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Noahs Arche und die Sintflut
Was steckt hinter den Erzählungen von der unglaublichen Sintflut, die die alte Welt vernichtet haben soll? Ist eine globale Flut theoretisch denkbar oder reine Utopie? Warum die Bibel mit ihren Behauptungen nicht alleine dasteht und was die Historiker zu sagen haben. Der Mythos im Schnelldurchlauf:
In einer ungerechten, alten Welt warnte Gott den damals einzig rechtschaffenen Menschen Noah (Noe) vor einer großen "Sünd"-Flut, mit der er die grausamen Menschen vernichten würde. Noah errichtete (vermutlich innerhalb von 120 Jahren) ein gigantisches Schiff, in welches er, seine Frau und seine drei Söhne Sem, Ham und Japhet sowie deren Frauen einstiegen. Die Menschen verlachten Noah, doch als es auf einmal zu regnen begann, nahm Noah von jedem Tier ein Männchen und ein Weibchen mit an Bord. Es regnete 150 Tage und Nächte weiter, bis die ganze Welt unter Wasser stand. Schließlich ließ Noah einen Raben und zwei Mal eine Taube losfliegen. Die Taube kehrte mit einem Ölzweig zur Arche zurück, was zu bedeuten hatte, dass das Land wieder sichtbar war. Endlich setzte die Arche im Gebirge von Ararat auf, worauf Noah Gott ein Opfer darbrachte und dieser ihm den Regenbogen als Zeichen dafür gab, dass nie wieder eine solche Flut kommen würde.
Nicht auf der Bergspitze
Die Arche landete also im Dreiländereck Türkei/Iran/Armenien, einem Flecken Erde, der heute größten politischen Spannungen ausgesetzt und daher nicht so einfach zu besuchen ist. (Zu Erwähnen ist die Forderung der kurdischen Minderheit nach Unabhängigkeit, der Zusammenbruch der früheren Sowjetunion und der Grenzkonflikt zwischen Armenien und Aserbeidschan.) Jahrhunderte lang war die Arche an diesem Ort eine Touristenattraktion der antiken Welt. Der Geschichtsschreiber Josephus schrieb deshalb:
Josephus Flavius, "jüdische Altertümer"
Seit der Zeit von Josephus geriet die langsam aber stetig verwitternde Arche in Vergessenheit. Und obwohl in unserer Zeit bereits zu Recht die Frage aufgetaucht ist, ob ein verlassenes Schiff wohl jemals mehr als 4500 Jahre überdauern könne, fesselt die Geschichte nach wie vor Archäologen und Forscher. Die Bibel sagt, das Schiff sei "im Gebirge Ararat" aufgesetzt, wobei die traditionelle, volkstümliche Vorstellung besagt, es sei direkt auf dem Gipfel gelandet.
Ein Mann namens Ron Wyatt wollte daher feststellen, ob das berühmte Schiff auch unterhalb des Gipfels liegen könnte. Seine Beobachtungen lehrten ihn, dass frei treibende, schwimmende Körper in träge fließendem Wasser nur durch Naturgesetze beeinflusst sind. Er baute ein Modellschiff und beschäftigte sich damit, zu prüfen, wie sich ein frei treibendes Schiff verhalten wird, wenn es sich einer aus dem Wasser herausragenden Bergspitze nähert.
Er versuchte in einem Bach verschiedene Schiffkonturen und Bergmodelle und fand heraus, das ein Schiff eine einfache, spitze Bergformation einfach vermeidet und auf keinen Fall darauf landen wird. Dies ist so aufgrund der Naturgesetze der Seitenmäßigen Wasserverdrängung eines Gases oder einer Flüssigkeit in einem verengten Raum. In keinem Fall würde also ein Schiff auf einer Bergspitze landen, auch nicht, wenn sich ein Berg direkt unter dem Schiff befindet und der Wasserspiegel langsam sinkt. Die Wasserverdrängung und die Bewegung der tieferen Wasserschichten um den Berg würde bewirken, dass das Schiff von der Spitze weggetragen wird. Diese Sachlage veranlasste Ron zu denken, dass Noahs Schiff kaum auf Berg Ararat landen konnte. Dies aber nicht nur aus den gerade beschriebenen Gründen, sondern auch, weil der "Greater Ararat" ein vulkanischer Berg ist, der erst viele Jahre nach der Sintflut entstand.
