Theologie » Glaubwürdigkeit der Bibel

Glaubwürdigkeit der Bibel

Wie authentisch sind die biblischen Berichte über Jesus Christus? Können Sie den Ansprüchen der Wissenschaft und einer Echtheitsprüfung standhalten?
Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen tun die Wunder und weisen Reden des jüdischen Zimmermanns direkt als Märchen ab, und die anderen denken ernsthaft darüber nach, ob das wohl wirklich so gewesen sein kann. Eine Herangehensweise hat Zukunft... die andere nicht. Wenn es tatsächlich stimmt, was Jesu Zeitgenossen über ihn geschrieben haben - nämlich, dass er von den Toten auferstanden und der "Sohn Gottes" ist - würde das unser aller Leben grundsätzlich verändern. Es gibt unzählige Argumente für und wider, und ebenso viele wissenschaftliche, philosophische und historische Fachgebiete, in denen wir uns dem Thema nähern können. Hier jedoch soll es nur um die archäologische Seite gehen. Der Hauptteil des folgenden Textes stammt von Guido Baltes, einem Israel-Forscher und Lehrer am Marburger Bibelseminar, den ich persönlich kennen lernen durfte.[1]

Zeit zwischen Ereignis und Niederschrift
Bei den großen griechischen Dichtern (Aischylos, Euripides, Sophokles) und Philosophen (Platon, Aristoteles) liegen zwischen der Abfassung des Originaltextes und den ersten erhaltenen Handschriften nie weniger als 1200 Jahre. Bei den lateinischen Schriftstellern sind es oft 800-1100 Jahre.

Ganz anders ist es bei der Überlieferung der Texte des Neuen Testaments: Das älteste erhaltene Fragment des Johannesevangeliums hat einen Abstand von etwa 30 Jahren zu dem Originaltext, den Johannes verfasst hat. Es handelt sich um den in Ägypten gefundenen Rylands Papyrus (P 52) aus dem Jahr 125 n. Chr. Er enthält Stücke aus Johannes Kapitel 18, 13-33 und 37-38 und liegt heute in der Rylands-Bibliothek in Manchester. Die "Chester Beatty Papyri", die etwa aus den Jahren 200-220 n. Chr. stammen, enthalten bereits große Teile der Evangelien und der Paulusbriefe. 31 weitere Papyrusfunde stammen aus den Jahren 200-300 n. Chr.

Neben den insgesamt 70 Papyrusfunden sind uns seit etwa 350 n. Chr. die so genannten "großen Codices" erhalten. Dabei handelt es sich um Bibelausgaben in Buchform. Die ältesten vollständigen Codices sind Codex Vaticanus und Codex Sinaiticus (um 350 n. Chr.). Sie sind die ersten Gesamtausgaben der Bibel und enthalten das Alte und das Neue Testament. Viele andere Handschriften stammen aus dem folgenden Jahrhundert. Insgesamt ist das Neue Testament in rund 4680 Handschriften überliefert. Diese Handschriften stammen aus allen Teilen des Mittelmeerraums und darüber hinaus.

Fälschung unmöglich
Die Evangelien wurden schon bald nach ihrer Abfassung weit verbreitet und früh in andere Sprachen übersetzt. Das Johannesevangelium, in der heutigen Türkei verfasst, war spätestens 30 Jahre nach seiner Abfassung schon in Ägypten bekannt. Kirchenschriftsteller des 2. Jahrhunderts in Syrien, Ägypten, Rom und Südfrankreich zitieren bereits die Texte der Evangelien: Clemens von Rom (ca. 95 n. Chr.) nimmt in einem Brief Bezug auf das Matthäusevangelium, das Lukasevangelium und die Paulusbriefe. Die "Didache" (eine Gemeindeordnung aus Syrien, um 100 n. Chr.) zitiert das Matthäus- und das Lukasevangelium. Justin (um 160 n. Chr.) nennt dann schon alle vier Evangelien ausdrücklich. Sie breiteten sich also schnell und unkontrollierbar aus. Jede Gemeinde wollte natürlich eine eigene Abschrift der neutestamentlichen Bücher besitzen. An eine spätere kirchliche Zensur oder eine absichtliche Fälschung der Texte war danach gar nicht mehr zu denken, denn es gab ja an zu vielen anderen Orten Handschriften mit dem richtigen Text. Solche Behauptungen haben also keine historische Grundlage.

