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Letzte Änderung: 11. Januar 2017 um 16:07 Uhr

König Leonidas und das griechische Heer im Film "300" von Zack Snyder


Die vier Weltreiche

Der Prophet Daniel sagte voraus, dass das jüdische Volk in Zukunft noch vier verschiedenen Weltreichen unterworfen sein würde. Darunter versteht sich in diesem Zusammenhang entweder ein Reich, das über die gesamte bekannte Welt herrscht oder zumindest das mächtigste Reich der Welt ist. Aus dem letzten dieser Reiche würde ein ganz außergewöhnlicher Herrscher hervorgehen, mächtiger als all seine Vorgänger.

Im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. diente ein junger Jude namens Daniel am Hofe des neubabylonischen Königs Nebukadnezar (640-562 v. Chr.). Gott hatte Daniel mit großer Weisheit und Einsicht gesegnet und ihm göttliche Geheimnisse offenbart, die seine Vorstellungskraft maßlos überstiegen. Einerseits war Daniel mit Gottes Hilfe in der Lage, Träume zu deuten, und andererseits erschien ihm mehrfach der Engel Gabriel, der ihm die zukünftige Weltpolitik detailreich erklärte. Glücklicherweise befahl der himmlische Bote auch, seine Worte für die Nachwelt aufzuschreiben:

"Fürchte dich nicht, Daniel! Denn von dem ersten Tag an, da du dein Herz darauf gerichtet hast, zu verstehen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, […] So bin ich nun gekommen, um dir Einblick darüber zu geben, was deinem Volk am Ende der Tage begegnen wird; denn das Gesicht bezieht sich wiederum auf fernliegende Tage! […] Du aber, Daniel, verschließe diese Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes! Viele werden darin forschen, und die Erkenntnis wird zunehmen.
– Prophet Daniel, Kapitel 10,12+14 und 12,4

Die Traumbilder

Im zweiten und siebten Kapitel des Daniel-Buches beschreibt der Prophet zwei Träume von besonderer Wichtigkeit. Den ersten Traum hatte König Nebukadnezar, der darüber in Ratlosigkeit und Schrecken geriet:

"Du, o König, schautest, und siehe, ein erhabenes Standbild. Dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Anblick war furchterregend. Das Haupt dieses Bildes war aus gediegenem Gold, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden aus Erz, seine Oberschenkel aus Eisen, seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton. Du sahst zu, bis sich ein Stein losriss ohne Zutun von Menschenhänden und das Bild an seinen Füßen traf, die aus Eisen und Ton waren, und sie zermalmte. Da wurden Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold miteinander zermalmt; und sie wurden wie Spreu auf den Sommertennen, und der Wind verwehte sie, so dass keine Spur mehr von ihnen zu finden war. Der Stein aber, der das Bild zertrümmert hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,31-35

Der zweite Traum hat die selbe Bedeutung wie der Erste und stammt von Daniel selbst. Er hatte ihn etwa 50 Jahre später als alter Mann:

"Ich sah bei Nacht in meinem Gesicht, und siehe, die vier Winde des Himmels brachen los auf das große Meer; und vier große Tiere stiegen aus dem Meer empor, jedes verschieden vom anderen:

Das erste glich einem Löwen und hatte Adlerflügel. Ich schaute, bis ihm die Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde aufgerichtet und wie ein Mensch aufrecht auf seine Füße gestellt wurde und wie ihm ein menschliches Herz gegeben wurde. Und siehe, das andere, zweite Tier glich einem Bären; und es war nur auf einer Seite aufgerichtet und hatte drei Rippen in seinem Maul zwischen seinen Zähnen; und es wurde zu ihm so gesprochen: Steh auf, friss viel Fleisch! Danach schaute ich weiter und siehe, ein anderes [Tier] wie ein Panther; das hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken; auch vier Köpfe hatte dieses Tier, und ihm wurde Herrschaft verliehen.

Nach diesem sah ich in den Nachtgesichten und siehe, ein viertes Tier, furchterregend, schrecklich und außerordentlich stark; es hatte große eiserne Zähne, fraß und zermalmte und zertrat das Übrige mit den Füßen; es war ganz anders als alle vorherigen Tiere und hatte zehn Hörner."

