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The Book of Eli

"Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, ..."

Book of Eli, Psalm 23,4

Im Jahr 2044 versucht der einsame Held Eli, ein geheimnisvolles Buch quer durch die völlig verwüsteten und nur vereinzelt bewohnten USA an die Westküste zu bringen.[1] Dieses Buch ist die Bibel, von der manche sagen, dass der Krieg erst durch sie ausgelöst wurde. Etwa ein Jahr nach dem "hellen Blitz", der alles vernichtete, fand Eli, einer inneren Stimme folgend, das letzte Exemplar der Bibel. "Dreißig Winter" ist er seitdem unterwegs und liest jeden Tag. Der aufmerksame Kinobesucher rechnet natürlich zurück und kommt sogleich auf das Apokalypse-Datum 2012, eine nette Anspielung auf Roland Emmerichs Katastrophenfilm "2012" und das Ende des Maya-Kalenders zu dieser Zeit. Ein postapokalyptisches Szenario, gepaart mit religiöser Romantik. Carnegie, der Despot einer kleinen, überwiegend aus kriminellen Motorradbanden bestehenden Wüstenstadt, will Elis Bibel in seinen Besitz bringen.

"Warum willst du es haben?"

(Eli)

"Ich bin damit aufgewachsen. Ich kenne seine Macht. Und wenn du es gelesen hast, kennst du sie auch. Deshalb haben sie sie nach dem Krieg auch alle verbrannt."

(Carnegie)

"Beschissenes Buch."

(Redrige)

"Das ist kein beschissenes Buch! Es ist eine WAFFE! Eine Waffe, die direkt auf das Herz und den Verstand der Schwachen und Verzweifelten zielt, damit können wir sie kontrollieren! Wenn wir über mehr als eine kleine beschissene Stadt herrschen wollen, dann müssen wir es haben! Die Menschen werden genau das tun, was ich ihnen sage, wenn es die Worte aus dem Buch sind. Das gab es schon mal. Und es wird wieder funktionieren."

(Carnegie)

Ob hier wohl jemand an die dunklen Kapitel der Kirchengeschichte im Mittelalter denkt, wo der Glaube politisch missbraucht wurde?

Eli, dem fast unbesiegbaren Einzelgänger, gelingt es nach mehreren Kämpfen, Carnegie zu entkommen und die Insel Alcatraz zu erreichen. Hier, auf der ehemaligen Gefängnisinsel, hat sich die Keimzelle einer neuen Zivilisation etabliert, die verlorenes Wissen wieder zu erwerben versucht. Eli hat das Buch zwar an seinen Gegner Carnegie verloren, doch der muss entdecken, dass ihm sein Raub nichts nutzt: Das Exemplar ist in Blindenschrift geschrieben. Carnegies illegitime Macht zerbricht, die Stadt zerfällt. Eli dagegen konnte die Blindenschrift lesen und den gesamten Inhalt der Bibel im Laufe der Jahrzehnte auswendig lernen. Auf Alcatraz beginnt er nun, den Text zu diktieren. Die Tatsache, dass er nicht selbst schreibt, sondern diktiert, sowie ein Kameraschwenk auf seine Augen, lassen den Zuschauer vermuten, dass Eli blind ist und von Gott geleitet (wie er selbst immer wieder betont) den gesamten Kontinent durchquert und alle Feinde besiegt hat.

Schließlich wird die aufgeschriebene Bibel gedruckt und in ein Regal stellt - neben den Koran und Bücher unterschiedlichster Religionen. Damit wird sie auf eine Stufe mit jedem anderen moralischen, religiösen Text gestellt. Ein tragischer Irrtum.

Die Verzerrung der biblischen Botschaft im Film wird besonders dadurch deutlich, dass die Hauptperson der Bibel, Jesus Christus, gar nicht erwähnt wird. Er würde auch nicht zu dem Vorurteil passen, welches sagt, dass die Bibel die Menschheit unterdrücken würde. Er war kein Herrscher oder Kriegstreiber, er hat nie in den Metropolen der Welt gepredigt, sondern zog durch die steinige Landschaft der römischen Provinz Judäa. Trotzdem prägte er die Menschheitsgeschichte wie kein anderer Mensch. Seine Worte hallen durch die Jahrhunderte und verändern bis heute die Leben vieler Menschen:

"Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele."

(Book of Eli, Evangelium nach Markus, Kapitel 10,45)

"Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben."

(Book of Eli, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 11,28)

Seine Sünden vergeben zu bekommen und seinen Schöpfer kennen zu lernen, darum geht es in dem Buch. Die positive Auswirkung auf die Gesellschaft ist nur ein Nebeneffekt. Mit unbeantworteten Fragen, religiösen Inhalten und Weltuntergangsstimmung bedient der Film das Verlangen des Publikums, doch die Bibel lässt er weiterhin im Regal verstauben.[2]

Verwendete Literatur

[1] "The Book of Eli", Albert & Allen Hughes, Februar 2010
[2] Soulsaver.de


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Dencel Washington im Film "The Book of Eli" von Albert & Allen Hughes
Letztes Update:
» 06.01.2012 um 18:01 Uhr

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