Jesus in der Volksmenge (c) The Bible Miniseries, Mark Burnett & Roma Downey

Prophezeiungen über Jesus Christus

Von allen Prophezeiungen in der Bibel sind keine anderen so zahlreich und ausführlich wie die vielen Voraussagen über Jesus Christus, den Messias, den Erlöser vom Tod, auf den die Juden seit Jahrtausenden warten.

Schon viele Menschen haben behauptet, mit irgendeiner Botschaft von Gott gesandt worden zu sein. Um wahre Gesandte von Betrügern zu unterscheiden, mussten sie also irgendwie bestätigt werden. Wenn nun einer behauptete, der Sohn Gottes zu sein, war das natürlich um so dringender nötig. Das ist der Grund, warum JHWH das Kommen seines Sohnes bereits viele hundert Jahre im Voraus durch die Propheten angekündigt hatte. Trotzdem durchschaute die Mehrheit des Volkes Israel die Ankunft ihres Erlösers nicht. Sie erwarteten einen mächtigen Freiheitskämpfer und verkannten deshalb den armen Zimmermann von Nazareth, der schließlich von den Römern hingerichtet wurde. Erst danach wurde zahlreichen Menschen die Bedeutung der prophetischen Worte klar, die genau davon gesprochen hatten. In über 300 einzelnen Voraussagen hatten insbesondere Mose, Jesaja, Micha, Sacharja und König David das Leben und Sterben von Jesus Christus im Voraus erzählt. Trotzdem gibt es – nicht zuletzt unter Juden und Muslimen – gottesfürchtige Menschen, die scheinbar blind sind für diese erstaunliche Offenbarung des Herrn.

Herkunft des Messias

Über 1400 Jahre vor Jesu Geburt sprach Mose, der das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt hatte, von einem zukünftigen Herrscher aus der Dynastie des israelitischen Stammes Juda. Er bezeichnete diesen Herrscher mit dem hebräischen Wort Schilo:

"Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorsam sein."
– 1. Buch Mose, Kapitel 49,10

Nach rabbinischer und kabbalistischer Deutung[1][2] meint das den Messias, der somit aus Juda stammen muss. Rund 700 Jahre v. Chr. bestätigte Gott durch seinen Propheten Micha, dass der Messias aus Juda kommen würde und nannte sogar den genauen Ort:

"Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar gering unter den Hauptorten von Juda; aber aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Hervorgehen von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist."
– Prophet Micha, Kapitel 5,1

Wie seine Zeitgenossen berichten, wurde Jesus genau dort geboren.[3] Interessanterweise kommen in der Bibel zwei Orte namens Bethlehem vor. Das eine Bethlehem lag im Gebiet von Sebulon im Norden Israels[4], und das andere lag in Judäa und war auch unter dem Namen Ephrata bekannt. Die Verheißung über den Geburtsort des Messias ist derart exakt, dass sie zwischen diesen beiden Orten unterscheidet.

Ein Zeitgenosse des Propheten Micha war Hosea. Dieser überlieferte uns Gottes Klage über das Volk Israel und erinnerte daran, wie Gott sein Volk durch Mose aus Ägypten befreit hat:

"Als Israel jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."
– Prophet Hosea, Kapitel 11,1 (Elberfelder Bibel-Übersetzung)

Es ist kein Zufall, dass Gott das Volk Israel ausgerechnet an dieser Stelle metaphorisch als "seinen Sohn" bezeichnet. Damit wird angedeutet, dass Gott nicht nur über das tatsächliche Volk spricht, sondern auch über eine Person, die in gewisser Weise Israel repräsentiert. Matthäus überlieferte uns, dass Jesu Eltern Mirjam und Joseph mit ihm nach Ägypten fliehen mussten, weil der König Herodes meinte, alle Erstgeborenen Kinder in der Nähe Bethlehems töten zu müssen. Erst als Herodes gestorben war, forderte ein Engel Gottes den Joseph auf, mit seiner Familie nach Israel zurückzukehren; er "rief ihn aus Ägypten".[5] Danach lebte Joseph mit seiner Familie in Nazareth, wo Jesus aufwuchs. Gott benutzte den Herodes somit als Werkzeug, damit Hoseas Ausspruch über Israel auch auf Jesus zutrifft! Wir werden sehen, dass etliche Ereignisse in der Geschichte Israels gleichzeitig ein Sinnbild für den Messias sind, um diesen zu bestätigen.