– Prophet Daniel, Kapitel 7,2-7

Nur Daniel war in der Lage, beide Träume zu erklären: Sowohl die Teile der Statue als auch die Tiere repräsentieren vier aufeinander folgende Weltreiche. In der biblischen Symbolik steht das Meer (bzw. Wasser) für die Völker der Erde (das Völkermeer).[1] Daniel sah also durch Winde, d.h. durch politische Umwälzungen oder Kriege, vier Königreiche aus den Völkern hervorgehen. Doch wie jede menschliche Regierung irgendwann untergeht, würden auch die Weltreiche von einem "Stein" zermalmt werden. Ob die Deutung der Träume richtig war, lässt sich heute durch einen Blick in die Geschichtsbücher leicht herausfinden. Dabei wird sich zeigen, dass Israel seit der Gefangenschaft in Babylon tatsächlich vier Weltreichen unterworfen war, und zwar nur vier.

Das erste Weltreich: Babylon

Das erste Weltreich wird von Daniel definitiv als das damals herrschende, neubabylonische Reich angegeben. Der geflügelte Löwe aus Daniels Traum, ein Wappentier Babylons, repräsentiert das Reich ebenso wie der Kopf aus Gold:

"... Du [König Nebukadnezar] bist das Haupt aus Gold!"
– Prophet Daniel, Kapitel 2,38

Löwen an den Mauern Babylons, Pergamon-Museum, Berlin (c) Lightwish.deLöwen an den Mauern Babylons, Pergamon-Museum, Berlin (c) Lightwish.de

Nebukadnezar war bekannt für seine mächtigen Bauwerke wie die Hängenden Gärten oder die Prozessionsstraße zum Ishtar-Tor. Die Hauptstadt Babylon war der Inbegriff des Reichtums und der Dekadenz, und der König hatte sprichwörtlich nur Gold im Kopf. Zur Zeit der Visionen Daniels befanden sich die Juden dort in Gefangenschaft. Für Daniel war das also noch keine Zukunfts-Prophezeiung, sondern Gegenwart.

Das zweite Weltreich: Medo-Persien

Das babylonische Reich stürzte einige Jahre später durch die militärische Gewalt des Königs Kyrus II. Von da an waren die Meder und Perser die führende Macht in der Welt:

"Nach dir aber wird ein anderes Reich aufkommen, geringer als du; ..."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,39

Das persische Heer im Film "300" von Zack SnyderDas persische Heer im Film "300" von Zack Snyder

In den Träumen wird Medo-Persien durch die silberne Brust und den Bären dargestellt. Dass der Bär nur zu einer Seite hin aufgerichtet war, illustriert das Ungleichgewicht in diesem Doppelreich: Die Perser waren das mächtigere der beiden Völker und übernahmen die Führerschaft. Doch sie waren nicht so mächtig wie zuvor Babylonien. Die drei Rippen, die der Bär im Maul trug, könnten für die drei Länder stehen, die Persien "fraß", also eroberte: Lydien, Babylon und Ägypten.[2]

Eine antike Aufzeichnung behauptet, dass die Truppen des medischen Feldherren Ugbaru bei der Belagerung Babylons einen Graben ausgehoben hatten, um das Wasser des Euphrats umzuleiten und dadurch den Wasserpegel zu senken. Da der Fluss die Stadt durchzog, konnten die Belagerer durch das Flussufer die dicken Mauern umgehen und in die Stadt eindringen, während der babylonische Regent Belsazar ahnungslos in seinem Palast feierte.[3] Belsazar starb noch in der selben Nacht, wovon auch Daniel in seinem Buch berichtet.[4] Das folgende persische Reich übertraf Babylon an Ausdehnung, verlor aber dessen Pracht und Standhaftigkeit.

Das dritte Weltreich: Griechenland

Das persische Reich brach seinerseits zusammen, als Alexander der Große im Jahre 333 v. Chr. die Heere Darius III. in der Schlacht zu Issos besiegte.[5] Eine ebenso entscheidende Schlacht zwischen den Persern und den Griechen wurde bei den Thermophylen ausgetragen, als sich König Leonidas (der Legende nach mit nur 300 tapferen Soldaten) dem gesamten Perser-Heer entgegenstellte. So begann die 150-jährige Herrschaft der Griechen über Judäa:

"… Und ein nachfolgendes drittes Königreich, das eherne, wird über die ganze Erde herrschen."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,39

König Leonidas und das griechische Heer im Film "300" von Zack SnyderKönig Leonidas und das griechische Heer im Film "300" von Zack Snyder

