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Nahtoderfahrungen - Blicke ins Jenseits
"Er aber, voll des Heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sprach: 'Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.' Sie schrien aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn."
Die Bibel, Apostelgeschichte Kapitel 7,58 (Der Tod des Stephanus)
Einleitung
Nahtod-Erfahrungen oder auch NDE's (Near Death Experiences) stehen in der Liste der unerklärlichen Phänomene, über die am wenigsten nachgedacht wird, sehr weit oben. Seltsam, denn das Thema betrifft jeden Menschen, ohne Ausnahme. Der Tod ist da radikal. Es lohnt sich also, herauszufinden, was tatsächlich vor sich geht, wenn wir sterben.
Generell werden die Erfahrungen, die sterbende Menschen machen, in drei Kategorien geteilt: Bei Totenbett-Visionen sehen die Menschen häufig verstorbene Verwandte oder Heilige, die sie zu sich rufen, kurz bevor sie das Bewusstsein verlieren. Dagegen werden bei so genannten "Fear-Death-Experiences" die Betroffenen überhaupt nicht verletzt, realisieren jedoch, dass sie sich in höchster Lebensgefahr befinden. Dies führt zu einer maximalen Aktivierung des Körpers mit erhöhter Reaktionsgeschwindigkeit, was subjektiv wahrgenommen wird, als geschähe alles in Zeitlupe.[1] Die dritte Kategorie schließlich bezeichnet das, was allgemein als Nahtod-Erfahrung bekannt ist: Nämlich Dinge, die Menschen wahrnehmen, während ihr Körper bewusstlos erscheint oder sogar - nach eingehender medizinischer Untersuchung - für mausetot erklärt wurde. Meist nehmen die Sterbenden solche Situationen von einem Punkt außerhalb ihres Körpers wahr und blicken sozusagen auf sich herab:
"Dann habe ich die ganze Situation von oben gesehen und bin über das Gelände geschwebt. Ich habe vier Soldaten gesehen, die sich an mir zu schaffen machten. Sie haben mich getreten und weggetragen."
An der DDR-Grenze angeschossener Flüchtling, 1973, Wikipedia.de / Nahtod-Erfahrung
Dass wir überhaupt davon wissen können, verdanken wir der Tatsache, dass hin und wieder Menschen durch Reanimation oder sonstige Begebenheiten "zurückgeholt" werden.
Erfahrungs-Inhalte
Nahtodeserfahrungen weisen die Eigenschaften mystischer Erfahrungen auf: Transzendenz von Raum und Zeit, tief empfundene positive Stimmung, Gefühl der Heiligkeit, der Objektivität und Realität, Unaussprechlichkeit, Paradoxie sowie anhaltende positive Veränderung in Einstellung und Verhalten. Damit sind Nahtodeserlebnisse die häufigsten mystischen Erfahrungen überhaupt. Vereinzelt berichten Personen auch von "negativen NDE's", in denen sie sich plötzlich in einer unheimlichen Dunkelheit befanden oder davon ausgehen, in der Hölle zu sein.
"Mindsight" - Sehen durch den Geist
Während ehemals Blinde, die durch eine Staroperation wieder sehen können, erst einmal lernen müssen, die gesehenen Bilder auszuwerten, erkennen Blinde während einer außerkörperlichen Erfahrung sofort, was sie sehen. Wie Sehende, machen auch Blinde dabei überprüfbar richtige Beobachtungen.[2] Auf Long Island beschrieb eine siebzigjährige Frau sehr genau und anschaulich, was um sie herum passierte, als die Ärzte sie nach einem Herzanfall reanimierten. Diese Frau war seit ihrem achtzehnten Lebensjahr blind. Sie konnte nicht nur beschreiben, wie die angewendeten Instrumente aussahen, sondern sogar ihre Farbe angeben. Sehr erstaunlich war, dass es die meisten dieser Instrumente noch gar nicht gab, als diese Frau vor über fünfzig Jahren das Augenlicht verlor. Und die Krönung war, dass sie sogar wusste, dass der Arzt einen blauen Anzug anhatte, als er mit der Reanimation begann.[3]
Kulturelle oder religiöse Hintergründe
Generell kann man sagen, dass NDE's bei Menschen aller Altersgruppen in allen Kulturen und Weltanschauungen auftreten, auch wenn die Zahlen etwas schwanken. Ein immer wiederkehrendes Element in NDE's ist der berühmte Lichttunnel. Häufig werden sterbende Menschen von bereits toten Verwandten oder Engeln "abgeholt" und gehen mit ihnen durch diesen Tunnel, an dessen Ende dann eine unaussprechliche Lichtgestalt wartet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang: In der absoluten Mehrheit solcher Erscheinungen erkennen die Betroffenen darin Jesus Christus, und zwar unabhängig davon, ob sie zuvor bereits Christen waren oder nicht. "I knew right away that it was Jesus. I knew by his eyes" sagte beispielsweise der zehnjährige Randy Gehling nachdem er aus dem Koma einer Operation erwacht war.