Eine Jungfrau zur Mutter

Der dritte große Prophet zu Zeiten Michas und Hoseas war Jesaja. Dieser Jesaja wandte sich im Auftrag Gottes an den König Ahas von Juda, während mächtige Feinde gegen das Land heraufzogen. Jesaja versicherte dem König, dass Gott eine Eroberung Judas nicht zulassen würde. Scheinbar traute Ahas im Angesicht der übermächtigen, feindlichen Armee dem Propheten nicht, worauf dieser die denkwürdigen Worte hinzufügte: "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht".[6] Daraufhin trat Jesaja erneut an Ahas heran und forderte ihn auf, ein Zeichen von Gott einzufordern, als Beweis dafür, dass er es ernst meinte. Als Ahas ablehnte, um Gott nicht zu versuchen, sprach der Prophet:

"Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben. […] Ehe der Knabe versteht, das Böse zu verwerfen und das Gute zu erwählen, wird das Land, vor dessen beiden Königen dir graut, verlassen sein."
– Prophet Jesaja, Kapitel 7,14

Eine Deutung dieser Prophezeiung sieht in dem Knaben den Sohn Jesajas, denn dieser schrieb nur ein Kapitel später, dass er sich "der Prophetin nahte und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn".[7] Dagegen spricht zweierlei: Erstens nannte Jesaja seinen Sohn nicht "Immanuel"[8] und zweitens war sie naturgemäß keine Jungfrau mehr, wenn er sich ihr "nahte". Das im obigen Zitat verwendete, hebräische Wort "alma" wird in der Bibel aber immer für eine wirkliche Jungfrau verwendet, nicht nur für eine junge Frau.[9] Deshalb sagt eine andere Deutung der Prophezeiung, dass mit dem "Sohn der Jungfrau" der Messias gemeint ist. Nun, Jesus wurde von einer Jungfrau geboren,[10] nämlich von Mirjam, die über ihre Umstände selbst äußerst verwundert war: "Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiß?"[11] Selbstverständlich könnte man jetzt erwidern, dass Jesus auch nicht Immanuel hieß. In diesem Zusammenhang ist aber die Bedeutung der Namen wichtiger als die Namen selbst: Jesus (hebräisch Jehoschua) bedeutet "Gott ist Rettung", und Immanuel bedeutet "Gott ist mit uns".

König David zum Vater

Wenige Kapitel später kommt Jesaja erneut auf den Messias zu sprechen:

"Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schößling hervorbrechen aus seinen Wurzeln."
– Prophet Jesaja, Kapitel 11,1

Mit dem "Stumpf Isais" ist zweifellos die Königsdynastie Israels gemeint. Isai war der Vater von König David, unter welchem Israel erstmals zu einem einflussreichen Königreich aufblühte. Doch als die Assyrer in den Tagen Jesajas das Nordreich Israels verwüsteten und in Gefangenschaft verschleppten, wurde die Königsherrschaft des Landes "abgeschnitten". Der Prophet spricht nun von einem neuen Herrscher königlichen Blutes, einem "Sohn Davids", der gerecht herrschen und Frieden bringen würde. Als etwa 120 Jahre später auch Juda, das Südreich Israels, von den Babyloniern zerstört wurde, bestätigte ein anderer Prophet namens Jeremia die Worte Gottes:

"Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich dem David einen gerechten Spross erwecken; der wird als König regieren und weise handeln und wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden."
– Prophet Jeremia, Kapitel 23,5

Jeder schriftbewanderte Jude weiß, dass die Worte Spross, Zweig bzw. Schößling Namen für den Messias sind.[12] Im Hebräischen werden zwei Worte dafür verwendet: "zemach" und "nezer". Letzteres hat die selbe Wortwurzel wie der Ort, aus dem Jesus stammte: Sogar seine schlimmsten Feinde riefen ihn Jesus, der Nazarener oder Jesus von Nazareth.[13][14] Durch dieses hebräische Wortspiel sagten sie indirekt: "Jesus, der Spross" – Jesus, der Messias. Bleibt die Frage, inwiefern Jesus ein Nachkomme Davids war. Die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas haben uns Jesu Stammbaum überliefert:

