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[star]  Titel: Unsterblichkeit des Bewusstseins?

[folder]  Kategorie: Philosophie & Grenzwissen

[time]  Letzte Änderung: 26.11.2015 um 21:10 Uhr

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Wo liegt das Bewusstsein? (c) Gallo Images, www.thinkstockphotos.de

Unsterblichkeit des Bewusstseins?

Haben Menschen eine unsterbliche Seele? Schwer zu sagen. Die Bibel lehrt jedenfalls nicht, dass nach dem Tod ein unsichtbarer, geistiger Teil unserer Selbst bestehen bleibt. Okay, es gibt zwei Geschichten, die darauf hindeuten könnten: Erstens das Gleichnis vom armen Lazarus, aber das ist und bleibt eben ein Gleichnis. Und zweitens die Geschichte der Totenbeschwörerin von Endor. Letztere mag ein Argument für eine unsterbliche Seele sein, aber eben nur eines, und schwer zu erklären obendrein. Ich werde bei Gelegenheit darauf zurückkommen. Die Gesamtaussage der Bibel ist trotz allem eindeutig: Wenn ein Mensch stirbt, dann ist er absolut tot.

"Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit."– Prediger 9,10

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass mit dem Tod alles vorbei ist. Laut der Heiligen Schrift gibt es trotzdem eine Auferstehung der Toten. (Egal, ob dich das nun erleichtert oder beunruhigt.) Um präzise zu sein: Am Ende der Zeit erhalten alle Menschen einen neuen Körper. Wenn Gott in der Lage war, einmal Menschen zu erschaffen, wird er das auch wieder hinbekommen. In gewisser Weise sind wir also unsterblich – wir existieren zumindest immer als Idee Gottes. Das ist vielleicht kein besonders erstrebenswertes Dasein, aber besser als nichts.

Natürlich ist es nicht damit getan, dass Gott uns einen neuen Körper baut. Um sagen zu können, dass ich in diesem neuen Körper stecke, muss der Allmächtige in erster Linie mein Bewusstsein wieder erschaffen. Aber dazu sollte man erst mal wissen, worin dieses Bewusstsein überhaupt besteht.

Mein erster Ansatz war: Erinnerungen sind das Bewusstsein. Ein Mensch, dessen Gehirn keine Erinnerungen aufzeichnet, ist sich seiner selbst wahrscheinlich nicht bewusst. Er kann eigentlich überhaupt nicht existieren; jedenfalls nicht lange, da er ohne jede Lernfähigkeit in der Welt nicht zurecht käme. Erinnerungen sind also maßgeblich am Bewusstsein beteiligt. Dummerweise (oder glücklicherweise?) kann man umgekehrt nicht sagen, dass das Bewusstsein nur aus Erinnerungen besteht. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber in meinem Kopf ist noch (mindestens) eine weitere Instanz, die die Erinnerungen bewertet und durchlebt. Der tiefste Teil meiner Selbst ist nicht die Erinnerung, sondern das, was sich erinnert. Diesen mysteriösen "Beobachter" nenne ich einfach mal Seele.

Gott müsste also meinen Körper und meine Seele mitsamt den Erinnerungen wieder erschaffen, vom Lebens-Geist mal ganz abgesehen, der gehört zur Standard-Ausrüstung. Dann könnte man diesen neuen Menschen als genau den selben Menschen bezeichnen, der ich vor dem Tod war. Soweit jedenfalls die Theorie. Doch in der Praxis stellt sich irgendetwas in mir dagegen.

Ich will es mal abstrakt formulieren: Das "neue Ich", das irgendwann in einem neuen Körper existieren wird, das wird natürlich wissen, dass es früher schon mal gelebt hat und dass es die Person ist, die ich jetzt bin. Schließlich hat der neue Mensch all meine Erinnerungen. Aber wie ist es umgekehrt? Werde wirklich ich der neue Mensch sein? Werde ich der selbe sein, oder nur der gleiche? Wenn meine Seele (was immer sie letztendlich auch sein mag) einmal vollständig vernichtet ist, wird sie dann je wieder als die selbe existieren können? Oder wird es zwangsläufig eine andere sein, selbst wenn sie noch so viele identische Erinnerungen hat?

Hm. Panta rhei.

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Kommentare

Xan (www.lightwish.de)
Das Gehirn ist Teil des Körpers, und ohne Gehirn kann man auch nicht denken – denke ich. Die Erinnerungen wären nutzlos, da sie nicht durchlebt werden können. Insofern gleicht die Körperlosigkeit wahrscheinlich eher einem Schlaf ohne jedes Zeitgefühl. (puh!)
Geschrieben am 10. Februar 2013 um 10:06 Uhr
Xeno
Könnte man so deuten, oder auch nur als Spruch, um anderen die Angst vorm Tod als entgültiges Ende zu nehmen ;)

Aber du hasts genau so genannt, wie ichs auch denken würd, ohne Körper ist nix mit fühlen, sehen, riechen, usw. Beim denken hingegen wäre ich mir nicht so sicher, allerdings wäre es wohl gnädiger, wenn auch das Denken abgeschaltet wäre und der Schlaf eher einem Koma gleicht oder einem Tiefschlaf ohne Traum.
Oder würdest du Jahre oder Jahrhunderte bei Bewusstsein sein wollen, nur mit deinen eigenen Gedanken und deiner Stimme im Kopf und sonst nichts? Keinen anderen hören, mit keinem anderen reden können, weder bewegen, noch sehen, noch sonst irgendwas anstellen können. Allein in der Dunkelheit? Nee danke, das wäre wie Wachkoma oder schlimmste Folter in einer Dunkelkammer. Bei manchen reichts ja schon, wenn sie nur ein paar Wochen allein sind, damit sie durchdrehen, aber da hättest du schlimmstenfalls die Ewigkeit, bis es soweit ist und neue Körper gäbe *s*
Geschrieben am 10. Februar 2013 um 09:42 Uhr
Xan (www.lightwish.de)
Wenn der Körper stirbt, kann die Seele also nicht vollständig ausgelöscht werden, sonst könnte sie nie wieder als die selbe existieren. Aber ohne Körper kann sie wahrscheinlich nicht sehen, hören, fühlen, denken, etc... sie wäre komplett außer Gefecht gesetzt, bis sie einen neuen Körper bekommt. "Die Toten schlafen." (Hiob 14,10-12)