[4] Menschen, die ein Nahtodeserlebnis hatten, glauben außerdem dauerhaft stärker an ein Leben nach dem Tod. Eine interessante Ausnahme bilden Muslime. Berichte von NDE's bei Muslimen sind tendenziell eine Rarität, denn nach der Lehre des Islam schlafen die Toten bis zum Tag der Auferstehung und haben davor weder Zutritt zum Paradies noch zur Hölle. Ein Muslim, der berichtet, im Zuge einer NDE eine Art Lichttunnel, Gott, verstorbene Verwandte oder gar das Paradies gesehen zu haben, würde also faktisch Blasphemie begehen.[5] Sollten bei Muslimen genau so häufig NDE's auftreten wie bei Menschen anderer Religionen oder Kulturen, dann gehen sie damit jedenfalls nicht hausieren. Bemerkenswert ist, dass es gelegentlich Berichte von Muslimen gibt, in denen sie während einer NDE Jesus gesehen haben - und nicht den Propheten Mohammed.[6]
Halluzination und Einbildung?
Was liegt für den eifrigen Kritiker nun näher, als darauf zu spekulieren, dass NDE's nur Einbildungen eines verwirrten menschlichen Gehirns am Rande des Todes seien? Es wäre schließlich möglich, dass das Gehirn angenehme Vorstellungen ins Bewusstsein projiziert, um die Grausamkeit der mit dem Tod verbundenen Umstände zu überdecken. Auf diese Weise würden Personen nur die Dinge vor ihrem sprichwörtlich "geistigen Auge" sehen, die sie erwarten oder sich wünschen. Gegen diese Theorie steht jedoch der Fall Pam Reynolds.
Der Fall Pam Reynolds
Pam Reynolds, eine junge amerikanische Lehrerin, hatte ein Aneurysma in ihrem Gehirn. Das große Blutgerinsel lag so tief, dass man mit herkömmlichen chirurgischen Methoden nicht herankommen konnte. In höchster Lebensgefahr entschloss sie sich, einem Chirurgenteam zu vertrauen, das Pionierarbeit auf dem Gebiet eines waghalsigen chirurgischen Verfahrens geleistet hatte, dem so genannten hypothermischen Herzstillstand. Bei einem solchen Eingriff wird die Körpertemperatur auf 15,5 Grad Celsius gesenkt. Herzschlag und Atmung kommen zum Stillstand. Das Blut fließt aus dem Kopf ab, die Gehirnwellen sinken auf einen Nullzustand. Mit anderen Worten: Der Patient wird praktisch in einen tod-ähnlichen Zustand versetzt, bevor der Eingriff beginnt.
Unaussprechliche Erfahrungen
Als die Operation erfolgreich beendet und die Patientin sozusagen ins Leben zurückgeholt worden war, erzählte Pam Reynolds ihrem Chirurgen, dass sie während der Operation "mit einem Pop" ihren Körper verlassen habe und zunächst über dem Operationstisch geschwebt sei. Dann habe sie sich auf seiner Schulter niedergelassen und von dort aus der Operation zugeschaut. Bis dahin konnte man Pam Reynolds Erzählung als Spinnerei abtun. Aber dann berichtete sie, dass der Arzt "mit einer Säge, die wie eine elektrische Zahnbürste aussah" ihre Schädeldecke geöffnet habe. Tatsächlich sah die Knochensäge genau wie eine elektrische Zahnbürste aus. Pam schilderte den Operationsverlauf in vielen Einzelheiten. Während die Monitore, die an ihren Körper angeschlossen waren, die totale Leblosigkeit ihres Organismus anzeigten, hörte sie, was die Ärzte und Schwestern während der Operation sagten. Und sie konnte diese Dialoge später wörtlich wiedergeben. Über diesen Fall berichtete bereits ein "BBC-Special", eine jener berühmten Fernsehdokumentationen des britischen öffentlichen Rundfunks, die wegen ihrer sorgfältigen Recherchen weltweit hohes Ansehen genießen. In der Sendung wirkte Pam Reynolds überhaupt nicht wie eine Spinnerin. (Auf der Videoplattform YouTube kann sich jeder selbst ein Urteil fällen.) Es fiel ihr allerdings nicht leicht, das Ungreifbare ihrer Erfahrung in Worte zu fassen. Sie hatte sich in einer Dimension bewegt, die unser Vorstellungsvermögen - und damit auch unser begriffliches Denken - überfordert.[7]
Die Essenz des Bewusstseins
Pam Reynolds' Fall ist deshalb so aufregend, weil sich ihre NDE unter klinischen Bedingungen und ärztlicher Kontrolle ereignet hat. Es waren die Ärzte, die ihren klinischen Tod herbeiführten. Ihr Gehirn wurde unter ärztlicher Kontrolle außer Betrieb gesetzt. Es kann also kein Zweifel daran bestehen, dass ihr Körper und ihr Geist ausser Funktion gesetzt worden sind. Trotzdem hat sie Eindrücke aufgenommen und diese nach ihrer Rückkehr ins Leben auch formuliert. Sollte unser Bewusstsein womöglich ein eigenständiges Phänomen sein, das ausserhalb des Gehirns funktioniert? Wissenschaftlich lässt sich das bisher nicht erklären. Die meisten Neurologen und Neurobiologen gehen davon aus, dass das Bewusstsein ein Bestandteil des Gehirns ist und dass folglich bei Gehirn-Stillstand keine Sinneseindrücke möglich sind. Das ist die eigentliche Sensation des Falles Pam Reynolds.
