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Letzte Änderung: 13. Oktober 2015 um 12:36 Uhr

Das Kino-Poster von "Inception"


Inception – Du wartest auf einen Zug ...

"Sie hat etwas weggesperrt, etwas tief in ihr. Eine Wahrheit, die sie einmal gekannt, aber mit Absicht vergessen hatte."– Dominic Cobb

Regisseur James Nolan führt den Wahrheit suchenden Kinobesucher auf eine komplexe Reise in die tiefen Geheimnisse eines jeden Unterbewusstseins.[1] Den "Limbus" nennt er dessen tiefste Ebene, in den Menschen fallen, die im Traum sterben – aber zu betäubt sind, um aufwachen zu können. Eine Art Zwischen-Bewusstsein also, ähnlich der katholischen Lehre von der Welt zwischen Himmel und Hölle, an der sich Menschen befinden, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind. (Das betrifft angeblich Ungetaufte, die als Babys gestorben sind). Wie dem auch sei – in "Inception" existieren Menschen an diesem surrealen Ort ohne Fluchtmöglichkeit – gleich einem Wachkoma – bis sie Wahrheit von Traum nicht mehr unterscheiden können, dann aber nach Jahrzehnten doch endlich aufwachen – als alte Seelen, die einfach so in die Realität zurückgeworfen werden.

Ein einfacher, kleiner Gedanke

Ganz allgemein stößt der Film schwerwiegende psychologische Fragen an: Wie arbeitet das Unterbewusstsein? Gibt es wahre Inspiration? Und nicht zuletzt: Ist unsere Welt wirklich die Realität, oder träumen wir nur? Die Story ist richtungsweisend, lässt die entscheidenden Antworten aber gezielt offen, schließlich sollen wir ja alle unsere eigenen kleinen Gehirne benutzen. Wenn Dominic Cobb, einer der Traumreisenden Ganoven, wissen möchte ob er gerade schläft oder wacht, dreht er einen kleinen Kreisel. Von diesem "Totem" weiß er, dass er sich in seinen Träumen einfach immer weiter drehen würde ohne umzufallen. Ein Paradoxon dieser Art scheint im Traum völlig normal zu sein, nicht jedoch wenn man es sich gezielt merkt und routiniert in Frage stellt. Diese Methode wird auch von so genannten Klarträumern dazu benutzt, um einen luziden Traum zu erzeugen – also einen Traum, in dem der Träumer weiß, dass er träumt. Sollte der Kreisel also nicht umfallen, würde Cobb sich erschießen und dadurch aufwachen. Nun ist die Frage: Woran können wir erkennen, ob wir möglicherweise träumen? Wo wir doch so sicher sind, dass wir es nicht tun?

"Nun, Träume fühlen sich doch real an während wir sie träumen. Erst wenn wir aufwachen, fällt uns auf, dass irgendetwas seltsam war."– Dominic Cobb

Sie war besessen ... von einem Gedanken. Dieser eine, sehr einfache Gedanke. Der alles verändert hat: Dass unsere Welt nicht real ist. Dass sie nur aufwachen müsste, um in die Realität zu gelangen..."– Dominic Cobb

Aufwachen

Sollten wir uns also in einem Traum befinden, so viele Jahre schon, dass wir die Realität vergessen haben – wie könnten wir uns da überwinden, endlich aufzuwachen, wo wir doch so an unserem Leben hängen? Die einzige Möglichkeit wäre, dass wir uns umbringen. Leider gibt es da ein klitzekleines Problem: Sollten wir tatsächlich wach sein, würden wir uns mit einem Selbstmord erst recht schlafen legen ... Es handelt sich also um den Klassiker: Eine Frage der Überzeugung, oder eine Frage des Vertrauens:

"Können Sie sich vorstellen, mir blind zu vertrauen? Oder wird aus Ihnen ein alter Mann? Voller bedauern ... der allein auf den Tod wartet?"– Saito

Dieses blinde Vertrauen, zu dem wir alle aufgefordert werden, zeigt sich auf äußerst dramatische weise bei Mal, der Frau Cobbs, als sie sich umbringt. Hilflos muss Dominic Cobb im Film mit ansehen, wie sich Mal aus einem Hochhaus stürzt, um endlich aufzuwachen. Sie tut es aus Liebe, denn ihre unvollkommene Traum-Familie genügt ihr nicht mehr. Sie möchte zurück zu ihrem wahren Mann, ihren wahren Kindern. Aus der Sicht ihres Mannes jedoch ist es kein Traum. Und kein Argument der Welt kann sie mehr von ihrer Überzeugung abbringen.

Der Tod erscheint uns so fürchterlich und endgültig, weil wir so sehr auf unsere Welt fixiert sind. Und weil wir nicht sehen, wie unsere Freunde, wenn sie hier sterben, möglicherweise in einer anderen Welt aufwachen. Unsere Realität wird ihnen dann verschwommen und belanglos erscheinen, so schnell durchlebt wie ein paar Minuten. Natürlich ist es unklug, sich umzubringen nur um schnell wieder aufzuwachen, denn wir könnten ja tatsächlich wach sein oder gar im Limbus landen. Aber wenn wir uns der Tatsache bewusst sind, dass wir träumen, wirft das ein gänzlich anderes Licht auf unser Leben. Der Tod wäre überbewertet und wir hätten ganz andere Perspektiven. Uns wäre nicht mehr das wichtig, was im Traum geschieht, sondern das, was passiert wenn wir aufwachen. Wir müssten nicht mehr trostlos von einem Tag zum nächsten Leben und letzten Endes nur auf unseren Tod warten.

"Ich wollte sie an etwas erinnern, das sie früher wussten ... dass diese Welt nicht real ist."– Dominic Cobb

Was wäre, wenn der Tod tatsächlich nicht das Ende ist?


Verwendete Literatur

[1] "Inception", Christopher Nolan, Juli 2010