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Visionen Daniels I - Die vier Weltreiche
Woher können wir wissen, ob ein Buch oder eine Person die Wahrheit über Gott sagt? Die zahlreichen Behauptungen über Gott können nicht alle Recht behalten. Wir brauchen also eine Art Vertrauens-Vorschuss oder eine Möglichkeit der Überprüfung. Und die gibt es. Wenn jemand detailliert die Zukunft voraussagt, können wir nachprüfen, ob die Ereignisse tatsächlich so eingetroffen sind. Falls ja, sollten wir ihm Vertrauen schenken. Denn die Zukunft kennt nur Gott. Im Buch Daniel gibt es eine ganze Reihe solcher Prophezeiungen.
Der Prophet Daniel sagte zwei Mal voraus, dass die jüdische Nation in Zukunft noch insgesamt vier verschiedenen Weltreichen unterworfen sein würde. Unter "Weltreich" versteht sich entweder ein Reich, das über die gesamte bekannte Welt herrscht oder das zumindest das mächtigste Reich der Welt ist. Daniel schrieb die Prophezeiungen ungefähr im Jahr 530 v. Chr. auf, während er in Babylon lebte.
Der erste Traum: Die große Statue
Es begann damit, dass der König des neubabylonischen Reiches, Nebukadnezar, einen Traum hatte, den Daniel deuten sollte:
Prophet Daniel, Kapitel 2,31-35
Zusammengefasst sah die Statue also folgendermaßen aus:
1. Ihr Kopf war aus feinem Gold,
2. ihre Brust und Arme waren aus Silber,
3. ihr Bauch und ihre Hüften waren aus Bronze, und
4. ihre Beine waren aus Eisen und die Füße teils aus Eisen und teils aus Ton.
Der zweite Traum: Die vier Tiere
Etwa 50 Jahre später hatte Daniel als alter Mann selbst einen Traum mit folgendem Inhalt:
Prophet Daniel Kapitel 7,2-7
Zusammengefasst tauchten die Tiere also in foglender Reihenfolge auf:
1. Ein Löwe mit Flügeln
2. Ein Bär mit Rippen im Maul
3. Ein Panther mit vier Köpfen
4. Ein Ungeheuer mit zehn Hörnern.
Deutung der Träume
Mit der ihm von Gott verliehenen Weisheit deutete Daniel beide Traumgesichter: Sowohl die Teile der Statue als auch die Tiere repräsentierten die vier aufeinander folgende Weltreiche. Ab hier können wir in die Geschichtsbücher schauen und die Prophezeiungen überprüfen. Ich nehme die faszinierende Tatsache vorweg: Israel war im Lauf seiner Geschichte tatsächlich vier Weltreichen unterworfen, und zwar nur vier.
Das erste Weltreich: Babylon
Das erste Weltreich wird von Daniel definitiv als das damals herrschende, neubabylonische Reich angegeben. Der geflügelte Löwe aus Daniels zweitem Traum, ein Wappentier Babylons, stellte das Reich ebenso dar wie der Kopf aus Gold:
Prophet Daniel, Kapitel 2,38
Nebukadnezar war bekannt für seine mächtigen Bauwerke wie die hängenden Gärten oder die Prozessionsstraße zum Ishtar-Tor. Zur Zeit der Visionen Daniels befanden sich die Juden in Gefangenschaft in Babylon. Das war also noch keine Zukunfts-Prophezeiung, sondern für Daniel, der selbst Jude war, war es die Gegenwart.
Das zweite Weltreich: Medo-Persien
Das babylonische Reich stürzte einige Jahre später durch die militärische Gewalt der Meder und Perser unter König Kyrus, die von da an die führende Macht in der Welt waren. Jedoch nicht so mächtig wie Babylonien:
Prophet Daniel, Kapitel 2,39
Eine antike Aufzeichnung behauptet, dass die Truppen des persischen Generals Ugbaru einen Graben ausgehoben hatten, um das Wasser des Euphrats umzuleiten und dadurch den Wasserpegel zu senken. Da der Fluss die Stadt Babylon durchzog, konnten die Belagerer durch das Flussufer die dicken Mauern umgehen und in die Stadt eindringen, während der babylonische König Belsazar nichtsahnend in seinem Palast feierte.[1] Belsazar starb noch in der selben Nacht. Das folgende persische Reich übertraf Babylon an Ausdehnung, verlor dafür aber dessen Pracht und Standhaftigkeit.
