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Dreieinigkeit - Das Wesen Gottes

Kein anderes theologisches Thema ist so umstritten und so schwer zu erklären wie die Lehre der "Trinität" oder "Dreifaltigkeit", die besagt, dass sich Gott in drei verschiedenen Personen äußert: Als Gott-Vater Jehova/Jahwe, als Gott-Sohn Jesus Christus und als Heiliger Geist.
An dieser Frage steht und fällt jeder Glaube und jede Religion. Ist Jesus nun Gott - Ja oder nein? Ein Ja wäre Gotteslästerung für jeden Juden, Moslem oder Zeugen Jehovas, denn in den alten Schriften steht unmissverständlich:

"Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein."

5. Buch Mose, Kapitel 6,4

Nicht um Begriffe streiten
Vorweg: Ja, ich bezeuge auch, dass es nur EINEN einzigen Gott gibt. Und ja, es stimmt auch, dass die Dreieinigkeit als Wort in der Bibel nie erwähnt wird. "Dreieinigkeit" ist lediglich ein Begriff, der versucht, Gottes unbegreifliches Wesen für Menschen annähernd verständlich zu beschreiben. Es ist nun mal kürzer, "Trinität" zu sagen, statt "drei koexistente, gemeinsam ewige Personen, durch die sich ein Gott äußert." Wir müssen auch bedenken, dass das Wort "Großvater" ebenfalls nicht in der Bibel vorkommt. Doch wissen wir, dass es Großväter in der Bibel gab. Abraham war Jakobs Großvater. Deshalb sollten wir uns nicht an die Bezeichnung "Trinität" klammern. Wirklich bedeutsam ist, dass das Wesen Gottes, das durch das Wort "Trinität" veranschaulicht wird, in der Heiligen Schrift vorkommt. Das stellt uns natürlich vor einige Probleme. Beispielsweise ist es rein menschliche betrachtet widersinnig, wenn Jesus zum Gott-Vater betet. Führt er damit nicht Selbstgespräche? Oder ist es vielleicht mehr ein "absprechen", also ein lautes Aussprechen der Gedanken und des Willens, den der eine Gott hat? Im Folgenden werde ich mich mehr auf die "Zweieinigkeit" konzentrieren, also darauf, ob Jesus und Gott eins sind. Alles andere baut auf dieser Frage auf.

Das Konzil von Nizäa
"Offiziell" wurde die Lehre von der Dreieinigkeit beim ersten Konzil von Nizäa im Jahr 325 festgelegt. Der römische Kaiser Konstantin hatte alle Bischöfe seines Reiches zusammengerufen, um das Thema zu diskutieren. Da der Kaiser aber primär daran interessiert war, sein Reich zu vereinen und Streitigkeiten auszuräumen, kamen von den eingeladenen 1800 Bischöfen nur 300. Schließlich unterzeichneten Kaiser Konstantin und alle anwesenden Bischöfe - bis auf zwei - das Bekenntnis der Dreieinigkeit. Diese zwei wurden vom Kaiser direkt verbannt und ihre Schriften verboten. Manch einer mag aus diesem Grund behaupten, dass viele der Bischöfe nur aus Angst vor dem Kaiser unterzeichnet hatten. Doch das klingt widersprüchlich, denn erstens hatten viele der Bischöfe die letzte Christenverfolgung unter Kaiser Diolektian (284-305) noch miterlebt und waren deshalb nicht so leicht unter Druck zu setzen. Sie wären, wie viele Christen vor ihnen, eher als Märtyrer gestorben, als die Wahrheit zu verleugnen. Und zweitens kam das vorige Konzil von Antiochia und das nachfolgende Konzil von Konstantinopel ohne den Druck eines Kaisers zu genau dem selben Ergebnis.[1]

