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Lohnt sich der Glaube?


"Die Erschaffung Adams", Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle, Michelangelo, um 1510
"Die Erschaffung Adams", Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle, Michelangelo, um 1510

Der katholische Philosoph Blaise Pascal versuchte mit seiner berühmten Pascalschen Wette nachzuweisen, dass es logisch betrachtet sinnvoll ist, an einen Gott (oder mehrere Götter) zu glauben. Die Wette ist allerdings kein Argument für die tatsächliche Existenz Gottes. Wer darüber Klarheit erlangen möchte, darf sich nicht fragen, ob Gottes Existenz persönliche Vor- oder Nachteile hätte.

"Angenommen es sei sicher, dass es Gott gibt oder ihn nicht gibt, und dass es keinen Mittelweg gibt. Für welche Seite werden wir uns entscheiden? [...] Lassen Sie uns ein Spiel spielen, bei dem es zu einer Entscheidung für Kopf oder Zahl kommt. Mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere versichern; mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere ausschließen. Verfallen Sie also nicht dem Irrtum, dass hierbei eine richtige Wahl getroffen werden könnte, denn Sie wissen nicht, ob Sie falsch liegen oder schlecht gewählt haben [...]

Sowohl wer sich für Kopf entscheidet, als auch wer sich für Zahl entscheidet, beide liegen falsch: Die Wahrheit kann nicht durch eine Wette entschieden werden, aber es muss gewettet werden. Es gibt keine Freiwilligkeit, Sie müssen sich darauf einlassen. Wenn Sie nicht wetten, dass es Gott gibt, müssen Sie wetten, dass es ihn nicht gibt. Wofür entscheiden Sie sich? Wägen wir den Verlust dafür ab, dass Sie sich dafür entschieden haben, dass es Gott gibt: Wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu zögern darauf, dass es ihn gibt."

– Blaise Pascal

Die Pascalsche Wette nimmt an, dass Glaube nichts kostet. Das allerdings ist subjektiv. Glaube kann sowohl Vorteile als auch Nachteile haben, und das hängt stark von unserem Gottesbild ab. Religiöse Dogmen könnten als Kosten für den Glauben betrachtet werden: Fasten, Geld spenden, Gebete sprechen, etc. Ob und was davon tatsächlich notwendig ist, steht freilich auf einem anderen Blatt. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass diese Pflichten erfüllt werden müssen, um in den Himmel zu kommen. Wenn wir den Gewinn des Himmels mit "unendlich" bewerten, ist es selbst bei enormen Kosten für den Glauben, die ja immer endlich sind, immer noch die bessere Entscheidung, an Gott zu glauben – sofern die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz größer ist als Null. Der Glaube würde sich trotzdem "lohnen".

Wie Pascal selbst sagte, kann die Wahrheit nicht durch eine Wette entschieden werden. Das stimmt. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserem Verstand sehr wohl entscheiden können, ob Gott existiert oder nicht. Nur wer sich aus Faulheit nicht den Kopf darüber zerbrechen möchte, sollte laut der Pascalschen Wette an Gott glauben, da es rational betrachtet die günstigere Entscheidung ist. Aber auch das entspricht gewiss nicht dem, was sich der Allmächtige von uns wünscht:

"Angenommen, es gäbe einen Gott, der uns beobachtet und darüber entscheidet, welche Seelen in den Himmel kommen, und Gott möchte den Himmel nur mit moralisch guten Menschen besiedeln. Er wird wahrscheinlich aus jenen Seelen auswählen, die eine bedeutende Anstrengung zur Enthüllung der Wahrheit geleistet haben. [...] Wenn Menschen ein Bewusstsein für das gute und schlechte Handeln haben, folgt daraus, dass sie auch ein Bewusstsein für Gut und Böse besitzen. Dieses Bewusstsein erfordert ein umfassendes Wissen über unser Universum, und zum Beispiel auch darüber, ob es Gott wirklich gibt. Diese Menschen kümmern sich darum, ihre Glaubensinhalte zu bestätigen, zu testen und letztendlich zu erfahren, ob ihr Glauben vermutlich korrekt ist oder nicht. Deshalb verdienen nur Menschen, die stets die Sittlichkeit ihrer Entscheidungen überprüfen, einen Platz im Himmel – außer Gott möchte den Himmel mit moralisch faulen, unverantwortlichen oder unzuverlässigen Menschen füllen. [...] Wenn jemand in den Himmel kommen möchte, muss er einige bedeutende Fragen klären – und dazu gehört auch diese: Existiert Gott?"
– Richard Carrier, "The End of Pascal`s Wager: Only Nontheists go to Heaven", 2002

Die ernsthafte Suche nach Gott ist also wesentlich wichtiger als pure Spekulation. Es geht hier nicht um Glücksspiel, nicht um das Abwägen von Vor- und Nachteilen, sondern um Wahrheit. Man kann und sollte mit dieser Wette niemandem zum Glauben "überreden". Denn ein auf Pascals Weise kalkulierender und spekulierender Mensch ist eigentlich nur scheinbar gläubig, und obendrein egoistisch, da er nur eiskalt berechnet und für sich den größten Gewinn erzielen möchte. Würden wir an Gottes Stelle einer solchen Person die unendliche Belohnung nicht zu Recht verwehren?