Der Feldzug Alexanders führte mit enormer Geschwindigkeit von Griechenland über Ägypten bis Indien. In nur zehn Jahren zwang der brillante Stratege quasi die gesamte bekannte Welt unter seine Herrschaft,[6] weshalb das Reich als geflügelter Panther dargestellt wird. Niemand vermochte ihn aufzuhalten, bis eine tödliche Tropenkrankheit dem Wahn ein Ende bereitete – der Preis für seine weiten Reisen. Der Stärke Alexanders beraubt, zerfiel das Reich. Doch bevor es vom vierten Weltreich abgelöst wurde, folgte eine Zeit politischer Wirren.

Untergang des Griechischen Reiches

Der Prophet hatte einen weiteren Traum, in dem ein Widder gegen einen Ziegenbock kämpfte. Dieser Traum stellt den Krieg zwischen Persien und Griechenland dar. Der Ziegenbock, also Griechenland, trug den Sieg davon. Doch danach brach das Horn auf dem Kopf des Ziegenbocks (das Alexander darstellt) ab und wurde durch vier weitere Hörner ersetzt. Hörner sind in der Bibel immer ein Symbol für Macht und Königreiche. Diese vier Hörner wurden im vorigen Traum analog durch die vier Köpfe und die vier Flügel des Panthers dargestellt.

"Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, das sind die Könige der Meder und Perser. Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland; und das große Horn zwischen seinen beiden Augen, das ist der erste König. Dass es aber zerbrach und an seiner Stelle vier andere aufgekommen sind, bedeutet, dass aus diesem Volk vier Königreiche entstehen werden, doch nicht mit der Macht, die jener hatte."
– Prophet Daniel, Kapitel 8,20-22

Die griechischen Diadochen-Reiche nach 301 v. Chr. (c) Captain_Blood, Wikipedia.deDie griechischen Diadochen-Reiche nach 301 v. Chr. (c) Captain_Blood, Wikipedia.de

Alexander der Große starb überraschend im Jahr 323 v. Chr. Angeblich habe er verlauten lassen, er werde dem Stärksten unter seinen Feldherren sein Reich übergeben. Darüber herrschte natürlich keine Einigkeit, und so kam es zu einem ständigen Machtwechsel zwischen Alexanders Söhnen und seinen Generälen (den so genannten Diadochen), während sie sich im Streit um die einzelnen Teile des Reiches die Schädel einschlugen. Erst nach der Schlacht von Ipsos (301 v. Chr.) stellte sich, wie vorhergesagt, ein gewisses Gleichgewicht ein, das vier mächtige Diadochen-Könige hervorbrachte:[7]

– Lysimachos in Thrakien
– Ptolemaios in Ägypten
– Seleukos in Syrien und Babylonien
– Kassander in Griechenland und Makedonien

Kurz danach kam ein Sprössling der seleukidischen Linie auf, der mehrere düstere Weissagungen Daniels erfüllen sollte:

"Aber am Ende ihrer Regierung, wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben, wird ein frecher und listiger König auftreten. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht in eigener Kraft; und er wird ein erstaunliches Verderben anrichten, und sein Unternehmen wird ihm gelingen; und er wird Starke verderben und das Volk der Heiligen [d.h. Israel]."
– Prophet Daniel, Kapitel 8,23+24

Wie uns die Historiker berichten, war es der seleukidische Herrscher Antiochus IV., genannt Epiphanes (griech. "der erschienene Gott"), der die Juden unter grausamster Folter dazu zwang, ihrem Glauben abzuschwören. Mit dem Ziel, das Land zu "hellenisieren" verbot er alle jüdischen Kulthandlungen. Der Tiefpunkt wurde 167 v. Chr. erreicht, als Antiochus auf dem Brandopfer-Altar vor dem Tempel in Jerusalem einen Zeus-Altar errichtete und darauf ein Schwein opfern ließ.[8] Antiochus IV. starb drei Jahre später in geistiger Umnachtung, während sein Reich von aufständischen Juden unter Judas Makkabäus zerrüttet wurde und schließlich zerfiel.[9]

