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Denk die Wahrheit!


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Für die Predigt in einer Freien evangelischen Gemeinde habe ich ein Wallpaper entworfen, das zum Nachdenken über die Wahrheit anregen soll. Welche so genannten "Wahrheiten", die uns im Volksmund und der Werbung erzählt werden, glauben wir? Was sind getarnte Lügen und was ist wirkliche Weisheit?

Schreib' in die Kommentarbox, was deiner Meinung nach in unserer Welt die größte Lüge ist und was die größte Wahrheit!

Erstellt am 17. November 2016 um 17:49 Uhr von Xan
Kategorie: Theologie & Glaube
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Warum war Jesus nicht verheiratet?


Vor einiger Zeit wurde mir diese Frage gestellt. Ich möchte mich an einer Antwort versuchen, jedoch ausdrücklich mit der Bibel als Grundlage.

"Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci (1452-1519), Secco in der Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie in Mailand. Die Abbildung zeigt das Original vor der letzten Restaurierung.
"Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci (1452-1519), Secco in der Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie in Mailand. Die Abbildung zeigt das Original vor der letzten Restaurierung.

Die biblischen Manuskripte sind die frühesten und zuverlässigsten Dokumente, die wir über das Leben Jesu haben. (Siehe dazu mein Artikel: Ist die Bibel vertrauenswürdig?) Darum werde ich nicht auf viel spätere, apokryphe Manuskripte eingehen, wie z.B. das so genannte Philippus-Evangelium aus den Nag-Hammadi-Schriften (3. Jahrhundert n. Chr.) oder das Maria-Evangelium (ca. 160 n. Chr.). Beide enthalten Verse, aus denen man schließen könnte, dass Jesus ein Verhältnis mit Maria Magdalena hatte. Aber als historische Beweisgrundlage sind sie völlig wertlos (mehr dazu hier).

Auch das im Jahr 2012 bekannt gewordene "Evangelium der Frau Jesu", das eigentlich nur ein winziger Papyrus-Schnipsel ist, hat sich als moderne Fälschung entpuppt, vermutlich aus dem 8. Jahrhundert und mit der Intention, die Stellung der Frau zu bekräftigen. Darin heißt es in einer Zeile "[...] Jesus spricht zu ihnen: Meine Frau [...] sie wird für mich Jünger sein können und [...]". Das Fragment ist davor und danach abgerissen, man weiß also nicht einmal genau, in welchen Kontext die Aussage gehört. (Mehr dazu bei Wikipedia.)

Die biblischen Manuskripte erwähnen mit keinem Wort, dass Jesus verheiratet war. Seine Zeitgenossen waren in ihren Berichten sonst sehr genau, sie erwähnten sogar mehrfach und detailliert Jesu leibliche Geschwister und Maria, seine Mutter (Matthäus 12,46 und 13,55; Lukas 8,19; Johannes 7,1-5; Apostelgeschichte 1,14). Wären seine Jünger davon ausgegangen, dass Maria Magdalena seine Ehefrau war, hätten sie das gewiss erwähnt.

Um so mehr mag es überraschen, dass Jesus laut Bibel sehr wohl eines Tages heiraten wird. Wenn auch nicht so, wie wir uns das vorstellen. (Dazu später mehr.) Es gibt jedenfalls viele Gründe, warum er in seiner Zeit auf Erden gewiss weder Ehefrau noch Kinder hatte. Einer davon ist, dass die biblischen Berichte Jesus nicht als normalen Menschen, sondern als Sohn Gottes beschreiben. Damit stehen sie im krassen Gegensatz zu den späteren apokryphen Schriften, die Jesus all zu menschliche Verhaltensweisen andichten wollen.

Zwar hatte Jesus die Bedürfnisse von Menschen (Essen, Schlaf, Anerkennung, ...), aber er hat bewiesen, dass er der fleischlichen Natur trotzen konnte, als er 40 Tage ohne Nahrung in der Wüste wanderte und vom Satan persönlich auf die Probe gestellt wurde (Lukas 4,1ff). Da konnte er wohl auch sexuellen Bedürfnissen widerstehen.

Es wäre auch verantwortungslos gewesen, zu heiraten. Jesus kam auf die Erde, weil er eine Aufgabe zu erfüllen hatte, nämlich die Sünde der Menschheit zu tragen und am Kreuz zu sterben. Er wusste das von Anfang an (Markus 27,63; Matthäus 8,31). Hätte er sich wirklich von Frau und Kind ablenken lassen sollen, nur um dann im besten Alter zu sterben und eine Witwe zurückzulassen? Jesu Tod hat ja schon seiner Mutter beinahe das Herz gebrochen.

Außerdem hätte Jesus niemals eine ihm geistig ebenbürtige Frau finden können. Der Sohn Gottes hat schon existiert, als die Welt erschaffen wurde (Johannes 8,58), ist also tausende von Jahren älter als jeder Mensch. Schon allein deshalb ist er jedem von uns intellektuell weit überlegen.

Heiraten ist grundsätzlich eine sehr irdische Angelegenheit. Jesus selbst hat gesagt, dass am Tag der Auferstehung, in Gottes neuer Welt, niemand heiraten wird, und dass es auch die Engel im Himmel nicht tun (Matthäus 22,30; Markus 12,25). Vermutlich ist der Bund der Ehe mehr ein Zeichen oder Gleichnis im Diesseits, um gewisse Zusammenhänge des Jenseits zu erklären.

Tatsächlich hat sich Jesus mehrfach als Bräutigam bezeichnet, um den Menschen etwas zu erklären. Auf die Frage, warum seine Jünger nicht fasten, antwortete Jesus: "Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann werden sie fasten." (Matthäus 9,15) Damit spielte Jesus auf seinen Tod an.

Da der Gottessohn wie ein Opfertier sterben musste, wurde er häufig als "Lamm Gottes" bezeichnet (Johannes 1,29; Apostelgeschichte 8,32; 1. Petrus 1,19). Glücklicherweise blieb er nicht im Grab, sondern kehrte zurück von den Toten. Eines Tages wird er alle Menschen zu neuem Leben erwecken, und dann wird es ein "Hochzeitsfest" geben. Im Buch der Offenbarung steht geschrieben: "Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht" (Offenbarung 19,7). Jesus ist das Lamm, aber wen wird er heiraten? Dazu lesen wir zwei Kapitel später:

"Komm, ich will dir die Frau, die Braut des Lammes, zeigen! Und er [d.h. ein Engel] brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam, welche die Herrlichkeit Gottes hat. [...] Und einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn der Herr, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie in ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Heidenvölker, die gerettet werden, werden in ihrem Licht wandeln, und die Könige der Erde werden ihre Herrlichkeit und Ehre in sie bringen. [...] Und es wird niemals jemand in sie hineingehen, der verunreinigt, noch jemand, der Greuel und Lüge verübt, sondern nur die, welche geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes."
– Offenbarung 21,9ff

Am Ende der Welt, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, kommt also eine neue Stadt Jerusalem aus dem Himmel auf die Erde herab. Dieses neue Jerusalem ist die Braut, die Jesus (bildlich gesprochen) heiraten wird. Die Stadt symbolisiert wohl die gerechten Menschen, die fortan und bis in alle Ewigkeit mit Jesus vereint sein werden, wie in unserer Welt eine Frau mit ihrem Mann vereint ist.

Erstellt am 03. November 2016 um 12:15 Uhr von Xan
Kategorie: Theologie & Glaube
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