Das dritte Weltreich: Griechenland
Das medo-persische Reich brach seinerseits zusammen, als Alexander der Große im Jahre 333 v. Chr. die Heere Darius III. in der Schlacht zu Issos besiegte.[2] Eine weitere entscheidende Schlacht zwischen den Persern und den Griechen wurde bei den Thermophylen ausgetragen, als sich Leonidas mit seinen 300 tapferen Soldaten dem gesamten Perser-Heer entgegenstellte. So begann die 150-jährige Herrschaft der Griechen über Judäa:
Prophet Daniel, Kapitel 2,39
Der Feldzug Alexanders führte von Griechenland über Ägypten bis nach Indien. Wohin er auch kam, konnte ihn niemand aufhalten. Er herrschte nahezu über die gesamte damals bekannte Welt. Einzig seinen Feldzug nach Westeuropa konnte er nicht vollenden, da er sehr plötzlich an einer Tropenkrankheit starb. Bevor es jetzt mit dem vierten Weltreich weitergeht, ist ein kleiner Einschub in Form eines weiteren Traumes nötig, der den Übergang vom zweiten zum dritten Weltreich beschreibt.
Der dritte Traum: Widder und Ziegenbock
Neben der Statue und den vier Tieren hatte Daniel noch einen weiteren Traum, in dem ein Widder gegen einen Ziegenbock kämpfte. Dieser Traum stellt den Krieg zwischen dem zweiten und dem dritten Weltreich dar. Der Ziegenbock, also Griechenland, siegte. Doch danach brach das Horn auf dem Kopf des Ziegenbocks (das Alexander darstellt) ab und wurde durch vier weitere Hörner ersetzt. Hörner sind in der Bibel immer ein Symbol für Macht und Königreiche. Die vier Hörner werden in Daniels zweitem Traum analog durch die vier Köpfe des Panthers dargestellt.
Prophet Daniel, Kapitel 8,20-22
Alexander der Große starb überraschend im Jahr 323 v. Chr., nachdem er seinem Freund, dem Heerführer Perdikkas, seinen Siegelring überreicht hatte. Angeblich habe er verlauten lassen, er werde dem Stärksten unter seinen Feldherren sein Reich übergeben. Dies führte zu einem ständigen Machtwechsel zwischen Alexanders Söhnen und seinen Generälen (den so genannten Diadochen), während sie sich um die einzelnen Teile des Reiches stritten. Nach der Schlacht von Ipsos im Jahr 301 v. Chr. stellte sich, wie vorhergesagt, ein gewisses Gleichgewicht ein, das vier mächtige Diadochen-Könige hervorbrachte:[3]
- Lysimachos in Thrakien
- Ptolemaios in Ägypten
- Seleukos in Syrien und Babylonien
- Kassander in Griechenland und Makedonien
Das Greuel der Verwüstung
Kurz danach kam ein Sprössling der seleukidischen Linie auf, der mehrere düstere Weissagungen Daniels erfüllen sollte. In der Bibel gilt dieser Herrscher aufgrund seines Anti-jüdischen Gemüts als ein Typus für den Antichristen, der am Ende der Zeiten auftreten wird:
Prophet Daniel, Kapitel 8,23-25
Wie uns die Historiker berichten, war es der seleukidische Herrscher Antiochus IV., genannt "Epiphanes" (griech. "der erschienene Gott"), der die Juden unter grausamster Folter dazu zwang, ihrem Glauben abzuschwören. Mit dem Ziel, das Land zu "hellenisieren" verbot er alle jüdischen Kulthandlungen. Der Tiefpunkt wurde 167 v. Chr. erreicht, als Antiochus auf dem Brandopfer-Altar vor dem Tempel in Jerusalem einen Zeus-Altar (das "Greuel der Verwüstung") errichtete und auf diesem ein Schwein opfern ließ.[4] Antiochus IV. starb drei Jahre später in geistiger Umnachtung, während sein Reich von aufständischen Juden unter Judas Makkabäus zerrüttet wurde und schließlich zerfiel.[5]
Das vierte Weltreich: Rom
Ein Jahrhundert lang durften die Juden Freiheit von fremder Herrschaft genießen. Doch im Jahre 63 v. Chr. eroberte der römische General Pompeius das Land, was die endgültige Vernichtung des griechischen Weltreiches besiegelte. Das darauf folgende römische Reich war die absolute Weltmacht, doch es war geteilt:
Prophet Daniel, Kapitel 2,40-43
Das Weströmische Reich entstand aus der Teilung des römischen Reiches im Jahre 395 n. Chr., nachdem der römische Kaiser Theodosius I. das Reich zwischen seinen Söhnen Flavius Augustus Honorius (Westrom) und Arcadius (Ostrom/Byzanz) aufteilte.[6] Die eisernen Rüstungen der römischen Legionäre, die mit ihren Schildkrötenpanzern alles zermalmten, könnten in der Prophezeiung kaum deutlicher dargestellt werden. Mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem vertrieben die Römer die Israeliten in die ganze Welt. Danach waren die geflohenen Juden zwar unter den jeweiligen Nationen unterjocht, unter denen sie sich gerade befanden, aber es existierte nie wieder ein neues Weltreich, obwohl viele Herrscher versucht hatten, Rom wieder aufleben zu lassen: Karl der Große ebenso wie Napoleon und Hitler. Stattdessen hat das "heilige römische Reich" in einer anderen Form bis heute Bestand und Macht: Nämlich als das Papsttum von Rom.