Genaue Rekonstruktion des Originaltexts
Kleinere Abschreibfehler und Ungenauigkeiten konnten allerdings vorkommen. Teilweise hat auch ein einzelner Abschreiber aus Gründen seiner persönlichen Glaubensüberzeugungen einen Text verändert. Aber gleichzeitig wurde ja an unzähligen anderen Orten der ursprüngliche Wortlaut weiter bewahrt. Aus einem kritischen Vergleich aller heute erhaltenen Abschriften lässt sich deshalb ohne weiteres der Originaltext ziemlich genau wiederherstellen. Der griechische Text, der heute unseren deutschen Bibelausgaben zugrunde gelegt wird, ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Handschriften. Für jeden einzelnen Vers wurden alle verfügbaren Handschriften sorgfältig miteinander verglichen und so aufgrund strenger wissenschaftlicher Regeln der ursprünglichste und zuverlässigste Wortlaut ausfindig gemacht. Kein anderes Buch der Antike ist also auch nur annähernd so zuverlässig überliefert und bis ins Kleinste untersucht worden wie die Evangelien des Neuen Testaments!

Die Schriftrollen von Qumran
Wie aber ist es um die Zuverlässigkeit der Bücher aus dem Alten Testament der Bibel bestellt? Im Frühling 1947 fand der Beduine Muhammed edh-Dhib am Steilhang an der Westküste des Toten Meeres eine Höhle, in der sich zahlreiche Tonkrüge mit Schriftrollen befanden. Und im Februar 1948 erkannte der junge Bibelgelehrte Dr. John Trever, dass es sich bei diesen Schriftrollen um einen wahren Bibelschatz handelte. Die längste der Schriftrollen stellte sich als eine Abschrift des Propheten-Buches Jesaja heraus. Die Form ihrer Buchstaben ist so alt, dass die Rolle aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert vor Christus stammen muss. (Mittlerweile hat das Israel-Museum von Jerusalem eine digitale Kopie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.)[2]

Kaum war die Entdeckung der Jesaja-Rolle bekannt geworden, fragten die Zeitungen: "Wird die Grundlage des Christentums jetzt erschüttert?" Die Jesaja-Rolle wurde gleichsam zum Gradmesser für die Qualität der Bibelüberlieferung. Zu Recht - denn es stellte sich heraus, dass der Text hervorragend überliefert ist. Ein Vergleich der Qumran-Rolle mit mittelalterlichen Handschriften ergab, dass es nur einige unbedeutende Textschwankungen gibt, wie zum Beispiel Jesaja Kapitel 45,2: Bei Luther heißt es: "Ich will vor dir hergehen und die Höcker eben machen." In der Jesaja-Rolle steht: "Ich will vor euch hergehen und die Berge eben machen." Sprachvarianten, die nichts an Sinn oder Inhalt verändern.[3] Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Texte des Alten Testaments sehr zuverlässig überliefert worden sind. Aber nicht nur das: Ausgerechnet das Buch Jesaja beinhaltet mehrere Prophezeiungen, die unmissverständlich auf den Tod Jesu und die daraus folgende Sündenvergebung hindeuten, wie es uns in den vier Evangelien überliefert ist. Die Datierung der Jesaja-Rolle in die Zeit vor Christi Geburt ist somit ein Hinweis auf die Echtheit der Prophezeiungen, der nicht leicht von der Hand zu weisen ist:

Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. ...

Prophet Jesaja, Kapitel 53, 4-7

Verwendete Literatur

[1] "Faszination Jesus", Dr. Roland Werner und Guido Baltes, 2005
[2] The Israel Museum, Jerusalem, The Great Isaiah Scroll (1QIsa)
[3] "Faszination Bibel", Ausgabe 4/10, "Die Schätze von Qumran", Alexander Schick


» Zurück