hafteten mit ihrem eigenen Leben dafür, dass ihr Werk sorgfältig ausgeführt wurde. Hatten die Soldaten Gnade mit den Verurteilten, brachen sie ihnen die Beine, um den Erstickungstod schneller einzuleiten. Johannes berichtet aber, dass das bei Jesus nicht mehr nötig war – er war bereits tot. Trotzdem wurde dem Opfer noch mit dem Speer in die Seite gestochen, worauf Blut und eine wässrige Flüssigkeit austrat; ein medizinisches Zeichen dafür, dass der Exitus zweifelsfrei eingetreten war:

Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten [Verbrecher] die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt.
– Evangelium nach Johannes, Kapitel 19,32-35

Hätte Jesus entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch überlebt, müssten wir von folgendem Szenario ausgehen: Zunächst wurde sein Leichnam in Leinen eingewickelt, wobei auch niemand seinen Tod in Frage stellte. Wieder bei Bewusstsein, hätte er sich in der Finsternis der Gruft zurechtfinden und als halb verdursteter Zombie mit schwersten Verletzungen den Grabstein wegrollen müssen, wofür man sonst vier Mann benötigte. Dann schlich er sich an den Soldaten vorbei und schleppte sich mehrere Kilometer bis zur nächsten Stadt. Und dann? Er hätte nach einem derartigen Blutverlust und Trauma so erbärmlich ausgesehen, dass ihn seine Jünger niemals als den siegreichen Bezwinger des Todes und Herr des Universums anerkannt hätten. Sie kannten den Unterschied zwischen einem halb Toten und Jemandem, der wieder neu am Leben war. Sie hätten wohl eher einen Arzt gerufen.

Eine populäre Behauptung verbleibt: Jesus wurde verwechselt. An seiner Stelle sei ein Doppelgänger gekreuzigt worden, vielleicht sein leiblicher Bruder Judas. Um diese Täuschung zu vollbringen, hätten seine Jünger natürlich zahlreiche offizielle Beamte und Soldaten bis hin zum Statthalter Pontius Pilatus bestechen müssen. Denn Hinrichtungen im Römischen Reich waren ein öffentliches Spektakel; die Juden hätten ein Interesse daran gehabt, den "echten Jesus" am Kreuz zu sehen.[52] Und wenn Jesus dem Tod hätte entgehen wollen, hätte er Jerusalem auch einfach fern bleiben bzw. aus der Stadt fliehen können.[53]

Schlussfolgerung

Wenn Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden ist, dann ist es nur vernünftig, alles zu glauben, was er als Wahrheit verkündet hat. Und wenn das, was er verkündete, die Wahrheit ist, dann starb er für die Sünden der Welt, und der Glaube an Jesus bringt das Ewige Leben.[54] Klingt verrückt, ist aber so.

"Die Botschaft, dass für alle Menschen am Kreuz die Rettung vollbracht ist, muss denen, die verloren gehen, als barer Unsinn erscheinen. Wir aber, die gerettet werden, erfahren darin Gottes Kraft. Gott hat doch gesagt: 'Ich will die Weisheit der Weisen zunichte machen und die Klugheit der Klugen verwerfen.'"
– 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1,18-19