Expeditionen und "versteinerte Holzplanken"
Im 19. Jahrhundert starteten zahlreiche Expeditionen ins Gebirge. Immer wieder behaupteten einzelne Personen, das Schiff dort tatsächlich gefunden zu haben, und auch wenn sich ihre Beschreibungen in groben Zügen deckten, kehrten sie alle aus verschiedenen Gründen stets ohne handfeste Beweise zurück. Es hieß, die Arche könne nur im Sommer gesehen werden, denn da sei die Schneeschicht am dünnsten. Es hieß auch, die Arche sei in zwei oder drei Teile zerbrochen und mindestens ein Teil davon sei in einen tiefen Gebirgsspalt gerutscht.
Im Mai 1948 und Dezember 1978 schließlich bebte die Erde, wodurch im Gebirge Ararat eine bootsförmige Grundstruktur aus Erde und Schlamm entdeckt wurde. Der vorhin bereits erwähnte Ron Wyatt behauptete nach einer der folgenden Expeditionen, die Struktur sei genau so groß wie die Arche laut Bibel, und bestünde zudem aus "versteinerten Holzplanken". Er begründet dies damit, dass das Gestein zu großen Teilen aus organischem Kohlenstoff bestehe, was darauf hindeute, dass es einst gelebt haben muss. Es könne also kein normales Gestein sein, sondern viel mehr versteinertes Holz. Außerdem habe er Steinformationen gefunden, die einem Altar oder einem Ankerstein (als Ballast) gleichen. Bilder davon gehen bis heute wie wild durch die Medien und lösen gleichsam Kritik und Begeisterung aus.[1]
Doch es sollte sich herausstellen, dass an vielen Stellen des Gebirges derartige Erdstrukturen zu finden sind, was darauf hindeutet, dass diese rein natürlichen Ursprungs sind. Um sicher zu gehen, können wir die Maße der ominösen Struktur mit denen der tatsächlichen Arche vergleichen: Die Struktur ist exakt 152 Meter lang und 42 Meter breit. Wenn man berücksichtigt, dass das Schiff in Zwei Teile gebrochen ist und diese etwas auseinander liegen, kommen wir auf eine Länge von ca. 125 Metern.[2] Die Bibel spricht jedoch von 300 Ellen in der Länge, 50 Ellen in der Breite und 30 Ellen in der Höhe. Das Problem: Eine Elle ist von Zivilisation zu Zivilisation ein anderes Maß. Man ist darin übereingekommen, einen Wert von 46 cm zu wählen, womit die Arche 137 Meter lang und 23 Meter breit wäre.[3] Die Arche in der Länge zu messen, erscheint mir jedoch aus oben genannten Gründen zu ungenau. Die Breite lässt sich dagegen sehr genau vergleichen und bringt uns das vernichtende Ergebnis: Die Bootsstruktur im Ararat-Gebirge ist fast doppelt so breit als die Arche laut Bibel sein müsste.
Außerdem - und das ist wohl mit Abstand das stärkste Argument - war die Arche laut den Beschreibungen der Bibel ein Kasten und besaß überhaupt keine nahezu stromlinienförmige Bootsform, wie sie die Erdstrukturen im Gebirge aufweisen. Auch die "Holzplanken" wurden schließlich genau überprüft, und zwar von den Galbraith Laboratories of Tennessee. Dabei stellte sich heraus, dass sie nur drei Elemente - Kalzium, Eisen und Karbon - aufwiesen und weit davon entfernt waren, versteinertes Holz zu sein.[4] Im Allgemeinen werden Ron Wyatt (der selbst kein Wissenschaftler war) und sein Teamkollege David Fasold von der Öffentlichkeit kritisiert. Selbst andere ernstzunehmende Wissenschaftler (die ebenfalls Christen sind!) zweifeln an seinen Thesen:
Dr. John D. Morris, Institute for Creation Research, El Cajon, USA
Damit hätte die Sache geklärt sein können, doch weil zu viele Menschen nur das hören, was sie hören wollen, blieb der Mythos vom Archenfund hartnäckig bestehen. Aber selbst wenn die Arche verschollen ist und nie wieder gefunden wird, haben wir keinen Grund, an den Geschichten über sie zu zweifeln.
Wohin mit all den Tieren?