Daniel in der Kritiker-Grube
Die Prophezeiungen Daniels sind so detailliert und eindeutig beschrieben und haben sich derart exakt erfüllt, dass gebildete Ungläubige versucht haben, diesem Bibelbuch seine Echtheit abzusprechen. Sie behaupten, nicht Daniel habe es geschrieben, sondern jemand anderes, und zwar erst nachdem die vorausgesagten Ereignisse stattgefunden hatten. Dieser falsche Autor habe das Buch mit dem Namen Daniel versehen, um ihm Ansehen zu verleihen. Durch die Entdeckung der Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer im Jahre 1948 hat die herkömmliche Datierung des Buches Daniel jedoch neue Unterstützung erfahren. Es wurden nicht nur verschiedene Kopien des Buches Daniel entdeckt, sondern auch Schriftrollen, die auf Daniel Bezug nahmen, unter anderem das "Gebet des Nabonidus" und das "Buch der Riesen". Anhand der Datierung dieser Schriften ins 2. und 1. Jahrhundert vor Christus können wir davon ausgehen, dass das Buch Daniel selbst noch früher geschrieben wurde, und damit deutlich vor der Zeit des Antiochus Epiphanes. Ein weiteres Argument liefert uns der jüdische Historiker Josephus Flavius, der im 1. Jahrhundert n. Chr. gelebt und die jüdische Geschichte sehr zuverlässig aufgezeichnet hat:
Josephus Flavius, "Jüdische Altertümer", Buch XI, Kapitel 8, Absatz 5"
Josephus war also eindeutig der Meinung, dass das Buch Daniel schon vor der Ankunft Alexanders im 4. Jahrundert v. Chr. existierte. Und schließlich wird die historische Genauigkeit des Danielbuches von den apokryphen Büchern 1. und 2. Makkabäer unterstützt. Einer der Makkabäer, Mattathias, gab 166 v. Chr. eine Rede, um die Juden im Sinne der Makkabäer zu einigen. In dieser Rede beschrieb er historische Persönlichkeiten von Abraham bis Daniel (1. Makkabäer 2, 51-60). Wenn Daniel ein Zeitgenosse Mattathias‘ gewesen wäre oder das Buch Daniel erst im Vorjahr geschrieben worden wäre, würde dann Daniel als einer der Vorfahren genannt werden?
Abschließend möchte ich behaupten, dass die Indizien stark für die herkömmliche Datierung des Danielbuches (530 v. Chr.) sprechen. Die eigentliche Frage lautet aber, ob wir bereit sind, das Buch Daniel als ein göttlich inspiriertes, prophetisches Buch anzuerkennen, oder ob wir jeglichen göttlichen Einfluss von vornherein leugnen. Denn in diesem Fall ist jede Argumentation sinnlos.
Der erste Traum: Die große Statue
Es begann damit, dass der König des neubabylonischen Reiches, Nebukadnezar, einen Traum hatte, den Daniel deuten sollte:
"Du, König, schautest: Und siehe, ein großes Bild! Dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Aussehen war furchtbar. Dieses Bild, sein Haupt war aus feinem Gold, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden aus Bronze, seine Schenkel aus Eisen, seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton."
