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Das Buch der Jubiläen

Als Mose auf dem Berg Sinai die zehn Gebote von Gott empfing, soll dieser ihm auch die Geschichte von der Erschaffung der Welt und den Ereignissen danach berichtet haben.
Da bei der Schöpfung kein Mensch zugegen war, gibt es prinzipiell keine andere Erklärung für dieses Wissen. Das Buch der Jubiläen erzählt die Bibelbücher Genesis und Exodus weithin wörtlich nach und lässt zudem Überlieferungen aus der jüdischen Tradition einfließen. Weil die gesamte Geschichte darin präzise in Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrwochen (Zeitraum von 7 Jahren) und Jubiläen (Zeitraum von 49 Jahren) eingeteit ist, trägt das Werk auch den Namen "Buch der Einteilung". Niedergeschrieben wurde es erstmals um ca. 100 vor Christus. Passenderweise wird das Buch der Jubiläen auch "kleine Genesis" genannt und enthält hochinteressante Details, die in der Genesis selbst nicht vorkommen.[1] [2]

"...Und Gott sagte zum Engel des Angesichts: Schreibe für Mose auf von Anfang der Schöpfung, bis wann mein Heiligtum unter ihnen gebaut wird für alle Ewigkeit..."

Buch der Jubiläen, Kapitel 1,27

Erschaffung der Welt. Paradies und Sündenfall.
...Und am sechsten Tage machte er (Gott) alle Tiere der Erde und alles Vieh und alles, was sich auf der Erde bewegt. Und nach dem allem machte er den Menschen, einen Mann und ein Weib machte er; und er machte ihn zum Herrn über alles, was auf der Erde und was in den Meeren ist, und über alles, was fliegt, über die Tiere, über das Vieh, über alles, was sich auf der Erde bewegt, und über die ganze Erde. [...] Und es waren im Ganzen 22 Arten. [...] Zweiundzwanzig Häpter der Menschheit sind von Adam bis Jakob, und zweiundzwanzig Arten von Werken wurden gemacht bis zum siebenten Tage. [...] Und nachdem für Adam 40 Tage vollendet waren auf der Erde, wo er geschaffen war, brachten wir ihn in den Garten Eden, damit er ihn pflege und hüte; sein Weib aber brachten sie am 80. Tage, und darauf kam sie in den Garten Eden. [...] Und nach Ablauf der sieben Jahre, die er dort vollendet hatte, genau sieben Jahre, und zwar am 2. Monat, am 17 Tage, kam die Schlange und näherte sich dem Weibe (und verführte sie, vom verbotenen Baum zu essen.) [...] Und zur Zeit des Neumonds des vierten Monats gingen Adam und sein Weib aus dem Garten Eden heraus und wohnten im Lande Elda, im Land ihrer Erschaffung. [...] Und in der 3. Jahrwoche, im 2. Jubiläum, gebar Eva den Kain und in der 4. gebar sie den Abel und in der 5. gebar sie Awan, seine (Adams) Tochter. Und im Anfange des 3. Jubiläms tötete Kain den Abel, weil Gott aus seiner Hand das Opfer genommen, aus der Hand Kains aber seine Darbringung nicht angenommen hatte. [...]

Leben und Bedeutung Henochs
... Dieser nun (Henoch), ist der erste von den Menschenkindern, von denen, die auf der Erde geboren sind, der Schrift und Wissenschaft und Weisheit lernte und der die Zeichen des Himmels nach der Ordnung ihrer Monate in ein Buch schriebe, damit die Menschenkinder die Zeit der Jahre wüssten nach ihren Ordnungen je nach ihrem Monate. [...] Und was gewesen ist und was sein wird, sah er in einem Traumgesicht, wie es geschehen wird mit den Menschenkindern nach ihren Generationen bis zum Tode des Gerichts; alles sah und erkannte er und schrieb sein Zeugnis und legte es zum Zeugnis auf die Erde nieder für alle Menschenkinder und für ihre Nachkommen. [...] Und er war nun bei den Engeln Gottes sechs Jubiläen von Jahren, und sie zeigten ihm alles, was auf der Erde und in den Himmeln ist, die Herrschaft der Sonne, und er schrieb alles auf. Und er zeugte von den Wächtern, die mit den Menschentöchtern sündigten; denn jene fingen an, den Menschentöchtern beizuwohnen, so dass sie sich beschmutzten, und Henoch zeugte über sie alle. Und er ward weggenommen unter den Menschenkindern, und wir führten ihn in den Garten Eden zu Hoheit und Ehre und siehe, er schrieb dort das Gericht und das Urteil über die Welt und alle Bosheiten der Menschenkinder. Und seinetwegen brachte Gott die Sintflut über das ganze Land Eden; denn er war dort zum Zeichen gegeben [...] und damit er über alle Menschenkinder zeuge, damit er alles Tun der Generationen sage bis auf den Tag des Gerichts. Und er brachte im Hause des Heiligtums ein Räucheropfer dar, welches angenommen ward vor Gott auf dem Berge des Südens. Denn vier Orte auf der Erde gehörten Gott: der Garten Eden und der Berg des Ostens und der Berg Sinai, auf dem du heute bist, und der Berg Zion. [...]