Wie oft hört man doch das Gelächter heutiger Zweifler, die Noah als einen halben Neandertaler ansehen möchten. Diese Leute befinden sich damit in genau der Gruppe, die Noah sahen, wie er ein Schiff auf trockenem Land baute und ihn deshalb verlachten. Nun, konnten alle Tiere in die Arche passen? Ja, sie passten schon alle hinein. Er brauchte ja nicht alle Spezies darin haben, nur die höheren Familienarten. Nur ein Paar der Grundart der Pferde. Nur ein Paar Wölfe, die Grundart der Hunde. Von den größeren Tieren hatte er wahrscheinlich jüngere Vertreter in seinem Schiff. Außerdem betrugen die Maße der Arche (wie oben schon erwähnt) 137 x 23 x 14 Meter. Eine Kiste diesen Ausmaßes könnte auch im tosenden Wasser unmöglich kentern und hätte ein Fassungsvermögen von ca. 40.000 Kubikmetern. Heute leben weniger als 18.000 verschiedene Arten von Landtieren aur der Erde. Man kann vielleicht von der doppelten Anzahl ausgehen, da seit Noah viele Arten ausgestorben sind. Zwei Tiere jeder Art ergeben dann 72.000 Tiere, die von dem oben erwähnte Fassungsvermögen weniger als 60% benötigen würden. Es wäre auch genug Raum für die 1 Million Insektenarten sowie Futtervorrat für 1 Jahr vorhanden.[5]
Woher die Wassermassen kamen
Wie kann auf Erden genug Wasser vorhanden sein, um die ganze Welt zu bedecken? Im biblischen Buch Genesis ist bei der Erschaffung der Erde davon die Rede, dass Gott am Himmel UND auf der Erde Wasser machte - eine Art flüssige Ozonschicht um die Erde herum:
Die Bibel, Genesis 1, 6-8
Es ist durchaus denkbar, dass diese Wassermassen bei der Sintflut herunterregneten. Zusätzlich heißt es, dass Wasser aus dem Erdinneren an die Oberfläche drang, vielleicht in Form riesiger Geysire.
Die Bibel, Genesis 7, 11
Außerdem sollte bedacht werden, dass auch heute noch mehr als genug Wasser vorhanden ist, um die ganze Erde zu bedecken. Man müsste lediglich davon ausgehen, dass die Landmasse der Kontinente vor der Sintflut mehr auf den heutigen Meeresboden verteilt waren; dass die Erde also insgesamt weniger "hügelig" gewesen ist. Unsere Erde wird nicht umsonst der "blaue Planet" genannt.
Sintflutsagen anderer Kulturen
Überall auf der Welt gibt es Völker, die ihre eigenen Erzählungen einer globalen Flut haben.[6] Als die Menschen sich nach der Flut auf der Erde verteilten, nahmen scheinbar alle die Erzählung von der großen Flut mit sich. Über die Jahrtausende wurde die Geschichte dann ausgeschmückt und zum Mythos. Jüngere Kulturen haben die Sage von Älteren übernommen. Aber die Grundgeschichte ist die selbe: Ein Mann bekommt die Warnung Gottes, dass eine große Flut kommen wird. Als einziger baut er ein Schiff und überlebt (meist mit einer oder sieben weiteren Personen) die Flut. Einige der relativ bekannten Flutsagen sind die Folgenden:
In Griechenland kennt man den Gott Zeus, der mit einer großen Flut die Verderbtheit der Menschen beenden wollte. Deukalion sollte einen "Kasten" bauen, in dem er und seine Frau Pyrrha gerettet wurden.
Die Inder kennen den frommen König Manu Satjavrata, der vom Gott Vischnu zum Bau einer Arche aufgefordert wurde, in der er die sieben Rishis, die heiligen Priester, rettete.
In der Schöpfungsgeschichte der australischen Aborigines (der sogenannten "Traumzeit") gibt es den Mythos des Großen Kängurus, das einst mit anderen "Tierleuten" die große Flut zurückhielt.
Aus dem Chinesischen Altertum der Zeit von Kaiser Yao gibt es Sagen von "Fluten, die sich bis zum Himmel türmen", oder von "Überschwemmungen, die mit ihren Fluten den Himmel bedrohen".
Im "Popol Vuh", dem so genannten "Buch des Rates" des Maya-Stammes der Quiche aus Guatemala heißt es, dass der Gott Huracan sein erstes Schöpfungswerk durch eine Flut vernichtete.
Bei den Blackfoot-Indianern der Algonkin in Nordamerika ist von dem Gott Nichant die Rede, der am Ende der Flut zu den Menschen diese interessanten Zeilen spricht:
Zusammenfassend kann man wohl davon ausgehen, dass die große Flut ein wahres, historisches Ereignis war, dessen Geschichte wir noch heute in vielen Kulturen der Erde finden können. Doch wann hat sie stattgefunden?