Prophet Daniel, Kapitel 2,31-35
Zusammengefasst sah die Statue also folgendermaßen aus:
1. Ihr Kopf war aus feinem Gold,
2. ihre Brust und Arme waren aus Silber,
3. ihr Bauch und ihre Hüften waren aus Bronze, und
4. ihre Beine waren aus Eisen und die Füße teils aus Eisen und teils aus Ton.
Der zweite Traum: Die vier Tiere
Etwa 50 Jahre später hatte Daniel als alter Mann selbst einen Traum mit folgendem Inhalt:
"Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere. Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel genommen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf zwei Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben. Und siehe, ein anderes Tier, das zweite, war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friss viel Fleisch! Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde große Macht gegeben. Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen. [...]"
Prophet Daniel Kapitel 7,2-7
Zusammengefasst tauchten die Tiere also in foglender Reihenfolge auf:
1. Ein Löwe mit Flügeln
2. Ein Bär mit Rippen im Maul
3. Ein Panther mit vier Köpfen
4. Ein Ungeheuer mit zehn Hörnern.
Deutung der Träume
Mit der ihm von Gott verliehenen Weisheit deutete Daniel beide Traumgesichter: Sowohl die Teile der Statue als auch die Tiere repräsentierten die vier aufeinander folgende Weltreiche. Ab hier können wir in die Geschichtsbücher schauen und die Prophezeiungen überprüfen. Ich nehme die faszinierende Tatsache vorweg: Israel war im Lauf seiner Geschichte tatsächlich vier Weltreichen unterworfen, und zwar nur vier.
Das erste Weltreich: Babylon
Das erste Weltreich wird von Daniel definitiv als das damals herrschende, neubabylonische Reich angegeben. Der geflügelte Löwe aus Daniels zweitem Traum, ein Wappentier Babylons, stellte das Reich ebenso dar wie der Kopf aus Gold:
"...du (König Nebukadnezar) bist der Kopf aus Gold."
Prophet Daniel, Kapitel 2,38
Nebukadnezar war bekannt für seine mächtigen Bauwerke wie die hängenden Gärten oder die Prozessionsstraße zum Ishtar-Tor. Zur Zeit der Visionen Daniels befanden sich die Juden in Gefangenschaft in Babylon. Das war also noch keine Zukunfts-Prophezeiung, sondern für Daniel, der selbst Jude war, war es die Gegenwart.
Das zweite Weltreich: Medo-Persien
Das babylonische Reich stürzte einige Jahre später durch die militärische Gewalt der Meder und Perser unter König Kyrus, die von da an die führende Macht in der Welt waren. Jedoch nicht so mächtig wie Babylonien:
"Das [silberne] Reich, das nach dir kommt, wird schwächer sein als deines."
Prophet Daniel, Kapitel 2,39
Eine antike Aufzeichnung behauptet, dass die Truppen des persischen Generals Ugbaru einen Graben ausgehoben hatten, um das Wasser des Euphrats umzuleiten und dadurch den Wasserpegel zu senken. Da der Fluss die Stadt Babylon durchzog, konnten die Belagerer durch das Flussufer die dicken Mauern umgehen und in die Stadt eindringen, während der babylonische König Belsazar nichtsahnend in seinem Palast feierte.[1] Belsazar starb noch in der selben Nacht. Das folgende persische Reich übertraf Babylon an Ausdehnung, verlor dafür aber dessen Pracht und Standhaftigkeit.
Das dritte Weltreich: Griechenland
Das medo-persische Reich brach seinerseits zusammen, als Alexander der Große im Jahre 333 v. Chr. die Heere Darius III. in der Schlacht zu Issos besiegte.[2] Eine weitere entscheidende Schlacht zwischen den Persern und den Griechen wurde bei den Thermophylen ausgetragen, als sich Leonidas mit seinen 300 tapferen Soldaten dem gesamten Perser-Heer entgegenstellte. So begann die 150-jährige Herrschaft der Griechen über Judäa:
"Das dritte, das bronzene, wird die ganze Welt beherrschen."