Das vierte Weltreich: Rom

Rom im Film "Gladiator" von Ridley ScottRom im Film "Gladiator" von Ridley Scott

Ein Jahrhundert lang durften die Juden Freiheit von fremder Herrschaft genießen. Doch im Jahre 63 v. Chr. eroberte der römische General Pompeius das Land, was die endgültige Vernichtung des griechischen Weltreiches besiegelte. 70 n. Chr. zerstörten die Römer unter dem Kommando des späteren Kaisers Titus den Tempel von Jerusalem bis auf die Grundmauern und vertrieben die Juden in die ganze Welt. Das nun folgende römische Reich, symbolisiert durch die namenlose Bestie, war die absolute Weltmacht:

"Und ein viertes Königreich wird sein, so stark wie Eisen; ebenso wie Eisen alles zermalmt und zertrümmert, und wie Eisen alles zerschmettert, so wird es auch jene alle zermalmen und zerschmettern."
– Prophet Daniel, Kapitel 2,40

Die eisernen Rüstungen der römischen Legionäre, die in ihren soliden Angriffsformationen alles zermalmten, hätten in der Prophezeiung kaum deutlicher dargestellt werden können. In der Offenbarung des Johannes (die aber erst um 90 n. Chr. verfasst wurde) wird das vierte Tier aus Daniels Vision noch einmal näher betrachtet. Wie Daniel beschreibt der Seher Johannes ein mächtiges Tier mit zehn Hörnern und bemerkt, dass es die Eigenschaften der drei vorhergehenden Reiche in sich vereinen würde. Das vierte Tier hat etwas vom Panther (Griechenland), vom Bären (Persien) und vom Löwen (Babylon):

"Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte [...] Und das Tier, das ich sah, glich einem Panther, und seine Füße waren wie die eines Bären und sein Rachen wie ein Löwenrachen; und der Drache [d.h. der Satan] gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht."
– Die Offenbarung, Kapitel 13,2

Mit der Stärke Babylons, der militärischen Hierarchie Persiens und den Ausmaßen des Griechischen Reiches hatten die römischen Kaiser unsagbaren globalen Einfluss und machten Rom zum Inbegriff menschlicher Herrschsucht. Der Prophet Daniel sah aber auch die Spaltung des vierten Weltreiches voraus, denn keine menschliche Regierung hat ewig Bestand:

"Dass du aber die Füße und Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen bestehend gesehen hast, bedeutet, dass das Königreich gespalten sein wird; …"
– Prophet Daniel, Kapitel 2,41

Im Jahr 395 n. Chr. teilte Kaiser Theodosius I. das Reich und übergab es seinen Söhnen Honorius (Westrom) und Arcadius (Ostrom).[10] Ostrom existierte unter dem Namen Byzanz bis zum Angriff der Osmanen im Jahre 1453 n. Chr. Dagegen war der Untergang des weströmischen Reiches bereits 476 n. Chr. besiegelt, als der germanische König Odoaker den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus zur Abdankung zwang.[11]

Die zehn Nationen

Wenngleich das Imperium Romanum als Gesamtreich nicht mehr existierte, war das vierte Tier noch lange nicht besiegt. Wir haben gesehen, dass die "namenlose Bestie" zehn Hörner und sieben Köpfe hatte. Während die sieben Köpfe vielleicht für die sieben Hügel der Stadt Rom stehen,[12] liefert uns Daniel eine klare Bedeutung der Hörner:

"Während ich achtgab auf die [zehn] Hörner, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen denselben auf, und drei der vorherigen Hörner wurden vor ihm ausgerissen; ..."
– Prophet Daniel Kapitel 7,8a

"Und die zehn Hörner bedeuten, dass aus jenem Reich zehn Könige aufstehen werden; und ein anderer wird nach ihnen aufkommen, der wird verschieden sein von seinen Vorgängern und wird drei Könige erniedrigen."
– Prophet Daniel Kapitel 7,24

Tatsächlich zerbrach (West-)Rom unter dem Ansturm der Germanen in verschiedene Nationen. Man kann sicherlich versuchen, genau 10 Nationen zu finden, die aus dem römischen Reich hervorgingen. Doch der Untergang Westroms kam schleichend und war kein plötzliches Ereignis. Somit lässt sich nur schwer begründen, welche Nationen mitgezählt werden, und welche nicht. Man kann die Zahl 10 aber auch als Zahl der Gesamtheit betrachten und festhalten, dass Westrom infolge der Völkerwanderung in viele Nationen zerbrach:

– Sachsen (heute die englische Nation)
– Franken (heute die französische Nation)
– Alemannen (heute die deutsche Nation)
– Sueben (heute die portugiesische Nation)
– Lombarden (heute die italienische Nation)
– Burgunder (heute die schweizer Nation)
– Westgoten (heute die spanische Nation)
– Heruler, verschwanden 493 n. Chr.
– Vandalen, verschwanden 534 n. Chr.
– Ostgoten, verschwanden um 540 n. Chr.
– usw.