Sumer und die Datierung der Flut
Aus der Wiege der menschlichen Zivilisation, dem alten Sumer (im heutigen Irak), gibt es gleich mehrere Überlieferungen der Flut, die zusammen mit der biblischen Erzählung die ältesten Sintflutberichte ergeben. Sie bieten außerdem eine interessante Möglichkeit der Datierung.
Das Gilgamesch-Epos
Der babylonische Priester Berossos (3. Jahrhundert. v. Chr.) berichtet in seinem historischen Werk, der "Babylonika", auf griechisch unter anderem von der Flut. Als Quelle diente ihm vermutlich das aus Sumer stammende Gilgamesch-Epos, welches als das älteste literarische Werk der Menschheit gilt: Die in Keilschrift behauenen Tontafeln werden bis ins 24. Jahrhundert vor Christus zurückdatiert.[7] Es kann natürlich nicht festgestellt werden, wie lange nach der Regierungszeit von Gilgamesch dieses Epos geschrieben wurde, aber es kann angenommen werden, dass es bald nach dessen Tod geschah. Gilgamesch, zwei Drittel Gott und ein Drittel Mensch, begegnet im Epos auf der Suche nach der Unsterblichkeit einem alten Mann namens Ziusudra (auch "Atrahasis" und in späteren Überlieferungen "Uta-napisti" genannt), der ihm sogleich von der großen Flut berichtet. Die sumerischen Götter Anu, Enki und Enlil, so berichtet er, hätten damals beschlossen, die Welt zu vernichten. Nur der menschenfreundliche Enki hatte Ziusudra vor der Ur-Sintflut gewarnt. Dieser baute ein großes Schiff, in dem er mit seiner Familie und zahlreichen Tieren die Flut überlebte. Später ließ er eine Taube, eine Schwalbe und einen Raben fliegen, um zu sehen, ob das Wasser schon zurückgegangen sei. Schließlich bekamen Ziusudra und seine Frau, als Dank für die Rettung der Tiere, die Unsterblichkeit geschenkt.[8] Dank dem Epos kann man also das Jahr 2500 v. Chr. als ersten Anhaltspunkt für das Datum der Flut nehmen.
Die sumerische Königsliste
Ein weiteres, aufschlussreiches Relikt aus früheren Tagen bildet eine alte Königsliste, die ausgegraben wurde, nachdem sie mehrere Jahrtausende verschüttet war. Auf dieser Tontafel sind (nach einem einleitenden Hinweis auf die Sintflut) die Herrscher damaliger Städte sowie deren Regierungszeiten festgehalten. Die ersten nachsintflutlichen Könige sollen demnach ungefähr 2700 v. Chr. regiert haben.[9] Die Liste nennt Enmerkar, den biblischen Nimrod,[10] als Gründer Uruks und erwähnt drei Generationen später auch Gilgamesch als König derselben Stadt.
Chronologien der Bibel
Eine weitere Möglichkeit liefert die Bibel selbst. Denn aus ihren Geschlechtsregistern lassen sich die Jahre von Adam bis Abraham sehr exakt ableiten[11] und bei der Chronologie von Abraham bis Jesus kennen wir zumindest die Anzahl der Generationen.[12] So kommt man für die Erschaffung Adams ungefähr auf das Jahr 4000 v. Chr. und für die Sintflut etwa auf das Jahr 2350 v. Chr., was in Anbetracht der großen Zeiträume recht gut mit der Datierung der sumerischen Quellen übereinstimmt. Die Zeitspanne, innerhalb der die Sintflut wahrscheinlich stattgefunden hat, liegt also zwischen dem 28. und dem 24. Jahrhundert v. Chr. An dieser Stelle muss betont werden, dass die biblische Chronologie die einzige existierende und in einer zeitlichen Reihenfolge überlieferte überhaupt ist. Es gibt auf der ganzen Erde bei keinem anderen Volk eine auch nur annähernd mit der biblischen zu vergleichende Chronologie. Für die Zeit vor 664 v. Chr., (die Chronologie nach diesem Jahr gilt allgemein als "sicher") gibt es auch keine ausserbiblischen Ereignisse, die mit völliger Sicherheit datiert werden können. Es gibt somit keine vergleichbaren Ereignisse, an denen die biblische Chronologie "geeicht" werden könnte.[13]
Nicht auf der Bergspitze
Die Arche landete also im Dreiländereck Türkei/Iran/Armenien, einem Flecken Erde, der heute größten politischen Spannungen ausgesetzt und daher nicht so einfach zu besuchen ist. (Zu Erwähnen ist die Forderung der kurdischen Minderheit nach Unabhängigkeit, der Zusammenbruch der früheren Sowjetunion und der Grenzkonflikt zwischen Armenien und Aserbeidschan.) Jahrhunderte lang war die Arche an diesem Ort eine Touristenattraktion der antiken Welt. Der Geschichtsschreiber Josephus schrieb deshalb:
"Die Armenier nennen diesen Ort den "Platz der Abstammung", denn dort setzte die Arche sicher nieder und ihre Überreste werden von den Einwohnern bis zur heutigen Zeit dort gezeigt."
