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Letzte Änderung: 13. Oktober 2015 um 12:49 Uhr

Brad Pitt als Achilles im Film "Troja" von Wolfgang Petersen


Troja – Achilles und der Tod

"Uns Menschen verfolgt die schier unermessliche Ewigkeit. Und so fragen wir uns: Werden unsere Taten die Zeiten überdauern? Werden Menschen unsere Namen hören, lange nachdem wir tot sind, und sich fragen, wer wir waren? Wie tapfer wir kämpften? Wie leidenschaftlich wir liebten?"– Odysseus

Wenn wir Wolfgang Petersens Version von Homers "Ilias" Glauben schenken, haben sich die Menschen schon 1200 Jahre vor Christus ernsthafte Gedanken über den Tod und den Sinn in einem vergänglichen Leben gemacht.[1] Vielleicht sogar noch viel mehr als wir heute. Wir werden vom Leben so sehr abgelenkt und beansprucht, dass wir nicht mehr über das Ende nachdenken. Der Grieche Achilles galt zwar als unbesiegbar, aber er war sich sehr wohl bewusst, was nach dem Tod auf ihn wartet. Dadurch wusste er als Soldat das Leben mehr zu schätzen als viele Könige in ihren prunkvollen Palästen.

Achilles kämpft, um sich einen Namen zu machen. Für ihn ist die Unsterblichkeit erreicht, wenn er als großer Held in die Geschichtsbücher eingeht und sein Name somit nicht in Vergessenheit gerät. Und selbst, wenn er nach seinem Tod nichts mehr davon hat, muss man ihm zugute halten, dass er in seinem hoffnungslosen Leben alles getan hat, was man erreichen kann. Er betrachtete sein kurzes Leben als Geschenk, das es voll auszukosten galt; aber gleichzeitig erkannte er, dass sein Leben im Lichte der Ewigkeit absolut nichtig und bedeutungslos war. So erklärte er auch seiner Gefangenen, der trojanischen Tempelpriesterin Briseis:

"Soll ich dir was verraten? Was man dir in deinem Tempel nicht beibringt? Die Götter beneiden uns. Sie beneiden uns, weil wir sterblich sind. Weil jeder Augenblick unser letzter sein könnte. Alles ist so viel schöner, weil wir irgendwann sterben. Nie wirst du bezaubernder sein, als in diesem Moment. Nie wieder werden wir hier sein."– Achilles

In der folgenden Nacht versucht die Priesterin, Achilles im Schlaf mit einem kleinen Dolch zu töten. Schließlich muss sie jedoch feststellen, dass Achilles mehr über Gott und den Tod weiß, als sie in ihrem Tempel.

"Tu es. Nichts ist leichter."– Achilles

"Hast du keine Angst?"– Briseis

"Sterben müssen wir alle. Ob heute oder in 50 Jahren, was macht das schon. Tu es!"– Achilles

Nun, sie hat es nicht getan, Achilles durfte noch ein wenig weiter leben. Letztlich wurde Briseis sogar zu seiner Geliebten. Vielleicht hat sie erkannt: Ohne Hoffnung auf ewiges Leben sind Vergnügen und Spaß tatsächlich der einzige Sinn unserer Existenz und das Beste, was jemand tun kann. Das bestätigte über 1000 Jahre später auch der Apostel Paulus:

"Wenn die Toten nicht auferstehen, dann lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!"
– Die Bibel, 1. Brief an die Korinther, Kapitel 15,32

Letztendlich wurde Achilles mit einem vergifteten Pfeil an seiner einzigen verwundbaren Stelle getroffen: Der berüchtigten Ferse. Achilles starb den Heldentod in den Trümmern Trojas. Und möglicherweise wünschte er sich in den letzten Sekunden seines Lebens nichts sehnlicher, als der ewigen Dunkelheit zu entgehen. Doch es war zu spät. Der Fährmann Charon wartete bereits, um Achilles über den berüchtigten Fluss Styx in den ewig dunklen Hades zu befördern.[2] Bist Du auf Deinen Tod vorbereitet? Bist Du Dir bewusst, dass auch für uns jeder Augenblick der Letzte sein könnte? Lebst Du Dein Leben dem entsprechend?


Verwendete Literatur

[1] "Troy", Wolfgang Petersen, 2004
[2] Homers "Ilias"