Prophet Daniel, Kapitel 2,39
Der Feldzug Alexanders führte von Griechenland über Ägypten bis nach Indien. Wohin er auch kam, konnte ihn niemand aufhalten. Er herrschte nahezu über die gesamte damals bekannte Welt. Einzig seinen Feldzug nach Westeuropa konnte er nicht vollenden, da er sehr plötzlich an einer Tropenkrankheit starb. Bevor es jetzt mit dem vierten Weltreich weitergeht, ist ein kleiner Einschub in Form eines weiteren Traumes nötig, der den Übergang vom zweiten zum dritten Weltreich beschreibt.
Der dritte Traum: Widder und Ziegenbock
Neben der Statue und den vier Tieren hatte Daniel noch einen weiteren Traum, in dem ein Widder gegen einen Ziegenbock kämpfte. Dieser Traum stellt den Krieg zwischen dem zweiten und dem dritten Weltreich dar. Der Ziegenbock, also Griechenland, siegte. Doch danach brach das Horn auf dem Kopf des Ziegenbocks (das Alexander darstellt) ab und wurde durch vier weitere Hörner ersetzt. Hörner sind in der Bibel immer ein Symbol für Macht und Königreiche. Die vier Hörner werden in Daniels zweitem Traum analog durch die vier Köpfe des Panthers dargestellt.
"Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien. Der Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König. Dass aber vier an seiner Stelle wuchsen, nachdem es zerbrochen war, bedeutet, dass vier Königreiche aus seinem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig wie er."
Prophet Daniel, Kapitel 8,20-22
- Lysimachos in Thrakien
- Ptolemaios in Ägypten
- Seleukos in Syrien und Babylonien
- Kassander in Griechenland und Makedonien
Das Greuel der Verwüstung
Kurz danach kam ein Sprössling der seleukidischen Linie auf, der mehrere düstere Weissagungen Daniels erfüllen sollte. In der Bibel gilt dieser Herrscher aufgrund seines Anti-jüdischen Gemüts als ein Typus für den Antichristen, der am Ende der Zeiten auftreten wird:
"Aber gegen Ende ihrer (der vier Diadochen) Herrschaft, wenn die Frevler überhand nehmen, wird aufkommen ein frecher und verschlagener König. Der wird mächtig sein, doch nicht so mächtig wie sie. Er wird ungeheures Unheil anrichten und es wird ihm gelingen, was er tut. […] Und gegen das heilige Volk (d.h. Israel) richtet sich sein Sinnen, und es wird ihm durch Betrug gelingen und er wird überheblich werden, und unerwartet wird er viele verderben …"
Prophet Daniel, Kapitel 8,23-25
Wie uns die Historiker berichten, war es der seleukidische Herrscher Antiochus IV., genannt "Epiphanes" (griech. "der erschienene Gott"), der die Juden unter grausamster Folter dazu zwang, ihrem Glauben abzuschwören. Mit dem Ziel, das Land zu "hellenisieren" verbot er alle jüdischen Kulthandlungen. Der Tiefpunkt wurde 167 v. Chr. erreicht, als Antiochus auf dem Brandopfer-Altar vor dem Tempel in Jerusalem einen Zeus-Altar (das "Greuel der Verwüstung") errichtete und auf diesem ein Schwein opfern ließ.[4] Antiochus IV. starb drei Jahre später in geistiger Umnachtung, während sein Reich von aufständischen Juden unter Judas Makkabäus zerrüttet wurde und schließlich zerfiel.[5]
Das vierte Weltreich: Rom
Ein Jahrhundert lang durften die Juden Freiheit von fremder Herrschaft genießen. Doch im Jahre 63 v. Chr. eroberte der römische General Pompeius das Land, was die endgültige Vernichtung des griechischen Weltreiches besiegelte. Das darauf folgende römische Reich war die absolute Weltmacht, doch es war geteilt:
"Das vierte [Reich] ist hart wie Eisen. Es zerschlägt alle anderen Reiche, so wie hartes, schweres Eisen alles zermalmt. Doch du hast gesehen, dass die Füße und Zehen der Statue teils aus Eisen, teils aus Ton waren. Dies bedeutet: Das Reich ist geteilt. [...]"