Josephus Flavius, "jüdische Altertümer"
Seit der Zeit von Josephus geriet die langsam aber stetig verwitternde Arche in Vergessenheit. Und obwohl in unserer Zeit bereits zu Recht die Frage aufgetaucht ist, ob ein verlassenes Schiff wohl jemals mehr als 4500 Jahre überdauern könne, fesselt die Geschichte nach wie vor Archäologen und Forscher. Die Bibel sagt, das Schiff sei "im Gebirge Ararat" aufgesetzt, wobei die traditionelle, volkstümliche Vorstellung besagt, es sei direkt auf dem Gipfel gelandet.
Ein Mann namens Ron Wyatt wollte daher feststellen, ob das berühmte Schiff auch unterhalb des Gipfels liegen könnte. Seine Beobachtungen lehrten ihn, dass frei treibende, schwimmende Körper in träge fließendem Wasser nur durch Naturgesetze beeinflusst sind. Er baute ein Modellschiff und beschäftigte sich damit, zu prüfen, wie sich ein frei treibendes Schiff verhalten wird, wenn es sich einer aus dem Wasser herausragenden Bergspitze nähert.
Er versuchte in einem Bach verschiedene Schiffkonturen und Bergmodelle und fand heraus, das ein Schiff eine einfache, spitze Bergformation einfach vermeidet und auf keinen Fall darauf landen wird. Dies ist so aufgrund der Naturgesetze der Seitenmäßigen Wasserverdrängung eines Gases oder einer Flüssigkeit in einem verengten Raum. In keinem Fall würde also ein Schiff auf einer Bergspitze landen, auch nicht, wenn sich ein Berg direkt unter dem Schiff befindet und der Wasserspiegel langsam sinkt. Die Wasserverdrängung und die Bewegung der tieferen Wasserschichten um den Berg würde bewirken, dass das Schiff von der Spitze weggetragen wird. Diese Sachlage veranlasste Ron zu denken, dass Noahs Schiff kaum auf Berg Ararat landen konnte. Dies aber nicht nur aus den gerade beschriebenen Gründen, sondern auch, weil der "Greater Ararat" ein vulkanischer Berg ist, der erst viele Jahre nach der Sintflut entstand.
Expeditionen und "versteinerte Holzplanken"
Im 19. Jahrhundert starteten zahlreiche Expeditionen ins Gebirge. Immer wieder behaupteten einzelne Personen, das Schiff dort tatsächlich gefunden zu haben, und auch wenn sich ihre Beschreibungen in groben Zügen deckten, kehrten sie alle aus verschiedenen Gründen stets ohne handfeste Beweise zurück. Es hieß, die Arche könne nur im Sommer gesehen werden, denn da sei die Schneeschicht am dünnsten. Es hieß auch, die Arche sei in zwei oder drei Teile zerbrochen und mindestens ein Teil davon sei in einen tiefen Gebirgsspalt gerutscht.
Doch es sollte sich herausstellen, dass an vielen Stellen des Gebirges derartige Erdstrukturen zu finden sind, was darauf hindeutet, dass diese rein natürlichen Ursprungs sind. Um sicher zu gehen, können wir die Maße der ominösen Struktur mit denen der tatsächlichen Arche vergleichen: Die Struktur ist exakt 152 Meter lang und 42 Meter breit. Wenn man berücksichtigt, dass das Schiff in Zwei Teile gebrochen ist und diese etwas auseinander liegen, kommen wir auf eine Länge von ca. 125 Metern.[2] Die Bibel spricht jedoch von 300 Ellen in der Länge, 50 Ellen in der Breite und 30 Ellen in der Höhe. Das Problem: Eine Elle ist von Zivilisation zu Zivilisation ein anderes Maß. Man ist darin übereingekommen, einen Wert von 46 cm zu wählen, womit die Arche 137 Meter lang und 23 Meter breit wäre.[3] Die Arche in der Länge zu messen, erscheint mir jedoch aus oben genannten Gründen zu ungenau. Die Breite lässt sich dagegen sehr genau vergleichen und bringt uns das vernichtende Ergebnis: Die Bootsstruktur im Ararat-Gebirge ist fast doppelt so breit als die Arche laut Bibel sein müsste.
