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Ein paar Worte zu den Zeugen Jehovas


Jeder kennt sie, fast jeder lacht über sie: Jehovas Zeugen, die unermüdlichen Verkündiger von Gottes Königreich, gemeinhin auch als gefährliche Sekte bekannt. Ich schreibe diese Zeilen, um einige Dinge klarzustellen und ins rechte Licht zu rücken.

Lektüre der Zeugen Jehovas (c) Lightwish.de
Lektüre der Zeugen Jehovas (c) Lightwish.de

Es ist noch nicht lange her, da hatte ich auf dieser Website einen Artikel, der gegen die Zeugen Jehovas wetterte, weil sie den Weg der Erlösung für sich allein pachten. Zu meiner Schande muss ich auch gestehen, dass ich aufgrund ihrer scheinbar kuriosen Überzeugungen schlecht von ihnen dachte. Ich habe ihre Ansichten verworfen, ohne jemals ernsthaft darüber nachzudenken. Die öffentliche Berichterstattung und die Meinung der Menschen in meinem Bekanntenkreis hat dazu geführt, dass Jehovas Zeugen viel zu voreilig in der Schublade "vom Satan" gelandet sind. Ich bitte demütig um Vergebung.

Fakt ist: Ich habe viel Schlechtes über Zeugen Jehovas gehört. Angeblich würden sie Aussteiger terrorisieren, ihre Kinder schlagen, die Weltherrschaft anstreben, jeden Spaß im Leben verbieten, und das ist erst der Anfang. Ich weiß nicht, inwiefern solche Anschuldigungen berechtigt sind und will darüber kein Urteil fällen. Mit Sicherheit gibt es auch solche und solche Zeugen Jehovas. Aber eines weiß ich: Meine persönlichen Erfahrungen mit ihnen sind durchweg positiv. Sie sind zuverlässig, immer höflich, geduldig, humorvoll, hilfsbereit und haben ein enormes Wissen über die Heilige Schrift. Seit ich mich genauer mit ihrer Lehre befasse, habe ich mindestens drei wertvolle Dinge von ihnen gelernt:

1. – Das "Paradies" wird nicht im Himmel, sondern auf einer erneuerten Erde sein.
2. – Es gibt keine ewige Höllenqual, sondern die Toten sind schlicht und einfach tot.
3. – Im hebräischen bzw. griechischen Urtext der Bibel steckt weniger Dreieinigkeit als in so manch deutscher Übersetzung. Ich sage nicht, dass dieses Dogma falsch ist – nur, dass wir es mit Vorsicht genießen sollten und sehr genau hinschauen müssen, was die Bibel eigentlich sagt.

Klar kann ich das alles nach wie vor nicht mit Gewissheit sagen. Aber wenn ich die Bibel ohne die theologische Brille der Kirche lese, komme ich ehrlicherweise zu diesem Schluss. Im übrigen habe ich persönlich an den Zeugen Jehovas wesentlich weniger auszusetzen als an der katholischen Kirche.

Das bedeutet nun nicht, dass ich völlig mit den Zeugen Jehovas sympathisiere. Es gibt auch Aspekte ihrer Lehre, die ich nicht unterstützen möchte. Beispielsweise die Tatsache, dass sie den Weg der Erlösung mehr oder weniger für sich beanspruchen. Oder dass sie Teile der Heiligen Schrift nicht zeitgemäß anwenden, sondern wörtlich und im Kontext einer 2000 – 3000 Jahre alten Welt sehen. Manches sehen sie auch mit geradezu pharisäischer Strenge und Gesetzlichkeit. Das führt dazu, dass sie Bluttransfusionen ablehnen oder Geburtstage nicht feiern. Aber wer weiß? Vielleicht liegen sie auch damit gar nicht so falsch.

So ist das nun mal: Jede christliche Vereinigung hat Stärken und Schwächen. Die einen legen mehr Wert auf die Taufe, die anderen weniger. Die einen schweben geradezu im heiligen Geist, die anderen sitzen ruhig da und studieren die Bibel. Wieder andere halten ihre Gottesdienste in protzigen Kirchengemäuern, andere beim BurgerKing. Man kann immer auf beiden Seiten vom Pferd fallen. Liebe Christen, lernt von den anderen christlichen Glaubensrichtungen, statt sie zu verlachen! Der Apostel Paulus gibt dazu eine wirklich simple Anleitung: "Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt." (1. Thessalonicher 5,21+22) Wer Jesus Christus als Sohn Gottes anerkennt, ihm nachfolgt und glaubt, dass er aus den Toten auferstanden ist, darf sich "Christ" nennen. Das sollte uns vereinen, alles andere sind – streng genommen – Detailfragen.

"Johannes sprach zu ihm: Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister in deinem Namen aus, und wir verboten`s ihm, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus aber sprach: Ihr sollt`s ihm nicht verbieten. Denn niemand, der ein Wunder tut in meinem Namen, kann so bald übel von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt deshalb, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unvergolten bleiben."
– Markus 9,38-41

Und das sage ich allen: Wenn das nächste Mal die freundlichen Bibelforscher an eurer Tür klingeln, seid höflich und hört euch wenigstens an, was sie zu sagen haben. Vielleicht bittet ihr sie sogar auf einen Kaffee herein. Ihr müsst ihre Lehre nicht annehmen. Möglicherweise liegen sie mit ihrer Überzeugung auch völlig daneben. Aber wehe denen, die über Zeugen Jehovas lachen, ohne ihnen wenigstens einmal ernsthaft zugehört zu haben.

Erstellt am 11. Januar 2014 um 16:36 Uhr von Xan
Kategorie: Theologie & Glaube
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Studiert Geschichte!


Mal wieder was zum Nachdenken:

"Wer nicht Geschichte studiert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Wer hingegen Geschichte studiert, ist dazu verdammt, hilflos dabeizustehen, während sie alle anderen wiederholen."

Erstellt am 09. Januar 2014 um 23:11 Uhr von Xan
Kategorie: Geschichte & Mythologie
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