Heidnische Götter-Triaden
Oft wird behauptet, der Kaiser habe beim Konzil bewusst Elemente heidnischer Religionen in die Dogmen des Christentums aufnehmen wollen, denn als Römer glaubte er selbst an den Sonnengott Sol Invictus, den er letztendlich mit dem Gott der Christen gleichsetzte. Auf diese Weise hätte Konstantin eine "Einheits-Religion" schaffen wollen. In der Tat wurden in dieser Zeit einige heidnische Elemente in die christliche Lehre aufgenommen, zum Beispiel wurde das Weihnachtsfest auf den 25. Dezember gelegt, den Geburtstag des Sol Invictus.[2] Darum wird vermutet, dass auch die Dreieinigkeit heidnischen Ursprungs ist. In zahlreichen heidnischen Religionen existieren so genannte Götter-Triaden: Osiris/Horus/Isis in Ägypten, Anu/Enlil/Enki in Babylon, Schiwa/Brahma/Wischnu in Indien, und so weiter. Fast immer repräsentiert jeder Gott eine bestimmte Eigenschaft, die insgesamt einen allmächtigen Gott ausmachen würden. Doch zwischen Triade und Trinität besteht ein großer Unterschied. Darüber hinaus waren dem Einfluss des Kaisers, wie bereits erläutert, deutliche Grenzen gesetzt.

Das Geheimnis vom Wesen Gottes
Es gibt zahlreiche Bibelstellen, an denen das Wesen Gottes sichtbar wird, natürlich auch im Alten Testament, also bevor Jesus als Mensch auf die Welt gekommen ist. Zu dieser Zeit war der Plan Gottes (dass er Mensch wird und dadurch unsere Schuld auf sich nehmen kann) allerdings noch ein Geheimnis, und deshalb stand die Frage nach der Dreieinigkeit für die Israeliten damals überhaupt nicht zur Debatte. Der Apostel Paulus schrieb sinngemäß:

"Durch die Predigt von Jesus Christus ist das Geheimnis offenbart, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, ..."

Brief des Paulus an die Christen in Rom, Kapitel 16,25

Man könnte also sagen, dass dieses "Geheimnis", das uns erst mit dem Leben von Jesus offenbart wurde, auch die Dreieinigkeit beinhaltet. Deshalb hat keiner der alten Propheten davon predigen können. Trotzdem kann man im Alten Testaments die Facetten dieses Geheimnisses hervorblitzen sehen. Hier ist eine der Wichtigsten Stellen, die darauf hindeuten, dass Gott mehr ist als unsere menschliche Definition von "Einer Person":

"Und Gott sprach: Lasset UNS Menschen machen, ein Bild, das UNS gleich sei, ..."

Genesis 1,26

Elohim: Gott im Plural
Wenn wir diese Stelle im Urtext der Bibel (dem Tanach) lesen, ist eine Kenntnis der hebräischen Sprache hilfreich. Hier wird für "Gott" das Wort "Elohim" verwendet, und das ist die Mehrzahl von "Eloah". Obwohl "Elohim" eigentlich "viele Götter" oder sogar "Götterwelt" meint, steht das mit ihm verbundene Verb in der hebräischen Bibel immer im Singular. In unserem Fall: "Elohim" = Mehrzahl, "sprach" = Einzahl. Diese eigentümliche Verwendung des Wortes rührt vermutlich daher, dass es ursprünglich aus Kanaan kommt, und die Kanaaniter glaubten an viele Götter. Als das Volk Israel ins Land kam, wollte es sich vom Polytheismus abgrenzen und benutzte das Plural-Wort "Elohim" einfach für seinen EINEN Gott, dessen Name JHWH (Jahwe/Jehova) ist. Damit sagten die Israeliten indirekt: "An der Stelle der semitischen Götterwelt steht bei uns JHWH, der alle in sich vereint." Gewissermaßen beschrieben sie schon damals diese Eigenschaft Gottes, die wir mit unserem Verstand nicht begreifen können.