Außerdem - und das ist wohl mit Abstand das stärkste Argument - war die Arche laut den Beschreibungen der Bibel ein Kasten und besaß überhaupt keine nahezu stromlinienförmige Bootsform, wie sie die Erdstrukturen im Gebirge aufweisen. Auch die "Holzplanken" wurden schließlich genau überprüft, und zwar von den Galbraith Laboratories of Tennessee. Dabei stellte sich heraus, dass sie nur drei Elemente - Kalzium, Eisen und Karbon - aufwiesen und weit davon entfernt waren, versteinertes Holz zu sein.[4] Im Allgemeinen werden Ron Wyatt (der selbst kein Wissenschaftler war) und sein Teamkollege David Fasold von der Öffentlichkeit kritisiert. Selbst andere ernstzunehmende Wissenschaftler (die ebenfalls Christen sind!) zweifeln an seinen Thesen:
"Die Struktur [...] entstand, als Erde und Schlamm von den benachbarten Hängen abrutschten; es entstand ein stromlinienförmiges Gebilde. Es sei abschließend gesagt, dass es eine rundum zufriedenstellende geologische Erklärung für diese Struktur gibt und keinerlei Hinweise von archäologischer Bedeutung."
Dr. John D. Morris, Institute for Creation Research, El Cajon, USA
Damit hätte die Sache geklärt sein können, doch weil zu viele Menschen nur das hören, was sie hören wollen, blieb der Mythos vom Archenfund hartnäckig bestehen. Aber selbst wenn die Arche verschollen ist und nie wieder gefunden wird, haben wir keinen Grund, an den Geschichten über sie zu zweifeln.
Wohin mit all den Tieren?
Wie oft hört man doch das Gelächter heutiger Zweifler, die Noah als einen halben Neandertaler ansehen möchten. Diese Leute befinden sich damit in genau der Gruppe, die Noah sahen, wie er ein Schiff auf trockenem Land baute und ihn deshalb verlachten. Nun, konnten alle Tiere in die Arche passen? Ja, sie passten schon alle hinein. Er brauchte ja nicht alle Spezies darin haben, nur die höheren Familienarten. Nur ein Paar der Grundart der Pferde. Nur ein Paar Wölfe, die Grundart der Hunde. Von den größeren Tieren hatte er wahrscheinlich jüngere Vertreter in seinem Schiff. Außerdem betrugen die Maße der Arche (wie oben schon erwähnt) 137 x 23 x 14 Meter. Eine Kiste diesen Ausmaßes könnte auch im tosenden Wasser unmöglich kentern und hätte ein Fassungsvermögen von ca. 40.000 Kubikmetern. Heute leben weniger als 18.000 verschiedene Arten von Landtieren aur der Erde. Man kann vielleicht von der doppelten Anzahl ausgehen, da seit Noah viele Arten ausgestorben sind. Zwei Tiere jeder Art ergeben dann 72.000 Tiere, die von dem oben erwähnte Fassungsvermögen weniger als 60% benötigen würden. Es wäre auch genug Raum für die 1 Million Insektenarten sowie Futtervorrat für 1 Jahr vorhanden.[5]
Woher die Wassermassen kamen
Wie kann auf Erden genug Wasser vorhanden sein, um die ganze Welt zu bedecken? Im biblischen Buch Genesis ist bei der Erschaffung der Erde davon die Rede, dass Gott am Himmel UND auf der Erde Wasser machte - eine Art flüssige Ozonschicht um die Erde herum:
"...und Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung inmitten der Wasser, die bilde eine Scheidung zwischen den Wassern! Und Gott machte die Ausdehnung und schied das Wasser unter der Ausdehnung von dem Wasser über der Ausdehnung [...] und Gott nannte die Ausdehnung Himmel."
Die Bibel, Genesis 1, 6-8
Es ist durchaus denkbar, dass diese Wassermassen bei der Sintflut herunterregneten. Zusätzlich heißt es, dass Wasser aus dem Erdinneren an die Oberfläche drang, vielleicht in Form riesiger Geysire.
"...An diesem Tag brachen alle Quellen der großen Tiefe auf, und die Fenster des Himmels öffneten sich."