"Und Jesus war ungefähr 30 Jahre alt, als er [öffentlich zu Wirken] begann; er war, wie man meinte, ein Sohn Josephs, des Eli, des Matthat, […es folgen 37 Generationen…], des Nathan, des David, des Isai."
– Evangelium nach Lukas, Kapitel 3,23-31

"Isai zeugte den König David. Der König David zeugte den Salomo [...]; Salomo zeugte den Rehabeam; […es folgen 22 Generationen…], Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria [Mirjam], von welcher Jesus geboren ist, der Christus genannt wird."
– Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1,6-16

Jesus Christus ist sowohl über Mirjam als auch über Joseph ein Nachkomme König Davids.
Jesus Christus ist sowohl über Mirjam als auch über Joseph ein Nachkomme König Davids.
Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass sich Matthäus` Version gravierend von der des Lukas unterscheidet. Des Rätsels Lösung ist so logisch wie einfach: Der eine Stammbaum geht über Jesu Mutter Mirjam, der andere über seinen Stiefvater Joseph. In altertümlichen Stammbäumen werden nur äußerst selten Frauen genannt, deshalb steht Josephs Name hier stellvertretend für Mirjam. Davon abgesehen war Joseph wirklich ein Sohn Elis, nämlich sein Schwiergersohn. Lukas wollte vermutlich zeigen, dass Jesus biologisch ein Nachkomme Davids ist, und führt die Linie deshalb über die Mutter. Matthäus hingegen untermauert Jesu Anspruch auf das Königtum und verfolgt somit gemäß des Erbrechts die väterliche Linie. Rechtlich gesehen war Jesus ein Sohn Josephs, und seine Nachkommenschaft von David ist zweifelsfrei belegt. Seine Mutter Mirjam entstammt der königlichen Linie über Davids Sohn Nathan; sein Ziehvater Joseph hingegen über Davids Sohn Salomo.

Der Täufer und der Heilige Geist

Alle vier Evangelisten berichten, dass kurz vor Jesu erstem öffentlichen Auftreten ein Mann namens Johannes die Menschen zur Abkehr vom Bösen aufrief und sie auf die Ankunft des Messias vorbereitete. Sie kamen in Scharen hinaus in die Wüste jenseits des Jordan, um seine Worte zu hören, und er taufte alle, die ihre Sünden bekannten.[15] Der "Täufer", wie er genannt wurde, ermahnte seine Zuhörer eindringlich, dass der Messias sehr bald kommen würde: "Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, […] der wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen."[16] Schon bald fragten die Menschen, ob Johannes nicht der Messias sei, aber er verneinte stets ausdrücklich. Dagegen betonte er, er sei der Wegbereiter, von dem schon Jesaja wusste:[17]

"Die Stimme eines Rufenden [ertönt]: In der Wüste bereitet den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße unserem Gott!"
– Prophet Jesaja, Kapitel 40,3

Als Jesus selbst von Johannes getauft wurde, tat sich der Himmel auf, der Heilige Geist Gottes stieg in Gestalt einer Taube auf Jesus herab, und eine Stimme ertönte vom Himmel: "Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Wohlgefallen!"[18] So wurde Jesus von Gott selbst bestätigt. Dass sein Geist auf dem Messias ruhen würde, hatte bereits Jesaja angekündigt:

"Und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn."
– Prophet Jesaja, Kapitel 11,2

Sacharja und der "gute Hirte"

Drei besonders verblüffende Prophezeiungen stammen von Sacharja, einem Propheten, der ca. 500 Jahre v. Chr lebte. Er schrieb über den Messias:

"Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin."
– Prophet Sacharja, Kapitel 9,9

Nicht lange vor seinem Tod ritt Jesus auf einem Füllen nach Jerusalem ein, währen die Volksmenge ihn jubelnd als "Sohn Davids" begrüßte![19][20] Weiter trug Gott dem Sacharja auf, in die Rolle eines Hirten zu schlüpfen, um so die Bemühungen Gottes mit seiner "Herde" Israel zu illustrieren. Sacharja repräsentierte Gott als guten Hirten, der sich auch um kranke und schwache Schafe kümmerte. Leider stieß der gute Hirte auf den Widerwillen anderer, hartherziger Hirten, nämlich den Führern des jüdischen Volkes. Mit seiner Geduld am Ende, forderte er sie deshalb auf:

