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Letzte Änderung: 19. Dezember 2016 um 23:36 Uhr

"Die Erschaffung Adams", Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle, Michelangelo, um 1510


Lohnt sich der Glaube?

Der katholische Philosoph Blaise Pascal versuchte mit seiner berühmten Pascalschen Wette nachzuweisen, dass es logisch betrachtet sinnvoll ist, an einen Gott (oder mehrere Götter) zu glauben. Die Wette ist allerdings kein Argument für die tatsächliche Existenz Gottes. Wer darüber Klarheit erlangen möchte, darf sich nicht fragen, ob Gottes Existenz persönliche Vor- oder Nachteile hätte.

"Angenommen es sei sicher, dass es Gott gibt oder ihn nicht gibt, und dass es keinen Mittelweg gibt. Für welche Seite werden wir uns entscheiden? [...] Lassen Sie uns ein Spiel spielen, bei dem es zu einer Entscheidung für Kopf oder Zahl kommt. Mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere versichern; mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere ausschließen. Verfallen Sie also nicht dem Irrtum, dass hierbei eine richtige Wahl getroffen werden könnte, denn Sie wissen nicht, ob Sie falsch liegen oder schlecht gewählt haben [...]

Sowohl wer sich für Kopf entscheidet, als auch wer sich für Zahl entscheidet, beide liegen falsch: Die Wahrheit kann nicht durch eine Wette entschieden werden, aber es muss gewettet werden. Es gibt keine Freiwilligkeit, Sie müssen sich darauf einlassen. Wenn Sie nicht wetten, dass es Gott gibt, müssen Sie wetten, dass es ihn nicht gibt. Wofür entscheiden Sie sich? Wägen wir den Verlust dafür ab, dass Sie sich dafür entschieden haben, dass es Gott gibt: Wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu zögern darauf, dass es ihn gibt."

– Blaise Pascal[1]

Die Pascalsche Wette nimmt an, dass Glaube nichts kostet. Das allerdings ist subjektiv. Glaube kann sowohl Vorteile als auch Nachteile haben, und das hängt stark von unserem Gottesbild ab. Religiöse Dogmen könnten als Kosten für den Glauben betrachtet werden: Fasten, Geld spenden, Gebete sprechen, etc. Ob und was davon tatsächlich notwendig ist, steht freilich auf einem anderen Blatt. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass diese Pflichten erfüllt werden müssen, um in den Himmel zu kommen. Wenn wir den Gewinn des Himmels mit "unendlich" bewerten, ist es selbst bei enormen Kosten für den Glauben, die ja immer endlich sind, immer noch die bessere Entscheidung, an Gott zu glauben – sofern die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz größer ist als Null. Der Glaube würde sich trotzdem "lohnen".

Wie Pascal selbst sagte, kann die Wahrheit nicht durch eine Wette entschieden werden. Das stimmt. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserem Verstand sehr wohl entscheiden können, ob Gott existiert oder nicht. Nur wer sich aus Faulheit nicht den Kopf darüber zerbrechen möchte, sollte laut der Pascalschen Wette an Gott glauben, da es rational betrachtet die günstigere Entscheidung ist. Aber auch das entspricht gewiss nicht dem, was sich der Allmächtige von uns wünscht:

"Angenommen, es gäbe einen Gott, der uns beobachtet und darüber entscheidet, welche Seelen in den Himmel kommen, und Gott möchte den Himmel nur mit moralisch guten Menschen besiedeln. Er wird wahrscheinlich aus jenen Seelen auswählen, die eine bedeutende Anstrengung zur Enthüllung der Wahrheit geleistet haben. [...] Wenn Menschen ein Bewusstsein für das gute und schlechte Handeln haben, folgt daraus, dass sie auch ein Bewusstsein für Gut und Böse besitzen. Dieses Bewusstsein erfordert ein umfassendes Wissen über unser Universum, und zum Beispiel auch darüber, ob es Gott wirklich gibt. Diese Menschen kümmern sich darum, ihre Glaubensinhalte zu bestätigen, zu testen und letztendlich zu erfahren, ob ihr Glauben vermutlich korrekt ist oder nicht. Deshalb verdienen nur Menschen, die stets die Sittlichkeit ihrer Entscheidungen überprüfen, einen Platz im Himmel – außer Gott möchte den Himmel mit moralisch faulen, unverantwortlichen oder unzuverlässigen Menschen füllen. [...] Wenn jemand in den Himmel kommen möchte, muss er einige bedeutende Fragen klären – und dazu gehört auch diese: Existiert Gott?"
– Richard Carrier, "The End of Pascal`s Wager: Only Nontheists go to Heaven", 2002

Die ernsthafte Suche nach Gott ist also wesentlich wichtiger als pure Spekulation. Es geht hier nicht um Glücksspiel, nicht um das Abwägen von Vor- und Nachteilen, sondern um Wahrheit. Man kann und sollte mit dieser Wette niemandem zum Glauben "überreden". Denn ein auf Pascals Weise kalkulierender und spekulierender Mensch ist eigentlich nur scheinbar gläubig, und obendrein egoistisch, da er nur eiskalt berechnet und für sich den größten Gewinn erzielen möchte. Würden wir an Gottes Stelle einer solchen Person die unendliche Belohnung nicht zu Recht verwehren?[2]

Wenn du ernsthaft die Wahrheit suchst, solltest du Gottes Existenz in Betracht ziehen – auch, wenn dir dieser Gedanke nicht in den Kram passt. Und dann gilt es, herauszufinden, wie dieser Gott ist. Es gibt nur eine Wahrheit, und die richtet sich nicht nach unseren Vorlieben.

Was bleibt noch zu sagen? Wer den Glauben an den Gott der Bibel als Last oder Unterdrückung betrachtet, hat etwas grundlegend falsch verstanden. Gott zwingt uns nicht in religiöse Verpflichtungen. Glaube sollte viel mehr eine freundschaftliche Beziehung zwischen Schöpfer und Schöpfung sein. Investiert man in gute Beziehungen nicht freiwillig Zeit und Kraft? Die positiven Nebeneffekte sind Freiheit, Sinn im Leben, ein Zuhause, Hoffnung, größer werdende Erkenntnis und nicht zuletzt das ewige Leben. Diese Entscheidung sollte in der Tat nicht schwer fallen.


Verwendete Literatur

[1] Pascal`s Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände. Berlin 1840, S. 244-252
[2] Wikipedia.de, Eintrag "Pascalsche Wette"