Die Bibel, Genesis 7, 11
Außerdem sollte bedacht werden, dass auch heute noch mehr als genug Wasser vorhanden ist, um die ganze Erde zu bedecken. Man müsste lediglich davon ausgehen, dass die Landmasse der Kontinente vor der Sintflut mehr auf den heutigen Meeresboden verteilt waren; dass die Erde also insgesamt weniger "hügelig" gewesen ist. Unsere Erde wird nicht umsonst der "blaue Planet" genannt.
Sintflutsagen anderer Kulturen
Überall auf der Welt gibt es Völker, die ihre eigenen Erzählungen einer globalen Flut haben.[6] Als die Menschen sich nach der Flut auf der Erde verteilten, nahmen scheinbar alle die Erzählung von der großen Flut mit sich. Über die Jahrtausende wurde die Geschichte dann ausgeschmückt und zum Mythos. Jüngere Kulturen haben die Sage von Älteren übernommen. Aber die Grundgeschichte ist die selbe: Ein Mann bekommt die Warnung Gottes, dass eine große Flut kommen wird. Als einziger baut er ein Schiff und überlebt (meist mit einer oder sieben weiteren Personen) die Flut. Einige der relativ bekannten Flutsagen sind die Folgenden:
In Griechenland kennt man den Gott Zeus, der mit einer großen Flut die Verderbtheit der Menschen beenden wollte. Deukalion sollte einen "Kasten" bauen, in dem er und seine Frau Pyrrha gerettet wurden.
Die Inder kennen den frommen König Manu Satjavrata, der vom Gott Vischnu zum Bau einer Arche aufgefordert wurde, in der er die sieben Rishis, die heiligen Priester, rettete.
In der Schöpfungsgeschichte der australischen Aborigines (der sogenannten "Traumzeit") gibt es den Mythos des Großen Kängurus, das einst mit anderen "Tierleuten" die große Flut zurückhielt.
Aus dem Chinesischen Altertum der Zeit von Kaiser Yao gibt es Sagen von "Fluten, die sich bis zum Himmel türmen", oder von "Überschwemmungen, die mit ihren Fluten den Himmel bedrohen".
Im "Popol Vuh", dem so genannten "Buch des Rates" des Maya-Stammes der Quiche aus Guatemala heißt es, dass der Gott Huracan sein erstes Schöpfungswerk durch eine Flut vernichtete.
Bei den Blackfoot-Indianern der Algonkin in Nordamerika ist von dem Gott Nichant die Rede, der am Ende der Flut zu den Menschen diese interessanten Zeilen spricht:
"Wenn ihr gut seid und Gutes tut, will ich kein Wasser und kein Feuer mehr über euch kommen lassen. Denn lange, ehe das Wasser sich erhob, war die Erde verbrannt worden. Dies ist jetzt das dritte Leben. Dann zeigte er den Menschen den Regenbogen und sagte zu ihnen: Dies hier ist das Zeichen, dass die Erde nicht wieder mit Wasser bedeckt werden soll. Wenn ihr Regen habt, so werdet ihr den Regenbogen sehen, und wenn ihr ihn seht, so bedeutet dies, dass der Regen vorüber ist. Es wird später noch eine andere Welt sein als diese. Dann sagte er den Menschen, dass sie sich paarweise trennen sollten und sich Wohnplätze suchen. So sind die Menschen über die Welt zerstreut worden."
Zusammenfassend kann man wohl davon ausgehen, dass die große Flut ein wahres, historisches Ereignis war, dessen Geschichte wir noch heute in vielen Kulturen der Erde finden können. Doch wann hat sie stattgefunden?
Sumer und die Datierung der Flut
Aus der Wiege der menschlichen Zivilisation, dem alten Sumer (im heutigen Irak), gibt es gleich mehrere Überlieferungen der Flut, die zusammen mit der biblischen Erzählung die ältesten Sintflutberichte ergeben. Sie bieten außerdem eine interessante Möglichkeit der Datierung.