"…Wenn es gut ist in euren Augen, so gebt mir meinen Lohn; wenn aber nicht, so lasst es bleiben! Da wogen sie mir meinen Lohn ab, 30 Silberlinge. Aber der Herr sprach zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Preis, dessen ich von ihnen wert geachtet worden bin! Da nahm ich die 30 Silberlinge und warf sie ins Haus des Herrn, dem Töpfer hin."
– Prophet Sacharja, Kapitel 11,12+13

Der lächerliche Lohn, den die jüdischen Führer Sacharja für seine Dienste zahlten, entsprach genau dem Preis für einen getöteten Sklaven,[21] umgerechnet etwa 130 Euro.[22] Mit dieser spöttischen Geste gaben sie zum Ausdruck, dass ihnen Sacharja nicht mehr Wert war als ein Sklave. Letztlich forderte Gott seinen Propheten auf, das Geld in den Tempel zu werfen. Mit diesen symbolischen Handlungen inszenierte Sacharja im Voraus ganz präzise die Ablehnung, die Jesus gegenüber dem jüdischen Volk einst erfahren würde: Sein eigener Jünger Judas Iskariot verriet ihn für genau 30 Silberlinge; anschließend bereute er seine Tat, warf das Geld in den Tempel und erhängte sich.[23] Sacharja schilderte aber auch die nachträgliche Trauer des Volkes über die Ablehnung des guten Hirten:

"… Und sie werden auf mich sehen, den sie durchstochen haben, ja, sie werden um ihn klagen, wie man klagt um den eingeborenen [Sohn], und sie werden bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich Leid trägt über den Erstgeborenen."
– Prophet Sacharja, Kapitel 12,10

Während Jesus gekreuzigt wurde, wurden seine Hände, Füße und seine Seite durchstochen[24] und seine Nachfolger trauerten um ihn.[25] Alle drei Aussagen Sacharjas erfüllten sich in Jesus Christus bis ins kleinste Detail.

Jesu Kreuzigung in den Psalmen

Bevor der berühmte König David in Israel regierte (ca. 1000 v. Chr.) musste er mehrfach vor seinem neidvollen Amtsvorgänger Saul fliehen. In dieser Zeit versteckte er sich mit seinen Getreuen in Höhlen und klagte Gott sein Leid. Bis heute sind Davids Klagelieder als ein Teil der Psalmen des Alten Testaments für die Nachwelt erhalten. Vier Passagen daraus zeigen unmissverständliche Parallelen zu Jesu Leidenszeit:

"Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben."
– König David, Psalm 41,10

Jesus wurde von Judas Iskariot verraten, einem seiner engsten Vertrauten.[26]

"Der Gerechte muss viel Böses erleiden; aber aus allem rettet ihn der Herr. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird."
– König David, Psalm 34,20+21

Jesu Füße wurden nicht gebrochen, obwohl das eine gängige Praxis war, um die Leidenszeit der Verurteilten abzukürzen.[27]

"Und sie gaben mir Galle zur Speise und Essig zu trinken in meinem Durst."
– König David, Psalm 69,22

Als Jesus bereits ans Kreuz genagelt war und Durst hatte, gaben sie ihm Essig zu trinken.[28]

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage? […] Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes. Denn Hunde umringen mich, eine Rotte von Übeltätern umgibt mich; sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben. Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie schauen her und sehen mich [schadenfroh] an. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand."
– König David, Psalm 22, 2-19

Jesu Hände und Füße wurden "durchgraben", während die vier römischen Henker Jesu Gewand unter sich aufteilten.[29] Zu seinen letzten Worten gehörte der Ausruf "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"[30] Zwar kannte Jesus die Lieder Davids und zitierte ihn wahrscheinlich ganz bewusst, aber alle anderen Aussagen der Psalmen konnte er nicht beeinflussen. Es waren ja stets fremde Personen daran beteiligt, die sicher kein Interesse daran hatten, dass Jesu Leben und Sterben so präzise Davids Liedern entsprach. Das ist beeindruckend!