Aus diesen Nationen sollte nun ein König hervorgehen, der drei andere Könige vernichten würde. Dies waren die Heruler, die Vandalen und die Ostgoten, drei arianische Völker, die die Autorität des Bischofs von Rom in Frage stellten. Nach der Lehre des Arius von Alexandria glaubten sie nicht, dass Jesus und Gott eines Wesens seien. Beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. wurde die arianische Frage zwar zu Gunsten der Kirche entschieden, aber der arianische Gedanke war damit nicht aus der Welt. So wurden die Arianer zu Feinden der römisch-katholischen Kirche und damit auch zu Feinden des oströmischen Kaisers, denn der Einfluss des Bischofs von Rom reichte weit. Wie vorhergesagt wurden alle drei Völker vernichtet, und zwar folgendermaßen:

Der damalige oströmische Kaiser Zenon beauftragte im Jahre 488 n. Chr. den Ostgoten-König Theoderich den Großen, gegen die Heruler unter König Odoaker zu ziehen, da diese zuvor maßgeblich am Untergang Westroms beteiligt waren. Ein solcher Feldzug war für beide Seiten von Vorteil: Theoderich konnte endlich ein eigenes Reich gewinnen, während sich der Kaiser elegant der Bedrohung durch Odoaker entledigte. So zog Theoderich mit 20.000 Kriegern nach Italien und besiegte die Heruler innerhalb von drei Jahren durch die Eroberung der Hauptstadt Rom.[13] In Afrika bedrängten indes die Vandalen die römische Kirche. Der neue, oströmische Kaiser Justinian I. sandte deshalb seinen Feldherrn Belisar mit 16.000 Mann gegen die Vandalen in die Schlacht. Drei Monate später war das Land erobert.[14] In Italien war unterdessen Theoderich gestorben und seine pro-römische Tochter Amalasuntha hatte die Regierung übernommen. Als diese wiederum von ihrem Cousin ermordet wurde, nutzte Kaiser Justinian die Gelegenheit und ließ Belisar nach Rom vorrücken. Bis 540 n. Chr. waren auch die Ostgoten bezwungen und Rom von den Arianern gesäubert.[15]

"Das vierte Tier bedeutet ein viertes Reich, das auf Erden sein wird; das wird sich von allen anderen Königreichen unterscheiden, und es wird die ganze Erde fressen, zerstampfen und zermalmen."
– Prophet Daniel Kapitel 7,23

Das kleine Horn

Wer ist nun für die Vernichtung der drei arianischen Völker verantwortlich? Die ausführende Gewalt waren die oströmischen Kaiser, aber die waren besessen von einem Gedanken, den die katholische Kirche zu verschulden hatte: Die Vernichtung der Ketzer. Das Christentum war längst Staatsreligion und verlieh der Kirche ideologische Macht über die Gedanken der Menschen. Der Bischof von Rom hüllte sich nunmehr in majestätischen Pomp und trug seit ca. 400 n. Chr. den Titel Papst – Er wurde sprichwörtlich zum König der Bischöfe. Das Papsttum von Rom könnte somit als der eine, freche König identifiziert werden, dessen Herrschaftsform sich so stark von allen anderen unterscheiden sollte. Durch die religiös-politische Natur seiner Macht ist das Papsttum damals wie heute eine eindrucksvollere Erscheinung als alle anderen Mächte auf diesem Planeten. Politische Reiche kommen und gehen, doch die religiöse Herrschaft des kleinen Horns der "namenlosen Bestie" überdauert Jahrtausende und kennt keine geografischen Grenzen. Allein durch das Wort des Papstes Urban II. bildeten die Könige Europas im düsteren Jahr 1095 einen Kreuzzug und marschierten gen Osten, um Jerusalem von den Arabern zu "befreien".