Meinungen der Wissenschaft
Was sagen nun Experten dazu? Pim van Lommel ist ein niederländischer Kardiologe, der sein Medizinstudium 1971 abschloss und bis 2003 in diesem Beruf arbeitete. Er führte in den Jahren 1988 bis 2001 zusammen mit einigen Kollegen eine prospektive Studie über Nahtodeserfahrungen durch. Etwa zwei Jahre später spekulierte van Lommel darüber, dass das Bewusstsein in elektromagnetischen Feldern gespeichert sein könnte, die im Körper, dem Empfang eines Radiosenders im Radio ähnlich, durch ein funktionsfähiges Gehirn dem Wachbewusstsein zugänglich gemacht würden. Wenn das Gehirn dann funktionsunfähig wird, würde das Bewusstsein weiterbestehen, aber den Körper verlassen, entsprechend dem kaputten Radio, das den Sender nicht mehr empfangen kann. Dieser Zustand erinnert stark an das Gedankengut von Seele und Geist.
Der Bericht von Ian McCormack
Weil die Beschreibungen der Bibel mit vielen Elementen einer NDE übereinstimmen, betrachten zahlreiche Christen diese als Beweis für ihren Glauben. Ich musste jedoch feststellen, dass die Wahrheit jeglicher dogmatischer Vorstellung spottet. Ein sympathischer, ruhiger Neuseeländer namens Ian McCormack berichtete während eines Vortrags glaubhaft von sprichwörtlich unglaublichen Dingen.[8] Es schien mehr eine "Nach-Todeserfahrung" als eine Nah-Todeserfahrung zu sein. Ich will versuchen, es in meinen Worten wiederzugeben:
Als 26-Jähriger bestand Ian McCormacks Leben aus Sex, Drugs, Rock'nRoll und Tauchen. Bei einem seiner Tauchgänge auf Mauritius wurde er von einer extrem giftigen Qualle gestochen. Fünf Mal. "Ein Stich, und du bist tot" hieß es. Obwohl niemand bei ihm war, hörte Ian auf dem Weg ins Krankenhaus eine deutlich vernehmbare Stimme: "Wenn du die Augen zumachst, wachst du nie wieder auf". Er erinnerte sich, was ihm früher seine Mutter gesagt hatte: "Wenn du irgendein ernstes Problem hast, dann rufe nach Gott." Das Vater Unser kam ihm in den Sinn. Zum ersten Mal betete er aus ganzem Herzen und flehte zu Jesus um Rettung. Im Krankenhaus angekommen maß die Krankenschwester zweimal den Blutdruck, konnte aber keinen Pulsschlag finden. Er hatte einen Kollaps erlitten. Die Ärzte versuchten, mit Gegengift- und Dextrose-Injektionen Ians Leben zu retten, doch anscheinend vergeblich. Innerhalb von nur wenigen Minuten war er ihnen entglitten - ungefähr 15 Minuten lang war kein Lebenszeichen festzustellen.
