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Inception - Du wartest auf einen Zug...

"Sie hat etwas weggesperrt, etwas tief in ihr. Eine Wahrheit, die sie einmal gekannt, aber mit Absicht vergessen hatte. Der Limbus wurde zu ihrer Wirklichkeit."

Dominic Cobb

Regisseur James Nolan führt den Wahrheit suchenden Kinobesucher auf eine komplexe Reise in die tiefen Geheimnisse eines jeden Unterbewusstseins.[1] Den "Limbus" nennt er dessen tiefste Ebene, in den Menschen fallen, die im Traum sterben - aber zu betäubt sind um aufwachen zu können. Eine Art Zwischen-Bewusstsein also, ähnlich der katholischen Lehre von der Welt zwischen Himmel und Hölle, an der sich Menschen befinden, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind. (Das betrifft angeblich Ungetaufte, die als Babys gestorben sind). Wie dem auch sei - in "Inception" existieren Menschen an diesem surrealen Ort ohne Fluchtmöglichkeit - gleich einem Wachkoma - bis sie Wahrheit von Traum nicht mehr unterscheiden können, dann aber nach Jahrzehnten doch endlich aufwachen - als alte Seelen, die einfach so in die Realität zurückgeworfen werden.

Ein einfacher, kleiner Gedanke
Ganz allgemein stößt der Film schwerwiegende psychologische Fragen an: Wie arbeitet das Unterbewusstsein? Gibt es wahre Inspiration? Und nicht zuletzt: Ist unsere Welt wirklich die Realität, oder träumen wir nur? Die Story ist richtungsweisend, lässt die entscheidenden Antworten aber gezielt offen, schließlich sollen wir ja alle unsere eigenen kleinen Gehirne benutzen. Wenn Dominic Cobb, einer der Traumreisenden Ganoven, wissen möchte ob er gerade schläft oder wacht, dreht er einen kleinen Kreisel. Von diesem "Totem" weiß er, dass er sich in seinen Träumen einfach immer weiter drehen würde ohne umzufallen. Ein Paradoxon dieser Art scheint im Traum völlig normal zu sein, nicht jedoch wenn man es sich gezielt merkt und routiniert in Frage stellt. Diese Methode wird auch von so genannten Klarträumern dazu benutzt, um einen luziden Traum zu erzeugen - also einen Traum, in dem sich der Träumer bewusst ist, dass er träumt. Sollte der Kreisel also nicht umfallen, würde Cobb sich erschießen und anschließend aufwachen. Nun ist die Frage: Woran können wir erkennen, ob wir möglicherweise träumen? Wo wir doch so sicher sind, dass wir es nicht tun?

"Nun, Träume fühlen sich doch real an während wir sie träumen. Erst wenn wir aufwachen, fällt uns auf, dass irgendetwas seltsam war."

Dominic Cobb

"Irgendwann hat sie mir die Wahrheit gesagt. Sie war besessen... von einem Gedanken. Dieser eine, sehr einfache Gedanke. Der alles verändert hat: Dass unsere Welt nicht real ist. Dass sie nur aufwachen müsste, um in die Realität zu gelangen..."

Dominic Cobb

Aufwachen
Sollten wir uns also in einem Traum befinden, so viele Jahre schon, dass wir die Realität vergessen haben - wie könnten wir uns da überwinden, endlich aufzuwachen, wo wir doch so an unserem Leben hängen? Die einzige Möglichkeit wäre, dass wir uns umbringen. Leider gibt es da ein klitzekleines Problem: Sollten wir tatsächlich wach sein, würden wir uns mit einem Selbstmord erst recht schlafen legen... Es handelt sich also um den Klassiker: Eine Frage der Überzeugung, oder eine Frage des Vertrauens:

"...Wenn ich es tun würde - wenn ich es überhaupt tun könnte - dann bräuchte ich eine Garantie. Woher weiß ich, dass sie liefern können?"

Dominic Cobb

"Gar nicht! Aber ich *kann* es. Also. Können Sie sich vorstellen, mir blind zu vertrauen? Oder wird aus Ihnen ein alter Mann? Voller bedauern... der allein auf den Tod wartet?"

Saito

Dieses blinde Vertrauen, zu dem wir alle aufgefordert werden, zeigt sich auf äußerst dramatische weise bei Mal, der Frau Cobbs, als sie sich umbringt. Hilflos muss Dominic Cobb im Film mit ansehen, wie sich Mal aus einem Hochhaus stürzt, um endlich aufzuwachen. Sie tut es aus Liebe, denn ihre unvollkommene Traum-Familie genügt ihr nicht mehr. Sie möchte zurück zu ihrem wahren Mann, ihren wahren Kindern. Aus der Sicht ihres Mannes jedoch ist es kein Traum. Und kein Argument der Welt kann sie mehr von ihrer Überzeugung abbringen.

"Du wartest auf einen Zug. Einen Zug, der dich weit weg bringen wird. Du weißt, wohin der Zug dich hoffentlich bringen wird. Aber du bist dir nicht sicher. Aber das ist dir nicht wichtig. Weil ihr zusammen sein werdet."

Mal

Der Tod erscheint uns so fürchterlich und endgültig, weil wir so sehr auf unsere Welt fixiert sind. Und weil wir nicht sehen, wie unsere Freunde, wenn sie hier sterben, möglicherweise in einer anderen Welt aufwachen. Unsere Realität wird ihnen dann verschwommen und belanglos erscheinen, so schnell durchlebt wie ein paar Minuten. Natürlich ist es unklug, sich umzubringen nur um schnell wieder aufzuwachen, denn wir könnten ja tatsächlich wach sein oder gar im Limbus landen. Aber wenn wir uns der Tatsache bewusst sind, dass wir träumen, wirft das ein gänzlich anderes Licht auf unser Leben. Der Tod wäre überbewertet und wir hätten ganz andere Perspektiven. Uns wäre nicht mehr das wichtig, was im Traum geschieht, sondern das, was passiert wenn wir aufwachen. Wir müssten nicht mehr trostlos von einem Tag zum nächsten Leben und letzten Endes nur auf unseren Tod warten.

"Das ist unmöglich... Als wir uns kannten, waren wir beide jung... Ich bin ein alter Mann."

Saito

"Voller bedauern..."

Dominic Cobb

"Der allein auf den Tod wartet."

Saito

"Ich wollte sie an etwas erinnern, das sie früher wussten... dass diese Welt nicht real ist. [...] Kommen Sie zurück, damit wir zusammen wieder junge Männer sein können... Kommen Sie mit mir zurück... Kommen Sie zurück..."

Dominic Cobb

Was wäre, wenn der Tod tatsächlich nicht das Ende ist?

Verwendete Literatur

[1] "Inception", Christopher Nolan, Juli 2010


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Saito und Mal im Film "Inception" von Christopher Nolan
Letztes Update:
» 05.02.2012 um 17:22 Uhr

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