Die Offenbarung Gottes in Jesus
Nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus begriffen seine Jünger allerdings nach und nach, wie groß und unfassbar Gott in seiner dreifachen Offenbarung tatsächlich ist. Sie waren ursprünglich Juden und kannten den Gott Israels. Nun waren sie Jahre mit Jesus umhergezogen und hatten viel gesehen. In den Briefen und Predigten, die sie im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus verfassten, versuchten sie, ihre göttlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse in menschlichen Worten greifbar zu machen. Die Jünger hatten mehrfach erlebt, wie sich alle drei Wesenszüge des einen Gottes gleichzeitig offenbarten. Hier einige Textstellen ihrer Berichte:

"Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes..."

Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 28,19

"...denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit..."

Brief des Paulus an die Christen in Rom, Kapitel 9,5

"Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig..."

Brief des Paulus an die Christen in Kolossäa, Kapitel 2,8+9

"Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben."

1. Brief des Johannes, Kapitel 5,20

"Danach spricht er (Jesus) zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!"

Evangelium nach Johannes, Kapitel 20,28

Nirgendwo wird die Göttlichkeit Jesu deutlicher bezeugt, als in dieser letzten Textstelle. Der Jünger Thomas glaubte zu halluzinieren, als er den auferstandenen Jesus vor sich sah und traute seinen Augen erst, als er die Wunden des Gekreuzigten berührte. Im griechischen Urtext der Bibel, der Septuaginta, wird der hebräische Gottesname JHWH mit dem Wort "Kyrios", also "Herr" übersetzt. Damals hatte dieses Wort noch eine weitaus Ehrfurcht erregendere, erschreckendere Bedeutung als heute. Thomas betitelt Jesus mit genau diesem Wort "Kyrios" und sagt damit unmissverständlich: Dieser Mann ist Gott.

Name Gottes: "Ich bin, der ich bin"
Immer wieder wird Jesus als "Sohn Gottes" bezeichnet. Selbstverständlich ist damit nicht gemeint, dass Jesus im herkömmlichen Sinne von Gott "geboren" oder "gezeugt" wurde, wie wir Menschen Kinder bekommen. "Sohn Gottes" ist in diesem Zusammenhang viel mehr ein Ehrentitel, der in vielen Kulturen für besonders mächtige Menschen benutzt wurde, die sich mit Gott auf eine Stufe stellten. So bezeichnete man beispielsweise viele römische Kaiser; die Pharaonen waren als "Söhne des Gottes Amun" bekannt und Alexander der Große als "Sohn des Zeus".[3] Als schließlich Jesus vor den Hohen Rat der Juden (Sanhedrin) geführt wurde, fragte ihn der Hohepriester:

"Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: ICH BIN's, und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört."

Evangelium nach Markus, Kapitel 14,62-64

Jesus benutzte hier eine besondere Phrase, die die Juden gut gekannt haben mussten. Für die Worte "ich bin's" steht im griechischen Urtext "Ego eimi". Jesus sagt also wörtlich übersetzt "ICH BIN, und ihr werdet sehen...". Diese Bezeichnung war im jüdischen Sprachgebrauch für Gott "reserviert" und ist nichts Anderes als der Name Gottes. Es soll ausdrücken, dass Gott der "ewig seiende" ist; der Einzige, der nur durch sich selbst definiert wird. Mit diesem Titel hat sich Gott schon vor vielen Tausend Jahren Mose vorgestellt:

"Gott sprach zu Mose: 'Ich bin, der ich bin' Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: 'Ich bin', der hat mich zu euch gesandt."

3. Buch Mose, Kapitel 3,14

Als sich Jesus "Ego Eimi" nannte, brauchte der Hohepriester keine weiteren Beweise: Dieser Mann hatte behauptet, Gott zu sein.

Der Erste und der Letzte
In den Büchern der Bibel ist "der Erste und der Letzte" ein vielfach benutzter Titel Gottes. Manchmal wird er auch als "Alpha und Omega" bezeichnet,[4] was der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets ist. Dieser Titel impliziert eine gewisse Exklusivität: Nur EINE Person kann "Erster" oder "Letzter" sein. Eine zweite Person wäre, wie der Name schon sagt, eben nur "Zweiter" oder "Vorletzter". Schauen wir uns unter diesem Aspekt folgenden Text an:

"Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle."