Der Tod der ersten Menschen
Und am Ende des 19. Jubiläums in der 7. Jahrwoche in ihrem 6. Jahre starb Adam, und sie alle seine Kinder begruben ihn im Lande seiner Erschaffung, und er ist der erste, der in der Erde begraben ist. Und 70 Jahre fehlten ihm an 1000 Jahren. Denn 1000 Jahre sind wie ein Tag im Zeugnisse der Himmel; und deswegen steht geschrieben von dem Baum der Erkenntnis: An dem Tage, da ihr davon esst, werdet ihr sterben! Deshalb hat er die Jahre dieses Tages nicht vollendet, sondern ist an ihm gestorben. Am Ende dieses Jubiläums wurde Kain getötet ein Jahr nach ihm; sein Haus fiel auf ihn, und er starb mitten in seinem Hause und ward durch dessen Steine getötet; denn mit einem Stein hatte er Abel getötet, mit einem Stein wurde auch er getötet nach gerechtem Gerichte. [...]

Der Dämonenfürst Mastema
Und in der dritten Jahrwoche dieses Jubiläums begannen unreine Dämonen die Kinder der Söhne Noahs zu verführen und sie zu betören und zu verderben. Und die Söhne Noahs kamen zu Noah, ihrem Vater, und sprachen zu ihm von den Dämonen, die seine Kindeskinder verführten und blendeten und töteten. Und er betete vor Gott, seinem Herrn und sprach: [...] Erheben möge sich deine Güte über meine Kindeskinder, und die bösen Geister mögen nicht über sie herrschen, damit sie sie nicht verderben hinweg von der Erde. Und du weißt, wie deine Wächter, die Väter dieser Geister, in meinen Tagen gehandelt haben; und diese Geister, die im Leben sind - schließe sie ein und halte sie fest am Orte der Verdammnis, damit sie nicht die Kindeskinder deines Knechtes verderben, mein Gott. Denn schaurig sind sie und sind geschaffen, um zu verderben. [...] Und der Herr, unser Gott, befahl uns, dass wir sie alle binden sollten. Und der Fürst der Geister, Mastema, kam und sprach: O Herr, Schöpfer, lass einige von ihnen übrig vor mir, dass sie auf meine Stimme hören und alles tun, was ich ihnen sage; denn wenn nicht für mich einige von ihnen übrig bleiben, kann ich die Herrschafft meines Willens an den Menschenkindern nicht ausüben. Denn sie sind zum Verderben und zum Verführen vor meinem Gerichte; denn groß ist die Bosheit der Menschenkinder. Und er sprach: Es soll vor ihm der zehnte Teil von ihnen übrig bleiben, und neun Teile soll man hinabbringen an den Ort der Verdammnis.

Abrams Blick in die Sterne
...Und in der 6. Jahrwoche, in ihrem 5. Jahre, saß Abram bei Nacht, am Neumonde des 7. Monats, um die Sterne zu beobachten vom Abend bis zum Morgen, um zu sehen, wie es in diesem Jahr mit den Regenschauern sein werde, und er war allein, als er saß und beobachtete. Und ein Wort kam in sein Herz und sagte: Alle Zeichen der Sterne und die Zeichen der Sonne und des Mondes, alle sind in der Hand Gottes - wozu erforsche ich sie? Wenn er will lässt er Regen nicht herabkommen, und alles ist in seiner Hand. Und er betete in dieser Nacht und sprach: Mein Gott, höchster Gott, du allein bist mir Gott und du hast alles geschaffen, und deiner Hände Werk ist alles, was ist, und dich und dein Reich habe ich erwählt. Rette mich aus der Hand der bösen Geister, die über die Gedanken des Menschenherzens herrschen, und lass sie mich nicht in die Irre führen von dir hinweg, mein Gott, und mach, dass ich und mein Same in Ewigkeit nicht in die Irre gehen... [...] Und er vollendete die Rede und das Gebet, und siehe, das Wort Gottes ward durch mich zu ihm geschickt, indem er sprach: Komm du aus deinem Land und aus deiner Verwandschaft und aus dem Hause deines Vaters in ein Land, das ich dir zeigen werde, und ich werde dich zu einem großen und zahlreichen Volke machen. Und Gott, der Herr, sprach zu mir: öffne seinen Mund und seine Ohren, dass er höre und mit seinem Munde spreche in der Sprache, die offenbart wird; denn verschwunden ist sie aus dem Mund aller Menschenkinder seit dem Tage des Falls. Und ich öffnete seinen Mund und seine Lippen fingen an, auf hebräisch zu reden, in der Sprache der Schöpfung.

Verwendete Literatur

[1] "Apokryphen und Pseudoepigraphien zum AT", Emil Kautzsch, Hildesheim 1975
[2] "Die Apokryphen - Verborgene Bücher der Bibel", Erich Weidinger, Augsburg 1999


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