Verwendete Literatur

[1] Evangelium nach Lukas, Kapitel 23,44+45
[2] Evangelium nach Lukas, Kapitel 23,50-53
[3] Evangelium nach Lukas, Kapitel 24,1-12
[4] Gary Habermas & Lee Strobel, "The Case for Christ" (deutsch: "Der Fall Jesus"), 1998, S. 261ff
[5] Norman Anderson, "Jesus Christ, the witness of History", 1985, S. 121
[6] Evangelium nach Johannes, Kapitel 8,21-30
[7] Evangelium nach Johannes, Kapitel 8,58
[8] Evangelium nach Lukas, Kapitel 5,18-25
[9] Evangelium nach Markus, Kapitel 14,64
[10] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5,44
[11] Evangelium nach Johannes, Kapitel 14,6
[12] 1. Brief des Petrus, Kapitel 2,22
[13] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 17,22+23
[14] Apostelgeschichte, Kapitel 18,1-2
[15] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,45
[16] A. H. Mathias Zahniser, "Humanism, Culture & Language in the Near East", 1997, S. 241
[17] Josephus Flavius, "Jüdische Altertümer", Buch 18, Kapitel 3, Absatz 3 und Buch 20, Kapitel 9, Absatz 1
[18] Sholomo Pines, "An Arabic Version of the Testimonium Flavianum and its Implications", 1971, S. 16
[19] Paul Althaus, "Die Wahrheit des kirchlichen Osterglaubens", C. Bertelsmann, Gütersloh 1941, S. 22f.
[20] Flavius Josephus, "Jüdische Altertümer", Buch 4, Kapitel 8, Absatz 15
[21] Evangelium nach Lukas, Kapitel 24,11
[22] Gajus Plinius Caecilius Secundus, "Briefe", Buch 10, Kapitel 96,2-5
[23] Montague Rhodes James, "The Apocryphal New Testament", Kapitel "Acts of Andrew", Clarendon Press, 1924
[24] Wikipedia.de, Eintrag "Bartholomäus (Apostel)"
[25] Apostelgeschichte, Kapitel 12,2
[26] Flavius Josephus, "Jüdische Altertümer", Buch 20, Kapitel 9, Absatz 1
[27] Eusebius von Cäsarea, "Kirchengeschichte", Buch 2, Kapitel 1,7
[28] Philip Schaff, "History of the Apostolic Church: with a General Introduction to Church History", S. 389
[29] Irenäus von Lyon, "Contra Haereses", Buch II, Kapitel 22,5
[30] Otto Wimmer & Hartmann Melzer, "Lexikon der Namen und Heiligen", Nikol-Verlag, Hamburg 2002, S. 465
[31] Philip Schaff, "History of the Apostolic Church: with a General Introduction to Church History", S. 389
[32] Eusebius von Cäsarea, "Kirchengeschichte", Buch 2, Kapitel 25
[33] Vergleiche die Prophezeiung Jesu im Evangelium des Johannes, Kapitel 21,18
[34] Eusebius von Cäsarea, "Kirchengeschichte", Buch 2, Kapitel 25
[35] Otto Wimmer & Hartmann Melzer, "Lexikon der Namen und Heiligen", Nikol-Verlag, Hamburg 2002, S. 673
[36] Wikipedia.de, Eintrag "Simon Zelotes"
[37] Apostelgeschichte, Kapitel 7,57-60
[38] Thomas-Akten, 13. Akt, Absatz 168
[39] Evangelium nach Johannes, Kapitel 7,5
[40] Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 2,9
[41] Brief des Jakobus, Kapitel 1,1
[42] Apostelgeschichte, Kapitel 22,1-5 und 19-20
[43] Evangelium nach Lukas, Kapitel 24,18-23
[44] Tertullian, "Apologeticum", Kapitel 21
[45] Evangelium nach Markus, Kapitel 14,66-72
[46] Evangelium nach Johannes, Kapitel 20,4-7
[47] Dr. Gary Collins, zitiert aus Lee Strobel, "The Case for Christ" (deutsch: "Der Fall Jesus"), 2001, Gerth Medien
[48] Raymond J. Corsinii, "Encyclopedia of Psychology", New York 2001, Vol. 2
[49] Evangelium nach Markus, Kapitel 24,36-43
[50] Vergleiche auch Lukas Kap. 24,11; Markus Kap. 16,11-13 und Apostelgeschichte 17,11+32
[51] Koran, Sure 4,157
[52] Charles Foster, "Die Akte Jesus: Ein Jurist ermittelt", Pattloch-Verlag, 2008
[53] Vergleiche Matthäus Kapitel 20,17-19 und Lukas, Kapitel 18,31-33
[54] "Beweise für die Auferstehung", inner cube Christliche Medien, 2011

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Kommentare

Xan (www.lightwish.de)
Danke für eure Kommentare – ich sehe das auch so wie Sebastian und hätte es nicht besser sagen können.

@Andreas was den Karfreitag betrifft, hast du vermutlich Recht. Bevor ich das ändere, muss ich aber erst noch einige Bibelstellen überprüfen ;-)
Geschrieben am 2. Dezember 2013 um 16:43 Uhr
Sebastian
@Andreas

Um das Leben zu haben, muss und kann ich nichts tun, sondern glauben. Glauben allein. Ob dies allerdings ein rettender Glaube ist, ZEIGT sich daran, ob aus ihm Werke fließen und Gebote gehalten werden (bzw. dies mit aller Kraft versucht wird, denn wir sündigen ja immer wieder), aber diese Werke haben kausal nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Erhalt des ewigen Lebens zu tun. Nicht aus Werken folgt die Errettung, sondern aus errettendem Glauben folgen Werke. Das muss man auseinanderhalten. Der Schächer am Kreuz konnte nach seiner Bekehrung gar keine Werke verrichten, ihm waren im wahrsten Sinne des Wortes die Hände gebunden, und dennoch ist er ebenso gerettet wie uralte Gläubige nach einem langen Glaubensleben mit tausenden guten Werken.
Geschrieben am 2. Dezember 2013 um 12:24 Uhr
Andreas
Sei gegrüßt Xan,

wirklich ein schönes Dokument und Zeugnis für die Auferstehung von Jaschuah.
Was meinst du mit der Bezeichnung"Karfreitag"? Steht meiner Meinung nach, darüber haben wir uns schon kurz ausgetauscht, im Widerspruch zur Aussage, dass der Sohn Gottes drei Tage und drei Nächte im Bauch der Erde sein wird. (siehe das Zeichen des Propheten Jona)
Ich stimme mit dir überein, das wer dem Sohn Gottes vertraut, der hat das Leben. Es geht aber noch einen Schritt weiter. Es reicht eben nicht nur zu vertrauen (glauben), sondern ich muss auch tun und seine Gebote halten.
Sozusagen nicht nur ein Hörer des Wortes, sondern auch ein Täter des Wortes sein.
Shalom
Geschrieben am 1. Dezember 2013 um 14:05 Uhr
Markus (www.gnadenmeer.com)
Sehr schöne Zusammenfassung! Danke.
Geschrieben am 18. Januar 2013 um 09:25 Uhr