Wenn du ernsthaft die Wahrheit suchst, solltest du Gottes Existenz in Betracht ziehen – auch, wenn dir dieser Gedanke nicht in den Kram passt. Und dann gilt es, herauszufinden, wie dieser Gott ist. Es gibt nur eine Wahrheit, und die richtet sich nicht nach unseren Vorlieben.

Was bleibt noch zu sagen? Wer den Glauben an den Gott der Bibel als Last oder Unterdrückung betrachtet, hat etwas grundlegend falsch verstanden. Gott zwingt uns nicht in religiöse Verpflichtungen. Glaube sollte viel mehr eine freundschaftliche Beziehung zwischen Schöpfer und Schöpfung sein. Investiert man in gute Beziehungen nicht freiwillig Zeit und Kraft? Die positiven Nebeneffekte sind Freiheit, Sinn im Leben, ein Zuhause, Hoffnung, größer werdende Erkenntnis und nicht zuletzt das ewige Leben. Diese Entscheidung sollte in der Tat nicht schwer fallen.

Erstellt am 18. Februar 2013 um 11:44 Uhr von Xan
Kategorie: Theologie & Glaube
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Die Monster des Alltags


Zwei Monster des Alltags: Die Nostalgie und die Logik. (c) Monster-des-Alltags.de
Zwei Monster des Alltags: Die Nostalgie und die Logik. (c) Monster-des-Alltags.de

Nichtsahnend schlenderte ich durch die Stuttgarter Königstraße, da lauerten sie mir in einer dunklen Ecke auf: Die Monster des Alltags. In Scharen standen sie da, aufgereiht, fies grinsend, an einem Postkartenständer. Aber es sind seriöse Monster, die haben sogar eine Website. Dort heißt es:

Der Mensch als freier Geist, als Herr seines Denkens und Handelns ist leider nur eine schöne Illusion. Psychologie, Philosophie, Esoterik und nicht zuletzt die diversen Religionen haben hierfür zahlreiche Erklärungen vorgelegt – und ebenso viele Irrtümer. Vergessen Sie Ich, Über-Ich und Erbsünde, Archetypen, Karma und den Teufel: Hinter unseren Zwängen und Trieben, unserem Sein und Tun steckt niemand anders als die Monster des Alltags!

Ich wusste sofort, welches mein Monster ist:

logik, die
(lat. cognition rigida)
Die Logik ist fest überzeugt, dass sich mit nüchterner Überlegung jedes Problem exakt berechnen und effektiv lösen lässt. Sie bekämpft das Bauchgefühl und hegt ein tiefes Misstrauen gegen ungezügelte Emotionen. Ironischerweise sind es gerade diese, an denen die Logik meist scheitert.


Hinter den "Monstern" steckt viel mehr Wahrheit, als es auf den ersten Blick scheint. Jedenfalls kann ich bestätigen, dass jeder Mensch hin und wieder wie "ferngesteuert" handelt und scheinbar nicht weiß, was er tut. Dieses Phänomen war schon dem Apostel Paulus bekannt:

"... Ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt."
– Brief an die Römer, Kapitel 7,15-17

Sünde, Monster, ... das meint so ungefähr das selbe. Mit dem Unterschied, dass Paulus vor 2000 Jahren den Ernst der Lage besser getroffen hat. Denn letztlich verniedlichen die Monster des Alltags die Probleme unserer Welt.

Hier geht`s zum Bestiarium. Welches ist dein Monster?

Erstellt am 11. Februar 2013 um 15:00 Uhr von Xan
Kategorie: Philosophie & Grenzwissen
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Unsterblichkeit des Bewusstseins?


Wo liegt das Bewusstsein? (c) Gallo Images, www.thinkstockphotos.de
Wo liegt das Bewusstsein? (c) Gallo Images, www.thinkstockphotos.de

Haben Menschen eine unsterbliche Seele? Schwer zu sagen. Die Bibel lehrt jedenfalls nicht, dass nach dem Tod ein unsichtbarer, geistiger Teil unserer Selbst bestehen bleibt. Okay, es gibt zwei Geschichten, die darauf hindeuten könnten: Erstens das Gleichnis vom armen Lazarus, aber das ist und bleibt eben ein Gleichnis. Und zweitens die Geschichte der Totenbeschwörerin von Endor. Letztere mag ein Argument für eine unsterbliche Seele sein, aber eben nur eines, und schwer zu erklären obendrein. Ich werde bei Gelegenheit darauf zurückkommen. Die Gesamtaussage der Bibel ist trotz allem eindeutig: Wenn ein Mensch stirbt, dann ist er absolut tot.

"Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit."– Prediger 9,10

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass mit dem Tod alles vorbei ist. Laut der Heiligen Schrift gibt es trotzdem eine Auferstehung der Toten. (Egal, ob dich das nun erleichtert oder beunruhigt.) Um präzise zu sein: Am Ende der Zeit erhalten alle Menschen einen neuen Körper. Wenn Gott in der Lage war, einmal Menschen zu erschaffen, wird er das auch wieder hinbekommen. In gewisser Weise sind wir also unsterblich – wir existieren zumindest immer als Idee Gottes. Das ist vielleicht kein besonders erstrebenswertes Dasein, aber besser als nichts.

Natürlich ist es nicht damit getan, dass Gott uns einen neuen Körper baut. Um sagen zu können, dass ich in diesem neuen Körper stecke, muss der Allmächtige in erster Linie mein Bewusstsein wieder erschaffen. Aber dazu sollte man erst mal wissen, worin dieses Bewusstsein überhaupt besteht.

Mein erster Ansatz war: Erinnerungen sind das Bewusstsein. Ein Mensch, dessen Gehirn keine Erinnerungen aufzeichnet, ist sich seiner selbst wahrscheinlich nicht bewusst. Er kann eigentlich überhaupt nicht existieren; jedenfalls nicht lange, da er ohne jede Lernfähigkeit in der Welt nicht zurecht käme. Erinnerungen sind also maßgeblich am Bewusstsein beteiligt. Dummerweise (oder glücklicherweise?) kann man umgekehrt nicht sagen, dass das Bewusstsein nur aus Erinnerungen besteht. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber in meinem Kopf ist noch (mindestens) eine weitere Instanz, die die Erinnerungen bewertet und durchlebt. Der tiefste Teil meiner Selbst ist nicht die Erinnerung, sondern das, was sich erinnert. Diesen mysteriösen "Beobachter" nenne ich einfach mal Seele.

Gott müsste also meinen Körper und meine Seele mitsamt den Erinnerungen wieder erschaffen, vom Lebens-Geist mal ganz abgesehen, der gehört zur Standard-Ausrüstung. Dann könnte man diesen neuen Menschen als genau den selben Menschen bezeichnen, der ich vor dem Tod war. Soweit jedenfalls die Theorie. Doch in der Praxis stellt sich irgendetwas in mir dagegen.

Ich will es mal abstrakt formulieren: Das "neue Ich", das irgendwann in einem neuen Körper existieren wird, das wird natürlich wissen, dass es früher schon mal gelebt hat und dass es die Person ist, die ich jetzt bin. Schließlich hat der neue Mensch all meine Erinnerungen. Aber wie ist es umgekehrt? Werde wirklich ich der neue Mensch sein? Werde ich der selbe sein, oder nur der gleiche? Wenn meine Seele (was immer sie letztendlich auch sein mag) einmal vollständig vernichtet ist, wird sie dann je wieder als die selbe existieren können? Oder wird es zwangsläufig eine andere sein, selbst wenn sie noch so viele identische Erinnerungen hat?

Hm. Panta rhei.

Erstellt am 04. Februar 2013 um 14:08 Uhr von Xan
Kategorie: Philosophie & Grenzwissen
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Alles neu!


Wie man sieht, ist auf Lightwish.de mit dem Jahreswechsel fast nichts gleich geblieben. Es gibt ein schlichteres Layout mit weniger Boxen und Kasten. Die Website-Struktur basiert auf einem selbst gebastelten, super komfortablen Content Management System (von dem ihr da draußen natürlich nix merkt, außer ihr wollt hier mitmachen ;-))

Die Inhalte sind stark ausgedünnt (mein neues Lieblingswort) und komplett überarbeitet. Sehr viele Artikel haben auch neue Bilder dabei, aber einige befinden sich noch in Arbeit, die folgen dann ... irgendwann. Zuletzt gibt es eine neue Kommentarfunktion für alle Artikel. Also macht mal schön Gebrauch davon und gebt alle euren Senf dazu. Senf ist so nützlich.

Ich wünsche allen Besuchern ein wunderschönes, erholsames und segensreiches Jahr 2013. Ich blogge jetzt auch wieder regelmäßiger. Versprochen.

Danksagung

Ein großes Dankeschön gilt allen, die das neue Lightwish.de unterstützt haben:
– meiner lieben Frau, für viele erstaunliche Tips im Layout
– meinem Bruder, für das eine oder andere JavaScript
– unbekannterweise dem Webdesigner Ryan Fait für die Idee mit dem Sticky Footer
– einer Schachtel Schoko-Lebkuchen, die mich auch in den schwersten Momenten nie im Stich gelassen hat.

Erstellt am 05. Januar 2013 um 21:14 Uhr von Xan
Kategorie: Aktuell
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