Das Gilgamesch-Epos
Der babylonische Priester Berossos (3. Jahrhundert. v. Chr.) berichtet in seinem historischen Werk, der "Babylonika", auf griechisch unter anderem von der Flut. Als Quelle diente ihm vermutlich das aus Sumer stammende Gilgamesch-Epos, welches als das älteste literarische Werk der Menschheit gilt: Die in Keilschrift behauenen Tontafeln werden bis ins 24. Jahrhundert vor Christus zurückdatiert.[7] Es kann natürlich nicht festgestellt werden, wie lange nach der Regierungszeit von Gilgamesch dieses Epos geschrieben wurde, aber es kann angenommen werden, dass es bald nach dessen Tod geschah. Gilgamesch, zwei Drittel Gott und ein Drittel Mensch, begegnet im Epos auf der Suche nach der Unsterblichkeit einem alten Mann namens Ziusudra (auch "Atrahasis" und in späteren Überlieferungen "Uta-napisti" genannt), der ihm sogleich von der großen Flut berichtet. Die sumerischen Götter Anu, Enki und Enlil, so berichtet er, hätten damals beschlossen, die Welt zu vernichten. Nur der menschenfreundliche Enki hatte Ziusudra vor der Ur-Sintflut gewarnt. Dieser baute ein großes Schiff, in dem er mit seiner Familie und zahlreichen Tieren die Flut überlebte. Später ließ er eine Taube, eine Schwalbe und einen Raben fliegen, um zu sehen, ob das Wasser schon zurückgegangen sei. Schließlich bekamen Ziusudra und seine Frau, als Dank für die Rettung der Tiere, die Unsterblichkeit geschenkt.[8] Dank dem Epos kann man also das Jahr 2500 v. Chr. als ersten Anhaltspunkt für das Datum der Flut nehmen.
Die sumerische Königsliste
Ein weiteres, aufschlussreiches Relikt aus früheren Tagen bildet eine alte Königsliste, die ausgegraben wurde, nachdem sie mehrere Jahrtausende verschüttet war. Auf dieser Tontafel sind (nach einem einleitenden Hinweis auf die Sintflut) die Herrscher damaliger Städte sowie deren Regierungszeiten festgehalten. Die ersten nachsintflutlichen Könige sollen demnach ungefähr 2700 v. Chr. regiert haben.[9] Die Liste nennt Enmerkar, den biblischen Nimrod,[10] als Gründer Uruks und erwähnt drei Generationen später auch Gilgamesch als König derselben Stadt.
Chronologien der Bibel
Eine weitere Möglichkeit liefert die Bibel selbst. Denn aus ihren Geschlechtsregistern lassen sich die Jahre von Adam bis Abraham sehr exakt ableiten[11] und bei der Chronologie von Abraham bis Jesus kennen wir zumindest die Anzahl der Generationen.[12] So kommt man für die Erschaffung Adams ungefähr auf das Jahr 4000 v. Chr. und für die Sintflut etwa auf das Jahr 2350 v. Chr., was in Anbetracht der großen Zeiträume recht gut mit der Datierung der sumerischen Quellen übereinstimmt. Die Zeitspanne, innerhalb der die Sintflut wahrscheinlich stattgefunden hat, liegt also zwischen dem 28. und dem 24. Jahrhundert v. Chr. An dieser Stelle muss betont werden, dass die biblische Chronologie die einzige existierende und in einer zeitlichen Reihenfolge überlieferte überhaupt ist. Es gibt auf der ganzen Erde bei keinem anderen Volk eine auch nur annähernd mit der biblischen zu vergleichende Chronologie. Für die Zeit vor 664 v. Chr., (die Chronologie nach diesem Jahr gilt allgemein als "sicher") gibt es auch keine ausserbiblischen Ereignisse, die mit völliger Sicherheit datiert werden können. Es gibt somit keine vergleichbaren Ereignisse, an denen die biblische Chronologie "geeicht" werden könnte.[13]
Verwendete Literatur
| [1] | Wyattmuseum.com |
| [2] | GoolgeEarth Satellitenfotos, Koordinaten 39°26'26.26"N, 44°14'04.26"E |
| [3] | John D. Morris, Institute for Creation Research, El Cajon, USA, 1992, www.wort-und-wissen.de |
| [4] | "Amazing Ark Expose", Ph.D. Andrew Snelling, September 1992 |
| [5] | John MacArthur Studienbibel, CLV, 2002, Fußnote zu Genesis 6, 19+20 |
| [6] | "Sintflutsagen der Welt", Gertrud Schulter-Jeffre, 2001 |
| [7] | Wikipedia.de / Sintflut |
| [8] | "Das Gilgamesch-Epos", Stefan Maul, C. H. Beck Verlag, Mai 2008 |
| [9] | Wikipedia.de / Sumerische Königsliste |
| [10] | "Legend: The Genesis of Civilisation", David Rohl, Arrow-Verlag, 2000 |
| [11] | Genesis Kapitel 11, 10-26 |
| [12] | Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1 |
| [13] | "Von Ewigkeit zu Ewigkeit", Gian Luca Carigiet, 2001, auch: www.progenesis.ch |
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