Meinst du, das gilt als Argument für die Unsterblichkeit der Seele?
Geschrieben am 10. Februar 2013 um 00:15 Uhr
Xeno
Jede Seele müsste wohl eine Einmaligkeit haben, da selbst zwei absolut identische Seelen wohl nie am selben Ort sein könnten oder sein würden, und so die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln wahrnehmen würden und sich folglich irgendwann auch unterschiedlich verhalten werden... spätestens wennsie sich mal direkt gegenüber stehen.
Würde es von dir eine Kopie geben und diese vor dir stehen, würdest du dann sagen, das seist du selbst ;) oder nur etwas, was so denkt und fühlt wie du? Du steckst ja nicht in der Kopie drin, sondern in dir selbst.

Wir mögen zwar nie wieder der selbe sein, die wir noch vor ein paar Sekunden, Minuten, Tagen waren, weil wir ständig neues erleben und uns an das neu erlebte auch erinnern und altes vergessen aber immerhin wären wir immer das Resultat, das sich ständig wandelnde und anpassende Bewusstsein, von ein und der selben Seele und Geist, nicht von der da neben dir in einem andern Körper.

Wenn du nach dem Tod wieder du selbst sein wolltest, müsste dein komplettes Bewusstsein auch losgelöst vom Körper existieren können und diesen quasi von einem (sicheren) Ort lediglich fernsteuern... hallo Matrix, Avatar und durchaus auch Ghost in the shell ^.^
Ist das Jenseits nur soewas ein Server, der als Host für all unsere Seelen dient und Verbindungen zu unseren Körpern generiert, damit wir durch diese sehen, fühlen, schmecken, leben können? Dann könnten wir uns später anch dem Tod sicher problemlos mit einem neuen Körper verbinden, da im Falle unseres Todes der Seele ja nichts passieren würde, naja von einem möglichen Trauma durch den Tod ansich mal abgesehen *g*
Geschrieben am 9. Februar 2013 um 19:33 Uhr
Xan (www.lightwish.de)
Den Film kenne ich sogar, stell dir mal vor ;-)

Bedeutet das, dass eine Seele eine gewisse Einmaligkeit und Einzigartigkeit haben muss? Sobald sie kopiert wird, entwickelt sich die Kopie anders weiter und ist demnach nicht mehr die selbe. Stirbt das Original aber, ist es unwiderruflich verloren, da alles andere – wie gesagt – nur Kopien sind.

Andererseits: Wir sind sowieso niemals in zwei Augenblicken genau der selbe Mensch, da sich unsere Gedanken, unsere Erfahrung, unsere Wünsche usw. mit jedem Augenblick ändern. Das ist im Grunde die Flusslehre Heraklits: "Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen."

Darüber meditieren ich werde ....
Geschrieben am 9. Februar 2013 um 18:09 Uhr
Xeno
Wenn du dir deine hier rausgesuchte Problematik mal verfilmt anschauen willst, schau dir mal den Streifen "The 6th Day" an. Jaja, Schwarzenegger und Actionstreifen, was soll da groß erleuchtendes Drin sein *g* Dennoch trifft der Film genau die Problematik, da es dort um >Klone< geht, was letztlich nichts anderes wäre, als das was du hier beschreibst ;)

Man kanns auch ganz anders erklären, da wir hier ja alle einen Computer haben:

Stell dir vor, deine Seele ist nicht in deinem Gehirn, sondern auf einer Festplatte gespeichert, als Datei. Jetzt wird dein Körper mitsamt seiner Festplatte und allem darauf enthaltenen Erinnerungen und Programmen zerstört, du wärst tot.
Glücklicherweise kommt da ein Übermechaniker an, der deinen Körper wieder zusammensetzen kann, und von irgendwo her eine Kopie deiner Seele herzaubert, eine 1:1 Kopie, vielleicht ein Backup, das kurz vor deinem Ableben angelegt wurde.
Es wird aufgespielt, und der reparierte Körper erwacht mit der neuen Datei zum leben, wärst das wirklich du? Oder wäre es nur eine Kopie deiner selbst, welche vielmehr wie ein 1 eiiger Zwilling wäre?
Denn... man könnte ja noch mehr Kopien deiner Seele anfertigen und in andere gleichartige Körper stecken, wärst das dann auch alles du oder nur weitere Kopien/Zwillinge/Klone?

Ich würde sagen, Kopien, denn dein originales Bewusstsein/Seele wurde am Anfang dieser Geschichte mitsamt der zugehörigen Festplatte/Gehirn geplättet :p

Du kannst ja mal ein paar Kopien von ein paar Datein anlegen, wären alle gleich, aber eben nur eine wäre das Original. Natürlich könnte dieses Original auch nur vor langer Zeit angelegte Kopie sein, wer weiss das schon ^.^

Tschau tschau
Geschrieben am 9. Februar 2013 um 17:47 Uhr