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Letzte Änderung: 1. November 2013 um 11:47 Uhr

Ein "großer Fisch", der Noah verschluckt haben könnte (c) Unbekannt


There is always a bigger fish...

Ist es möglich, dass der arme Prophet Jona drei Tage und drei Nächte im Magen eines Fisches überlebte, wie es die Bibel überliefert? Nun, vor etwa 120 Jahren gab es einen ähnlichen Fall. Hier ist die komplette Story:

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Im Februar 1891 befand sich das Walfangschiff Star of the East in der Nähe der Falklandinseln auf der Jagd nach Walen. Eines Morgens sichtete man in drei Meilen Entfernung (ungefähr 5,5 km) einen Wal. Zwei kleine Boote wurden zu Wasser gelassen. Der Harpunierer schoss und traf den Wal. Das Tier war außerordentlich groß. Wegen seiner Verletzung gab es seltsame Laute von sich. Es schwamm in rasender Geschwindigkeit fort, wobei es die Männer im Boot mitschleppte. 5 Meilen schwamm der Wal geradeaus, dann wendete er und kam fast genau dorthin zurück, wo er von der ersten Harpune getroffen wurde. Vom zweiten Boot erhielt das Tier einen weiteren Harpunenstoß. Der Schmerz machte den Wal offensichtlich rasend, denn er tobte so fürchterlich, dass Boote versuchten, außerhalb der Reichweite des Tieres, das sich anscheinend im Todeskampf befand, zu gelangen. Ein Boot schaffte es, das andere aber hatte weniger Glück. Der Wal stieß dagegen und warf es um. Die Männer fielen ins Wasser, und bevor die Besatzung des anderen Bootes sie retten konnte, war einer ertrunken, und James Bartley war verschwunden. Als der Wal vor Erschöpfung ruhiger wurde, suchte man im Wasser nach Bartley, aber er war nicht aufzufinden. Man nahm an, dass er vom Schwanz des Wales getroffen worden und dann auf den Meeresgrund gesunken war.

Der Wal war tot. Die Männer beeilten sich, mit ihrem Werkzeug das Fleisch des Tieres zu zerschneiden und das Fett zu bergen. Am nächsten Morgen ging es weiter. Sie kamen bald bis zum Magen. Als die Arbeiter damit beschäftigt waren, ihn zu reinigen, entdeckten sie zu ihrem Schrecken, dass etwas Zusammengekrümmtes darin lag, das krampfartige Zeichen von Leben äußerte. Der Magen wurde aufgeschnitten. Man fand darin den vermissten Seemann zusammengekrümmt und bewußtlos. Er wurde an Deck gelegt und mit einem Meerwasserbad behandelt. Als er zu Bewusstsein kam, war sein Geist völlig verwirrt. Man verlegte ihn in die Kapitänskabine. Dort blieb er zwei Wochen lang ein tobender Wahnsinniger. Kapitän und Schiffsleute pflegten ihn mit viel Sorgfalt, und schließlich wurde er wieder Herr seiner Sinne.

Nach drei Wochen hatte er sich von dem Schock erholt und nahm seine Arbeit wieder auf. Während des kurzen Aufenthaltes im Bauch des Wales aber, bei dem die Haut des Mannes der Wirkung der Magensäfte ausgesetzt gewesen war, hatte sie sich auf auffällige Weise verändert. Seine Hände und sein Gesicht waren so gebleicht, dass sie weiß wie bei einem Toten aussahen. Die Haut war runzelig geworden. Bartley versicherte, dass er in seinem Fleischgehäuse vermutlich gelebt hätte bis er verhungert wäre, denn er habe die Besinnung nicht aus Mangel an Luft, sondern durch seine Angst verloren.

Nach seinen Berichten erinnerte er sich an das Gefühl, von der Nase des Wales in die Luft gehoben zu werden und wieder ins Wasser zu fallen. Dann habe es ein erschreckendes Geräusch wie von einem Sturz gegeben. Er sei von einer furchtbaren Finsternis umgeben gewesen und habe gefühlt, wie er durch eine Art glatten Gang rutschte, der sich zu bewegen und ihn weiterzutragen schien. Dieses Gefühl habe nur kurz gedauert. Dann habe er gemerkt, dass er mehr Raum hatte. Er tastete seine Umgebung ab, und seine Hände kamen mit einer ihm nachgebenden, schleimigen Substanz in Berührung, die immer dann, wenn er sie anrührte, zurückzuweichen schien.

Schließlich dämmerte ihm, dass er von dem Wal verschluckt worden war, und der Schrecken über diese Lage überwältigte ihn. Er konnte leicht atmen, aber die Hitze war schrecklich. Sie war nicht versengend oder erstickend, sie schien ihm vielmehr seine Lebenskraft aus ihm herauszuziehen. Er wurde sehr schwach, und ihm wurde übel. Er wusste, dass es keine Hoffnung gab, diesem fremdartigen Gefängnis zu entkommen. Er versuchte, dem Tod tapfer entgegenzusehen, aber die grausige Stille, die furchtbare Finsternis, das entsetzliche Wissen um die Umstände und die schreckliche Hitze überwältigten ihn schließlich, und er musste in Ohnmacht gefallen sein. Denn das nächste, woran er sich erinnerte war, dass er sich in der Kabine des Kapitäns wiederfand.

Bartley war kein furchtsamer Mann, aber er sagt, dass es viele Wochen gedauert habe, bevor er eine Nacht schlief, ohne dass quälende Träume von zornigen Walen und den Schrecken seines fürchterlichen Gefängnisses ihn beunruhigt hätten. Die Haut Bartleys hat nie wieder ihr natürliches aussehen zurückgewonnen. Sie blieb gelb und runzelig und sah aus wie altes Pergament.

Die Geschichte wurde von dem französischen Naturwissenschaftler Henri de Parville bestätigt. Er meint, dass die Erzählungen des Kapitäns und der Mannschaft des englischen Walfangschiffes glaubwürdig seien. Dazu bemerkt er: "Es werden viele Fälle berichtet, in denen Wale in der Raserei ihres Todeskampfes Menschen verschluckt haben. Aber dieses ist der erste Fall, bei dem ein Opfer lebend wieder ans Tageslicht kam. Nach dieser Illustration komme ich doch dazu, zu glauben, dass Jona tatsächlich lebend aus dem Wal herauskam, wie es die Bibel berichtet." (Übrigens: Die Bibel spricht stets von einem "Fisch" – nie ausdrücklich von einem Wal. Vielleicht war`s auch der Leviathan ...)

James Bartley blieb ein gezeichneter Mensch. Seine Augen hatten schwer gelitten. An eine Arbeit als Matrose war nicht mehr zu denken. Als schwer sehbehinderter Schuster lebte er noch 13 Jahre in seiner Heimatstadt Gloucester/England. Dort liegt er auch begraben.

Quelle: Arthur Gook, "Can A Young Man Trust?"
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