"… Und siehe, dieses Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das große Dinge redete."
– Prophet Daniel Kapitel 7,8b

"Und er [der König] wird [freche] Reden gegen den Höchsten führen und die Heiligen des Allerhöchsten aufreiben, ..."
– Prophet Daniel Kapitel 7,25

Diese Beurteilung macht klar, dass es sich um ein ganz und gar menschliches und kein von Gott eingesetztes religiöses System handelt. An der Spitze des Papsttums steht immer nur ein Mensch: Der amtierende Papst. Weil er Unfehlbarkeit beansprucht, beeinflussen seine Entscheidungen das Leben von Milliarden Menschen rund um den Globus. Aber hat das Papsttum Blasphemien gegen den Höchsten ausgestoßen und Gott gelästert? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns zuerst über die Definition von Blasphemie einig werden. Die jüdischen Gelehrten sprachen einst zu Jesus:

"Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, und zwar weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst!"
– Evangelium nach Johannes, Kapitel 10,33

"Was redet dieser solche Lästerung? Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein?"
– Evangelium nach Markus, Kapitel 2,7

Blasphemie oder Gotteslästerung bedeutet also nicht nur, dass jemand Gottes Namen missbraucht. Laut der Bibel ist Blasphemie, wenn sich ein Mensch in Gottes Position setzt und erklärt, er habe die Macht, Sünden zu vergeben. Genau das tut der angebliche Stellvertreter Christi:

"Der Papst ist von so großer Würde und so erhaben, dass er nicht bloßer Mensch ist [...] er ist, als wäre er Gott auf Erden, der einzige Herr der Treuen Christi, Herr der Könige, Inhaber der Fülle der Macht."
– Lucius Ferraris, "Papa II", Prompta Bibliotheca, Band VI, S. 25-29

"Und Gott selbst ist verpflichtet bei dem Urteil seiner Priester zu bleiben und entweder keine Gnade zu gewähren oder sie zu gewähren, gemäß wie sie sich entscheiden Absolution zu geben, vorausgesetzt, der Bußfertige ist ihrer würdig."
– Liguori, "Duties and Dignities of the Priest", S. 27

"Wir haben auf dieser Erde den Platz des allmächtigen Gottes inne."
– Papst Leo XIII, Enzyklika "Praeclara gratulationis publicae" vom 20.06.1894, Absatz 5

Nach allem, was wir wissen, hatte der Bischof von Rom im ersten und zweiten Jahrhundert gegenüber den anderen Bischöfen noch keine besondere Autorität. Aber da Petrus und Paulus in Rom den Märtyrertod gestorben waren, traten die nachfolgenden Bischöfe Roms gewissermaßen in die Fußstapfen der großen Apostel, bis das bescheidene Amt des Gemeindehirten im Laufe der Zeit zu dem Personenkult entartete, der er heute ist. Der gegenwärtige Trubel um den "Heiligen Vater" ist wirklich erschreckend, wenn man bedenkt, wovor einst Jesus selbst in Bezug auf geistige Leiterschaft gewarnt hat:

"Nennt auch niemand auf Erden euren Vater; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist."
– Evangelium nach Matthäus, Kapitel 23,9

Im Kampf gegen die Heiligen

Es wäre schon traurig genug, wenn es bei dieser Gotteslästerung geblieben wäre. Aber das Papsttum wandte sich leider nicht nur mit Worten gegen Freidenker und Protestanten. Wie bereits erwähnt, würde das "kleine Horn" Gewalt über die Gläubigen bekommen und regelrecht Krieg gegen sie führen:

"Ich schaute, wie dieses Horn Krieg führte mit den Heiligen und sie überwand, …"
– Prophet Daniel, Kapitel 7,21

Abertausende Menschen wurden im Zuge der Inquisition zu Tode gefoltert, weil sie die Autorität des Papstes verneinten und den katholischen Dogmen nicht heuchlerisch folgen wollten.