Offenbarung des Johannes, Kapitel 1,17

Wer ist es denn, der hier spricht und von sich sagt, er sei tot gewesen? Ist es Gott, der Vater? Nein, es ist Jesus. Und er führt den Titel Gottes. Die selbe Bezeichnung benutzt Jesus auch im Kapitel 22,13 der Offenbarung für sich selbst. Wenn Jesus der "Erste" ist, dann muss er Gott sein.

"Das Wort ward Fleisch"
In der Bibel gibt es noch einen anderen, mysteriösen Titel für Jesus, auf den wir eingehen müssen. Er heißt im Griechischen "Logos" und wird übersetzt mit "Wort". Unter dieser Bezeichnung erfahren wir einiges über Jesus Wesensart und seine Herkunft:

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott [...] Und das Wort ward Fleisch..."

Evangelium nach Johannes, Kapitel 1,1

Aus dem Kontext dieses Satzes geht eindeutig hervor, dass mit dem "Wort" niemand anderes gemeint ist als Jesus Christus. Die Zeugen Jehovas übersetzen hier "das Wort war EIN Gott" und meinen, dass Christus eine göttliche Person ist, jedoch nicht Gott selbst. Leider steht das Wort "ein" im griechischen Urtext nicht. Und wenn es so wäre, täte sich plötzlich ein anderes Problem auf: Dann hätten wir zwei voneinander unabhängige "göttliche" Wesen und damit fast schon einen verkappten Polytheismus. Bibelstellen wie die Folgende wären dann ein unüberwindliches Problem:

"... Ich bin Gott und keiner sonst!"

Prophet Jesaja, Kapitel 45,22

Womöglich steckt hinter der seltsamen Bezeichnung "Wort" eine höchst interessante Metapher. Was, wenn Jesus nichts anderes ist als das sprichwörtlich personifizierte Wort Gottes? Stellen wir uns vor: Gott als Wesen einer unvorstellbaren Dimension spricht Worte, und diese Worte kommen in unsere Dimension als der Mensch Jesus Christus an, der nichts anderes tut als den Willen Gottes. Jesus ist sozusagen die "Schallwelle" Gottes. Die Exekutive, die ausführende Gewalt. Dann kann man einerseits sagen: Das Wort und der Wille Gottes ist untrennbar mit seinem Wesen verbunden und letztendlich genau das, was ihn ausmacht. Andererseits ist die Schallwelle allein nicht Gott. So steht auch geschrieben:

"...Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn."

Evangelium nach Johannes, Kapitel 5,19

Und schließlich sind wir wieder ganz am Anfang der Bibel, und plötzlich erscheinen, bei genauerem hinsehen, bereits hier alle drei Personen der Dreieinigkeit:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde aber war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach (die WORTE): Es werde Licht!..."

Genesis Kapitel 1,1

Schlussfolgerung
Flüssigkeit, Dampf und Eis sind Erscheinungen des Wassers. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind nicht Erscheinungen Gottes; jeder von ihnen ist Gott. Ein unendlicher Gott kann nicht durch endliche Beispiele vollkommen beschrieben werden. Vielleicht müssen wir uns letztendlich damit abfinden, dass wir das Wesen Gottes mit unserem menschlichen Verstand nicht fassen können. Anstatt uns auf die Trinität zu konzentrieren, sollten wir unseren Blick daher besser auf die Liebe, Größe und Gegenwart Gottes richten.

"O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie gar unbeschreiblich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?"

Brief des Paulus an die Christen in Rom, Kapitel 11,33-34

Verwendete Literatur

[1] Wikipedia.de / Erstes Konzil von Nizäa
[2] Wikipedia.de / Weihnachten
[3] Wikipedia.de / Sohn Gottes
[4] z.B. Offenbarung 1,8; Jesaja 44,12 und Jesaja 48,12


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