Jesaja und der "Knecht Gottes"

Kommen wir noch einmal auf Jesaja zu sprechen. Die mit Abstand faszinierendste und deutlichste Prophezeiung über den Messias stammt aus seiner Feder und handelt von einem mysteriösen "Knecht Gottes". So sprach Gott durch Jesajas Mund zum Volk Israel:

"Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben sein, erhöht werden und sehr erhaben sein. Gleichwie sich viele über dich entsetzten – so sehr war sein Angesicht entstellt, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt, mehr als die der Menschenkinder –, genauso wird er viele Heidenvölker in Erstaunen setzen, und Könige werden vor ihm den Mund schließen. Denn was ihnen nie erzählt worden war, das werden sie sehen, und was sie nie gehört hatten, werden sie wahrnehmen."
– Prophet Jesaja, Kapitel 52,13-15

Als Jesus Christus am Kreuz hing, war er tatsächlich "erhoben" und gleichzeitig war sein Gesicht von Faustschlägen und Stacheln entstellt.[31] Dann, im Augenblick seines Todes, zerriss der Vorhang im Allerheiligsten des Tempels, die Erde bebte, die Sonne hatte sich verdunkelt, Tote kletterten aus ihren Gräbern.[32] Ob dieses gruseligen Schauspiels schlugen sich die Anwesenden vor Entsetzen an die Brust und manch einer bekannte: "Dieser Mann ist tatsächlich Gottes Sohn gewesen."[33] Weiter hatte der Prophet über den Knecht Gottes verlauten lassen:

"Er wuchs auf vor ihm [d.h. vor dem Herrn] wie ein Schößling, wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht. Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut; wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht."
– Prophet Jesaja, Kapitel 53,2+3

Durch die messianischen Bezeichnungen "Schößling" und "Wurzelspross" bekräftigte Jesaja, dass mit dem "Knecht Gottes" jener Nachfahre Isais gemeint ist, um den es bereits in vorigen Kapiteln ging. Auch diese Stelle trifft voll und ganz auf Jesus zu: Im Augenblick des schmerzvollen Todes wurde er sogar von den engsten Freunden verlassen und verleugnet.[34]

"Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn."
– Prophet Jesaja, Kapitel 53,4-6

Pontius Pilatus und Jesus ("Ecce homo", Antonio Ciseri)
Pontius Pilatus und Jesus ("Ecce homo", Antonio Ciseri)
Hier kündigte Jesaja den Grund für das Leiden und Sterben des Messias an: Gott würde die Strafe des jüngsten Gerichts, die eigentlich Israel und allen anderen Völkern galt, auf den Knecht übertragen und ihn dafür sterben lassen. Das war es, was Jesus von Nazareth tat, als er sich unschuldig und freiwillig kreuzigen ließ. Kurz bevor seine Seele ins Jenseits glitt, sprach er die Worte: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. […] Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. […] Es ist vollbracht."[35]

"Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut."
– Prophet Jesaja, Kapitel 53,7

Als die Sanhedrin, der Hohe Rat der Juden, Jesus mit falschen Anschuldigungen belastete, erwiderte er nichts, sodass sich selbst der Statthalter Pontius Pilatus sehr wunderte.[36] Jesus ließ sich bespucken, schlagen, foltern und töten, ohne den geringsten Widerstand.

"[…] Denn er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen; wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und man bestimmte sein Grab bei Gottlosen, aber bei einem Reichen [war er] in seinem Tod, weil er kein Unrecht getan hatte und kein Betrug in seinem Mund gewesen war."
– Prophet Jesaja, Kapitel 53,8+9

Rechts und links neben Jesus wurde je ein Schwerverbrecher gekreuzigt: Sein "Grab" war bei Gottlosen.[37] Anschließend wurde seine Leiche in das Höhlengrab eines reichen Juden namens Joseph von Arimathia gelegt, dort war er "in seinem Tod".[38]

"[...] Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Nachkommen sehen und seine Tage verlängern; […] durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen. Darum will ich ihm die Vielen zum Anteil geben, und er wird Starke zum Raub erhalten, dafür, dass er seine Seele dem Tod preisgegeben hat und sich unter die Übeltäter zählen ließ und die Sünde vieler getragen und für die Übeltäter gebetet hat."
– Prophet Jesaja, Kapitel 53,10-12

Über wen sprach Jesaja?