"Die Kirche von Rom hat mehr unschuldiges Blut vergossen als irgend eine andere Institution, die je unter Menschen bestanden hat."
– W. E. H. Lecky, "Geschichte des Ursprungs und Einflusses der Aufklärung in Europa", Band 2, S. 25

Das "kleine Horn" würde auch auf geistiger Ebene gegen die aufrichtigen, Wahrheit suchenden Gläubigen kämpfen, indem es Gottes Ordnungen verdreht:

"… Und er [der König] wird danach trachten, [Fest-]Zeiten und Gesetz zu ändern; …"
– Prophet Daniel, Kapitel 7,25

Das Papsttum verschob den Ruhetag (den Sabbat) vom Samstag auf den Sonntag, und damit wurden Zeit und Gesetz verändert. Mehr noch, es werden sterbliche Menschen wie Maria oder Petrus verehrt, obwohl selbst die Engel ablehnten, angebetet zu werden.[16] Nur Gott selbst gebührt diese Ehre.[17]

"Der Papst hat so große Autorität und Macht, dass er sogar göttliche Gesetze verändern, erklären und auslegen kann."
– Lucius Ferraris, "Papa II", Prompta Bibliotheca, Band VI, S. 25

Papst Benedikt XVI. (c) Catholic News Service, www.catholicnews.comPapst Benedikt XVI. (c) Catholic News Service, www.catholicnews.com

Besonders im 21. Jahrhundert hat das Papsttum durch die zahlreichen Reisen von Johannes Paul II. in der ganzen Welt eine Menge Prestige zurück gewonnen. Öffentlich predigt das Papsttum Liebe und Toleranz und die grundlegende Gleichheit der Religionen, aber die Kernbotschaft der Bibel rückt immer weiter in den Hintergrund. Unsummen werden für die Sicherheit des Papstes ausgegeben, während zahllose Menschen hungern und viele in geistiger Hinsicht verloren gehen. Mittlerweile hat Papst Benedikt XVI. sogar das Vorhandensein einer "echten politischen Weltautorität" für notwendig erklärt[18] – der Weg zu einer neuen Weltordnung.

"… Und sie beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich? Wer vermag mit ihm zu kämpfen?"
– Die Offenbarung, Kapitel 13,4

Meiner Meinung nach spricht vieles dafür, dass das "kleine Horn", das aus dem vierten Tier hervorgegangen ist, das Papsttum symbolisiert, welches aus dem vierten Weltreich Rom hervorgegangen ist. Es ist und bleibt aber Spekulation, und deshalb möchte ich vor übereilten Schlussfolgerungen warnen. Wir können nicht sicher wissen, ob mit dem kleinen Horn überhaupt eine bestimmte Person gemeint ist und schon gar nicht, ob diese Person in der Vergangenheit gelebt hat oder sich noch offenbaren wird. Was wir dagegen aus den Weltreichen lernen können, ist, dass Gott die Geschichte im Griff hat.

Das ewige Reich des Höchsten

Obwohl die menschlichen Herrscher der Weltreiche eine befristete Zeit lang Gewalt ausüben dürfen, werden sie eines Tages vom Gott des Himmels zur Rechenschaft gezogen. Wenn das Maß ihrer Schuld voll ist, wird auch die letzte, menschliche Regierung niedergeworfen:

Und das Tier wurde ergriffen [… und] lebendig in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.
– Die Offenbarung, Kapitel 19,20

Anschließend wird Jesus Christus den Thron der Welt besteigen und das letztes Reich formen, das auf Erden sein wird: Das ewige Friedensreich Gottes.

Dieser [Jesus] wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird regieren über das Haus Jakobs [d.h. Israel] in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
– Evangelium nach Lukas, Kapitel 1,32+33

Wir erinnern uns, dass die Statue aus Nebukadnezars Traum durch einen großen Stein zertrümmert wurde. Dieser Stein repräsentiert das letzte Reich:

Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen; ganz so wie du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss und das Eisen, das Erz, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte.
– Prophet Daniel, Kapitel 2,44+45

Mit dem Leben Jesu hat das ewige Friedensreich bereits seinen Anfang genommen ("in den Tagen jener Könige"), doch es existiert bisher nur auf geistiger Ebene, genau wie die "namenlose Bestie" auf geistiger Ebene Macht ausübt. Der Tag wird kommen, an dem es für alle sichtbar in Erscheinung tritt. Die endgültige Erfüllung dieser letzten Prophezeiung steht somit noch aus.

Daniel in der Kritiker-Grube

Die Prophezeiungen Daniels sind so detailliert und eindeutig beschrieben und haben sich derart exakt erfüllt, dass gebildete Ungläubige versucht haben, diesem Bibelbuch seine Echtheit abzusprechen. Sie behaupten, nicht Daniel habe es geschrieben, sondern jemand anderes, und zwar erst nachdem die vorausgesagten Ereignisse stattgefunden hatten. Dieser falsche Autor habe das Buch mit dem Namen Daniel versehen, um ihm Ansehen zu verleihen.