Existieren im Jenseits
Als er die Augen schloss, war es stockfinster um ihn her. Er suchte nach einem Lichtschalter, fand aber keinen. Dann suchte er nach Wänden, fand aber keine. Wann immer er sein Gesicht anfassen wollte, schienen seine Hände "durch ihn hindurch" zu gleiten. Er verglich es mit Kriegsveteranen, die an amputierten Gliedmaßen gelegentlich noch Phantom-Schmerzen haben. Er war mit seinem Bewusstsein an diesem Ort, aber er konnte weder sehen noch fühlen. "Ist das die Hölle?" fragte er, während ihn ein kaltes Gruseln überkam. Er hatte gar nichts gesagt. Er hatte nur gedacht; aber seine Gedanken waren an diesem Ort bereits Worte. Allmählich hörte er aus der Dunkelheit männliche Stimmen, die ihn anschrieen: "Halts Maul!", und dass er es verdiene, hier in der "Hölle" zu sein. Dann kam ein glänzender Lichtstrahl und begann, ihn nach oben zu ziehen. Er fühlte sich davon angezogen und wurde wie ein Stäubchen in einem Sonnenstrahl nach oben getragen. Und je mehr das Licht ihn anstrahlte, desto mehr wurden die Formen und Konturen seines Körpers sichtbar, als ob er komplett aus Licht bestünde. Es folgte ein tief gehendes Gespräch mit Jesus Christus, und dann wachte Ian in der Leichenhalle des Krankenhauses auf. Sein Leben würde von diesem Augenblick an nie mehr das selbe sein. Selbst mir als Zuhörer kamen die meisten Dinge im Leben mit einem Mal so entsetzlich bedeutungslos vor.
Theologische Deutung
Halten wir fest: Ian hatte mit dem Christentum nichts zu tun, er kannte lediglich ein paar Details, die ihm seine Mutter früher beibrachte. Vieles von dem, was er erlebte, verwunderte ihn selbst zutiefst. Dennoch hatte er im Tod die Gelegenheit, seine Sünden zu bereuen und vor Jesus Buße zu tun. Es ist schon interessant: Viele Menschen merken gar nicht, dass sie tot sind. Sie werden durch das Loslösen vom Körper nicht zu "Übermenschen", sondern haben immer noch genau denselben Charakter und genau das selbe Wissen wie zuvor. Und damit bleibt auch im Tod die Haltung eines Menschen gegenüber Gott erhalten. Wer Gott stets verleugnet und Jesus gegenüber nur verbittert war, wird das möglicherweise auch im Tod nicht ablegen können und somit keine Möglichkeit haben, seine Sünden ernsthaft zu bereuen. Theorien wie diese stimmen nicht mit den Dogmen der Kirche überein, stehen aber auch nicht im Widerspruch zur Bibel, in welcher Jesus sagt: "Niemand kommt zum Vater als nur durch mich."[9] Genau so verhält es sich auch mit der "Hölle", die laut Ian McCormack kein Feuersee ist, sondern ein Ort der Dunkelheit, an dem Individuen einfach nur "sind", mehr nicht. Erst durch Jesus, der selbst das Licht ist, bekommen wir im Jenseits eine Gestalt, durch die unser Bewusstsein sehen und fühlen kann. Wenn wir von ihm angestrahlt werden, leben wir. Und zwar in einer ganz anderen Qualität als in dieser Welt.
"...Ich hörte nicht mit meinen Ohren. Es war ein viel klareres Hören als das Hören mit meinen Ohren. Und ich vertraue ihm mehr als meinem physischen Gehör."
Pam Reynolds, www.sterbeforschung.de
Abschließende Folgerungen
Im Endeffekt haben wir nur zwei Möglichkeiten, mit Menschen umzugehen, die von einer NDE berichten: Entweder sind sie inklusive der Ärzte hochgradige Heuchler und Lügner (das wäre allerdings eine ziemlich große Menge unabhängiger Lügner), oder sie sagen alle die Wahrheit. Eine Alternative gibt es nicht. Die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.
Verwendete Literatur
| [1] | Michael B. Sabom, "Erinnerung an den Tod", Goldmann-Verlag, 1989 |
| [2] | Kenneth Ring & Sharon Cooper, "Mindsight. Near Death experiences in the Blind", März 2008 |
| [3] | Raymond A. Moody, "Das Licht von Drüben", Rowohlt-Verlag, 1999 |
| [4] | "Nothing Better Than Death", Kevin Williams, Xlibris-Verlag, 2002 |
| [5] | Koran, z.B. Kapitel 6, Sure 103 |
| [6] | www.shia-forum.de / Boardsuche nach "Nahtod" |
| [7] | www.sterbeforschung.de / Pam Reynolds |
| [8] | Ian McCormack, Vortrag im Januar 2011, auch: www.aglimpseofeternity.org |
| [9] | Evangelium nach Johannes, Kapitel 14,6 |
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Letztes Update:
» 03.01.2012 um 19:37 Uhr
Inhaltsverzeichnis
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