Viele Juden sehen in Jesajas Worten keine messianische Prophezeiung, sondern eine Beschreibung des Volkes Israel. Damit haben sie nicht Unrecht: Jesaja selbst identifiziert den "Knecht" mit Israels Stammvater Jakob, das heißt mit dem Volk als Kollektiv.[39] Trotzdem passt die Beschreibung des "Knechtes" absolut präzise auf Jesus von Nazareth, und das kann kein Zufall sein. Genau wie Jakob für das ganze Volk steht, erfüllte auch Jesus Christus, ein Jude, die Propheten-Worte repräsentativ für das ganze Volk.

Dass Jesaja in seiner Beschreibung Israels viele Details des Todes Jesu sinnbildlich vorausgesagt hat, wusste er womöglich selbst nicht. Er gab nur weiter, was Gott ihm offenbart hatte. Der allgegenwärtige Gott jedoch hat in seiner Botschaft für Israel auch eine Botschaft für uns versteckt: Den Schlüssel zur Erkenntnis des Messias. Wenn wir das ignorieren und stattdessen annehmen, mit dem "Knecht" sei ausschließlich das Volk Israel gemeint, stehen wir vor ein paar Problemen ganz anderen Kalibers:

Im obigen Zitat heißt es, dass den Knecht "Strafe getroffen hat wegen der Übertretung meines Volkes" (Vers 8). Das Volk Jesajas (bzw. das Volk Gottes) ist das Volk Israel. Wer aber ist dann der Knecht des Herrn? Gleiches gilt für Vers 3, worin steht: "Wir achteten ihn nicht". Wen meint Jesaja damit? Wenn der "Knecht Gottes" das Volk Israel ist, müssten diejenigen, die den Knecht verachten, zwangsläufig die Heidenvölker sein. Aber Jesaja würde sich wohl kaum zu den Heidenvölkern rechnen! Also kann der "Knecht" hier nicht Israel sein. Das selbe Spiel in Vers 5: "In seinen Wunden werden wir geheilt". Davon ausgehend, dass Jesaja mit "wir" sich selbst und sein Volk meint, würde der Satz lauten: "In seinen [Israels] Wunden werden wir [Israel] geheilt". Das macht keinen Sinn.

Weiterhin werden mehrere Dinge von dem "Knecht" behauptet, die nicht auf Israel zutreffen. In Vers 11 heißt es, der Knecht würde "viele gerecht machen". Wenn der Knecht Israel ist, müssen die "Vielen" die Heidenvölker sein. Aber wie hat Israel denn die Heidenvölker gerecht gemacht und deren Sünde getragen? Es heißt weiterhin, dass der Knecht in Misshandlungen schweigen würde. Das haben die Israeliten nicht getan. Und es heißt, der Knecht habe kein Unrecht begangen und kein Betrug sei in seinem Mund gewesen. Die Israeliten taten aber immer wieder Unrecht, deshalb mussten sie auch ständig Sündopfer darbringen.

Die Prophezeiung Jesajas passt offensichtlich viel besser auf Jesus Christus. Er war es, der Strafe trug wegen unserer Vergehen. Er tat seinen Mund nicht auf, als er vor Pontius Pilatus verhört wurde. Er war der einzige ohne Sünde. Er betete für jene, die ihn prügelten und töteten. Nur er kann sowohl Israel als auch die Heidenvölker gerecht machen.

Schlussfolgerung

Die Gesamtheit der alten Prophezeiungen skizziert eindeutig das Leben und Sterben von Jesus Christus. Es kann sich um keinen Anderen handeln, nur er allein kann der verheißene Erlöser vom Tod sein, dessen Kommen schon der erste Mensch Adam herbeigesehnt hat. Die Propheten sind sich über Jesu Identität einig, und ebenso einig sind sie sich über seine Auferstehung aus dem Hades. Er lebt wieder, und ebenso werden wir alle eines Tages wieder leben.

"Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und was da geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!"
– Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,54

"… Denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und wirst nicht zulassen, dass dein Getreuer die Verwesung sieht."
– König David, Psalm 16,10


Verwendete Literatur

[1] Rabbi Ariel Bar Tzodeck, "Identifying Shiloh – The Secret Soul of the Mashiah"
[2] Franjo Terhart, "Kabbala – die jüdische Mystik", Parragon Books Ltd., S. 62
[3] Evangelium nach Lukas, Kapitel 2,4-7
[4] Buch Josua, Kapitel 19,15
[5] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 2,19+20
[6] Buch Jesaja, Kapitel 7,14 nach der Luther-Übersetzung
[7] Buch Jesaja, Kapitel 8,3
[8] In Kapitel 8,3 nennt Jesaja seinen Sohn "Maher-shalal-hash-baz", das bedeutet: "Bald Plünderung, rasch Raub"
[9] Vergleiche z.B. 1. Mose Kapitel 24,43; Sprüche Kapitel 30,19 und Hohelied Kapitel 1,3 und 6,8
[10] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1,25
[11] Evangelium nach Lukas, Kapitel 1,34
[12] Buch Sacharja, Kapitel 3,8 und 6,12
[13] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 2,23
[14] Evangelium nach Johannes, Kapitel 18,5+7
[15] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1,5+6
[16] Evangelium nach Lukas, Kapitel 3,16
[17] Evangelium nach Johannes, Kapitel 1,19-23
[18] Evangelium nach Lukas, Kapitel 3,21-22
[19] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 21,1-9
[20] Evangelium nach Lukas, Kapitel 19,28-38
[21] Exodus (2. Buch Mose) Kapitel 21,32
[22] John MacArthur Studienbibel, CLV, 2002, S. 2158
[23] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,3-5
[24] Evangelium nach Johannes, Kapitel 19,34
[25] Evangelium nach Johannes, Kapitel 20,11 und Lukas, Kapitel 23,26-28
[26] Evangelium nach Lukas, Kapitel 22,47-48
[27] Evangelium nach Johannes, Kapitel 19,31-36
[28] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,48
[29] Evangelium nach Johannes, Kapitel 19,23+24
[30] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,46
[31] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 26,67 und 27,29+30
[32] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,45-54
[33] Evangelium nach Lukas, Kapitel 23,47+48
[34] Evangelium nach Johannes, Kapitel 18,25-27
[35] Evangelium nach Lukas, Kapitel 23,34 und 23,46; Johannes Kapitel 19,30
[36] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,12-13
[37] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,38
[38] Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27,57-60
[39] Prophet Jesaja, Kapitel 44,1

Kommentar abgeben

Deine Daten


Dein Kommentar



Kommentare

ELI YAH
Studierte Judah ben Samuel aus dem Jahr 1217 CE das Neue Testament?

Eine Prophezeiung des berühmten Deutschen Rabbi Judah ben Samuel aus dem Jahr 1217 CE sagt den Messias auf das Jahr 2017 CE vorher.

Seine Prophezeiung wäre nicht erwähnenswert, wenn er nicht schon im Jahr 1217 CE vorhergesagt hätte, dass:

- die ottomanischen Türken im Jahr 1517 CE die Kontrolle über Jerusalem übernehmen werden.

- die ottomanischen Türken 400 Jahre die Kontrolle über Jerusalem behalten werden.

- Jerusalem danach für 50 Jahre „Niemandsland“ sein wird.

- Israel im Jahr 1967 CE die Kontrolle über Jerusalem zurückgewinnen wird.

Diese Ereignisse sind in den vorhergesagten Jahren eingetroffen.

Siehe:
12TH-CENTÜRY RABBI PREDICTED ISRAEL`S FÜTÜRE

http://www.wnd.com/2012/11/12th-century-rabbi-predicted-israels-future/ (abgerufen am 05.03.2015)

Rabbi Judah ben Samuel`s Jubilee Prophecy – Messiah in 2017?

http://www.escapeallthesethings.com/judah-ben-samuel-prophecy.htm (abgerufen am 05.03.2015)
128
Geschrieben am 22. Dezember 2015 um 01:56 Uhr