Durch die Entdeckung der Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer im Jahre 1948 hat die herkömmliche Datierung des Buches Daniel jedoch neue Unterstützung erfahren. Es wurden nicht nur verschiedene Kopien des Buches Daniel entdeckt, sondern auch Schriftrollen, die auf Daniel Bezug nahmen, unter anderem das Gebet des Nabonidus und das Buch der Riesen. Anhand der Datierung dieser Schriften ins 2. und 1. Jahrhundert vor Christus können wir davon ausgehen, dass das Buch Daniel selbst noch früher geschrieben wurde, und damit deutlich vor der Zeit des Antiochus Epiphanes.

Ein weiteres Argument liefert der jüdische Historiker Josephus Flavius, der im 1. Jahrhundert n. Chr. gelebt und die jüdische Geschichte sehr zuverlässig aufgezeichnet hat:

"Als Alexander Gaza erreicht hatte, beeilte er sich, nach Jerusalem hinaufzugehen. [...] Als ihm [Alexander] das Buch Daniel gezeigt wurde, worin Daniel schreibt, dass einer der Griechen das Persische Reich zerstören sollte, nahm er an, dass er selbst diese Person sei."
– Josephus Flavius, "Jüdische Altertümer", Buch XI, Kapitel 8, Absatz 5"

Josephus war also eindeutig der Meinung, dass das Buch Daniel schon vor der Ankunft Alexanders im 4. Jahrundert v. Chr. existierte.

Und schließlich wird die historische Genauigkeit des Daniel-Buches von den apokryphen Büchern 1. und 2. Makkabäer unterstützt. Einer der Makkabäer, Mattathias, gab 166 v. Chr. eine Rede, um die Juden im Sinne der Makkabäer zu einigen. In dieser Rede beschrieb er historische Persönlichkeiten von Abraham bis Daniel.[19] Wenn Daniel ein Zeitgenosse Mattathias' gewesen wäre oder das Buch Daniel erst im Vorjahr geschrieben worden wäre, würde Daniel wohl kaum als einer der Vorfahren genannt werden.

Abschließend möchte ich behaupten, dass die Indizien stark für die herkömmliche Datierung des Daniel-Buches (530 v. Chr.) sprechen. Die eigentliche Frage lautet aber, ob wir bereit sind, das Werk als ein göttlich inspiriertes Buch anzuerkennen, oder ob wir jeglichen Einfluss Gottes von vornherein leugnen.

"Geh hin, Daniel! Denn diese Worte sollen verschlossen und versiegelt bleiben bis zur Zeit des Endes. Viele sollen gesichtet, gereinigt und geläutert werden; und die Gottlosen werden gottlos bleiben, und kein Gottloser wird es verstehen; aber die Verständigen werden es verstehen."
– Prophet Daniel, Kapitel 12,8-10


Verwendete Literatur

[1] Die Offenbarung, Kapitel 17,15
[2] Wikipedia.de, Eintrag "Achämenidenreich"
[3] Reinhold Bichler, "Herodots Welt", Oldenbourg Akademieverlag, 2001
[4] Prophet Daniel, Kapitel 5,25
[5] Wikipedia.de, Eintrag "Schlacht bei Issos"
[6] Wikipedia.de, Eintrag "Alexanderzug"
[7] Wikipedia.de, Eintrag "Diadochen"
[8] Wikipedia.de, Eintrag "Antiochos IV."
[9] Wikipedia.de, Eintrag "Makkabäer"
[10] Wikipedia.de, Eintrag "Reichsteilung von 395"
[11] Wikipedia.de, Eintrag "Untergang des Römischen Reiches"
[12] Die Offenbarung, Kapitel 17,9
[13] Wikipedia.de, Eintrag "Theoderich der Große"
[14] Prokopios von Cäsarea, "Kriegsgeschichte", Buch III+IV
[15] Prokopios von Cäsarea, "Kriegsgeschichte", Buch V-VII
[16] Die Offenbarung nach Johannes, Kapitel 19,10
[17] Apostelgeschichte Kapitel 10,25+26
[18] Enzyklika "Caritas in Veritate", Kapitel 5 bzw. Absatz 67
[19] 1. Buch der Makkabäer, Kapitel 2,51-60