Prophet Daniel, Kapitel 2,40-43
Das Weströmische Reich entstand aus der Teilung des römischen Reiches im Jahre 395 n. Chr., nachdem der römische Kaiser Theodosius I. das Reich zwischen seinen Söhnen Flavius Augustus Honorius (Westrom) und Arcadius (Ostrom/Byzanz) aufteilte.[6] Die eisernen Rüstungen der römischen Legionäre, die mit ihren Schildkrötenpanzern alles zermalmten, könnten in der Prophezeiung kaum deutlicher dargestellt werden. Mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem vertrieben die Römer die Israeliten in die ganze Welt. Danach waren die geflohenen Juden zwar unter den jeweiligen Nationen unterjocht, unter denen sie sich gerade befanden, aber es existierte nie wieder ein neues Weltreich, obwohl viele Herrscher versucht hatten, Rom wieder aufleben zu lassen: Karl der Große ebenso wie Napoleon und Hitler. Stattdessen hat das "heilige römische Reich" in einer anderen Form bis heute Bestand und Macht: Nämlich als das Papsttum von Rom.
Daniel in der Kritiker-Grube
Die Prophezeiungen Daniels sind so detailliert und eindeutig beschrieben und haben sich derart exakt erfüllt, dass gebildete Ungläubige versucht haben, diesem Bibelbuch seine Echtheit abzusprechen. Sie behaupten, nicht Daniel habe es geschrieben, sondern jemand anderes, und zwar erst nachdem die vorausgesagten Ereignisse stattgefunden hatten. Dieser falsche Autor habe das Buch mit dem Namen Daniel versehen, um ihm Ansehen zu verleihen. Durch die Entdeckung der Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer im Jahre 1948 hat die herkömmliche Datierung des Buches Daniel jedoch neue Unterstützung erfahren. Es wurden nicht nur verschiedene Kopien des Buches Daniel entdeckt, sondern auch Schriftrollen, die auf Daniel Bezug nahmen, unter anderem das "Gebet des Nabonidus" und das "Buch der Riesen". Anhand der Datierung dieser Schriften ins 2. und 1. Jahrhundert vor Christus können wir davon ausgehen, dass das Buch Daniel selbst noch früher geschrieben wurde, und damit deutlich vor der Zeit des Antiochus Epiphanes. Ein weiteres Argument liefert uns der jüdische Historiker Josephus Flavius, der im 1. Jahrhundert n. Chr. gelebt und die jüdische Geschichte sehr zuverlässig aufgezeichnet hat:
"Als Alexander Gaza erreicht hatte, beeilte er sich, nach Jerusalem hinaufzugehen. [...] Als ihm (Alexander) das Buch Daniel gezeigt wurde, worin Daniel schreibt, dass einer der Griechen das Persische Reich zerstören sollte, nahm er an, dass er selbst diese Person sei."
Josephus Flavius, "Jüdische Altertümer", Buch XI, Kapitel 8, Absatz 5"
Josephus war also eindeutig der Meinung, dass das Buch Daniel schon vor der Ankunft Alexanders im 4. Jahrundert v. Chr. existierte. Und schließlich wird die historische Genauigkeit des Danielbuches von den apokryphen Büchern 1. und 2. Makkabäer unterstützt. Einer der Makkabäer, Mattathias, gab 166 v. Chr. eine Rede, um die Juden im Sinne der Makkabäer zu einigen. In dieser Rede beschrieb er historische Persönlichkeiten von Abraham bis Daniel (1. Makkabäer 2, 51-60). Wenn Daniel ein Zeitgenosse Mattathias‘ gewesen wäre oder das Buch Daniel erst im Vorjahr geschrieben worden wäre, würde dann Daniel als einer der Vorfahren genannt werden?
Abschließend möchte ich behaupten, dass die Indizien stark für die herkömmliche Datierung des Danielbuches (530 v. Chr.) sprechen. Die eigentliche Frage lautet aber, ob wir bereit sind, das Buch Daniel als ein göttlich inspiriertes, prophetisches Buch anzuerkennen, oder ob wir jeglichen göttlichen Einfluss von vornherein leugnen. Denn in diesem Fall ist jede Argumentation sinnlos.
Verwendete Literatur
| [1] | "Herodots Welt", Reinhold Bichler, Oldenbourg Akademieverlag, 2001 |
| [2] | Wikipedia.de / Schlacht bei Issos |
| [3] | Wikipedia.de / Diadochen |
| [4] | Wikipedia.de / Antiochos IV. |
| [5] | Wikipedia.de / Makkabäer |
| [6] | Wikipedia.de / Byzantinisches Reich |
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